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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Versorger Hohe Bewertung hindert Verbund-Aktie bisher nicht am Aufstieg

 ·  Im Vergleich zu anderen europäischen Versorgern ist die Aktie des Wiener Verbunds hoch bewertet und bietet eine unterdurchschnittliche Dividendenrendite. Gleichwohl strebt die Aktie aufwärts und markiert ein neues Rekordhoch.

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Vor Energie nur so strotzend präsentiert sich die Aktie der Österreichischen Elektrizitätswirtschafts-Aktiengesellschaft an der Wiener Börse. Mit einem Kursgewinn von 3,4 Prozent rangiert sie am Dienstag klar an der Spitze des Wiener ATX-Index und setzt ihren Höhenflug eindrucksvoll fort: Die Notiz bewegt sich um 195,50 Euro, nachdem sie schon auf 198 Euro hochgelaufen war, und strebt einem neuen Rekordhoch auf Schlußkursbasis zu.

Der Grund: Der kurz Verbund genannte Konzern hat im ersten Quartal dieses Jahr erheblich mehr umgesetzt als erwartet. Auch der Periodengewinn liegt über der durchschnittlichen Analystenschätzung. Zudem blickt der Konzernvorstand zuversichtlich auf den weiteren Jahresverlauf. Dies gibt der Aktie neue Kraft und läßt die im Branchenvergleich hohe Bewertung und die unterdurchschnittliche Dividendenrendite in den Hintergrund treten.

Überschuß 33 Prozent höher als erwartet

Der Wiener Versorger hat seinen Umsatz im Vergleich zum ersten Quartal 2004 von 727,8 Millionen Euro auf 874,2 Millionen Euro gesteigert. Analysten hatten mit 830,13 Millionen Euro gerechnet. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg von 110,4 Millionen Euro auf 134 Millionen Euro, während der Markt lediglich 130,1 Millionen Euro erwartet hatte. Auch das Periodenüberschuß von 96,7 Millionen Euro oder 3,14 Euro je Aktie lag erheblich über der Konsensprognose, die bei 72,4 Millionen Euro lag. Der Vorstand führt die Ergebnisverbesserung im ersten Quartal 2005 in erster Linie auf die Erhöhung der europäischen Stromgroßhandelspreise infolge anhaltend stark steigender Öl- und Gaspreise zurück, wie Dow Jones-vwd berichtet.

Der Verbund hat nach Einschätzung der Raiffeisen Centrobank (RCB) bessere Zahlen für das erste Quartal 2005 vorgelegt als erwartet. Der Umsatz habe leicht über den Erwartungen gelegen, sagt Günter Hohberger von der RCB. Das operative Ergebnis habe etwas deutlicher über den Schätzungen der RCB gelegen. Der Verbund-Ausblick sei keine „große Überraschung“, er liege in der erwarteten Bandbreite. Die Schätzungen der RCB lägen aber etwas über den Prognosen. Das aktuelle Rating der RCB lautet „übergewichten“ mit einem Kursziel von 203 Euro.

Vorstand erwartet höheren Jahresgewinn

Der Verbund rechnet für das laufende Jahr mit einem operativen Ergebnis von über 420 Millionen Euro nach 385,5 Millionen Euro im Vorjahr. Das Konzernergebnis sollte von 235,4 Millionen Euro auf mehr als 259 Millionen Euro steigen, teilte der Konzern mit. Gründe seien weitere „maßgebliche“ Erfolge im In- und Ausland, der Anstieg der europäischen Großhandelspreise sowie das Kostenbewußtsein des Unternehmens,so der Verbund. Mitte Februar hatte Verbund laut Dow Jones-vwd bereits mitgeteilt, für 2005 ein prozentual zweistelliges Ergebniswachstum zu erwarten. Auch will der Konzern den Schuldenberg deutlich abtragen.

Die Prognose des Vorstands läuft auf ein Ergebnis je Aktie von 8,4 Euro hinaus. Aus Sicht des Marktes ist diese Vorhersage konservativ: Analysten trauen gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 19,7 dem Konzern sogar 9,9 Euro zu. Mit diesem KGV ist der Verbund hoch bewertet; nur die italienische Enel ist ähnlich teuer. Deutsche Versorger sind halb so hoch bewertet.

Analyst: Hohes KGV kein Grund zur Sorge

Doch Christoph Schultes, Analyst bei der Erste Bank AG in Wien, beunruhigt dies nicht. Begründung: Der Aktienkurs spiegele die großen Zukunftschancen wider. Der Verbund könne billig Strom aus Wasserkraft produzieren, ohne diesen Vorteil an die Kunden weitergeben zu müssen. Weil er stark auf Wasser setze, werde er auch von Emissionszertifikaten profitieren. So sieht Schultes keinen Grund, von seiner im März veröffentlichten Kaufempfehlung abzurücken oder das Kursziel von 215 Euro zu senken. Vielmehr sieht er eher noch Luft nach oben.

Aus charttechnischer Sicht ist jedenfalls alles in Butter. Mit dem neuen Rekordhoch sendet die Aktie ein Kaufsignal. Dabei ist der Kursanstieg mit einem Plus von 39 Prozent binnen Jahresfrist und 19 Prozent in den vergangenen drei Monaten nicht so gewaltig, daß alsbald mit deutlichen Korrekturen gerechnet werden müßte. Für den Titel spricht auch die relative Stärke, die er in der jüngsten Zeit gegenüber dem ATX gezeigt hat. Eine komfortable Halteposition ist die Aktie allemal. Mutigere Naturen greifen auch bei diesem Kursniveau noch zu, zumal der Titel zum Jahresende 2004 etwas höher bewertet war als derzeit.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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