07.09.2010 · Die verlängerten Laufzeiten für Atomkraftwerke haben den Kursen der deutschen Versorger kurzfristig einen Schub gegeben. Allgemein war mit diesen Aktien zuletzt aber trotz günstiger Bewertung wahrlich kein Staat zu machen.
In diesem Jahr bewegt sich die Kursentwicklung von Eon und RWE deutlich im Minus. Und auf Sicht von zwölf Monaten zieren diese beiden Titel im Dax zusammen mit HeidelbergCement mit Abschlägen von 18,25 Prozent und 13,33 Prozent sogar das Tabellenende.
Innerhalb dieser Kurstristesse erlebten die Aktionäre immerhin zum Wochenauftakt auch einmal eine positive Überraschung. Denn mit den da verbuchten Kursgewinnen von 1,79 Prozent und 1,84 Prozent avancierten Eon und RWE zu den größten Tagesgewinnern im EuroStoxx 5o Index.
Auslöser dafür war der nach monatelangen Diskussionen zwischen Union und FDP gefundene Kompromiss auf längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke. Die im Kanzleramt ausgehandelte Vereinbarung sieht vor, dass jüngere Kernkraftwerke, ab dem Baujahr 1980, 14 Jahre länger am Netz bleiben als bisher geplant, ältere Meiler 8 Jahre zusätzlich. Das bedeutet, dass die letzten Kernkraftwerke voraussichtlich erst im Jahr 2040 vom Netz gehen. Bisher gilt nach dem von Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg eine Laufzeit von 32 Jahren. Danach wäre der letzte der 17 Atommeiler in Deutschland nach aktuellem Stand 2025 vom Netz gegangen. Im Gegenzug wird eine neue Atomsteuer eingeführt, die zunächst auf sechs Jahre befristet und bis einschließlich 2016 erhoben wird.
Branche klagt über die Belastungen
Doch wer dachte, diese Meldung könnte die Kurse der Versorger nun etwas länger beflügeln, der wird bereits am Dienstag eines Besseren belehrt. In einem allgemein nachgebenden Gesamtmarkt zählen auch Eon und RWE mit zu den Verlierern. Zum einen hat das sicherlich mit einer abwartenden Haltung zu tun, weil man nun erst sehen will, ob die Laufzeitverlängerung auch vom Bundesrat genehmigt wird, in dem die schwarz-gelbe Koalition keine Mehrheit hat. Außerdem fragen sich die Börsianer, ob ein jetzt gefasster Beschluss auch dann erhalten bleibt, wenn bei den Wahlen im Jahr 2013 eine neue Bundesregierung gewählt werden sollte.
Nicht gerade förderlich für das Sentiment rund um die Aktien aus der Branche dürften auch die Klagen von RWE-Vorstand Rolf Martin Schmitz über die für sein Unternehmen aus dem gefundenen Atomkompromiss resultierenden Belastungen sein. „Die Auswirkungen sind für uns finanziell erst einmal negativ. Die Laufzeitverlängerung bringt mittelfristig nicht mehr Ergebnis. Das ist eine Sache für die lange Bank. Das führt vielmehr zu einer Schmälerung des operativen Gewinns bei uns, die wir versuchen müssen mit anderen Maßnahmen auszugleichen.“
Stimmen diese Aussagen, gibt es in der Tat derzeit noch keinen triftigen Grund für eine Neubewertung der Versorgeraktien. Die Analysten von Independent Research raten jedenfalls momentan nur zum Halten der Aktien von Eon und RWE. Zur Begründung für dieses nur neutrale Urteil verweisen sie in einer Studie auf Untersuchungsergebnisse des Bundeskartellamtes bezüglich des deutschen Stromerzeugersektors, die im Spätherbst veröffentlicht werden. Schon am Montag habe sich die Wettbewerbsbehörde negativ zur Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke geäußert, weil dadurch die oligopolistischen Marktstrukturen erhalten blieben. Die regulatorischen Unsicherheiten und Risiken bleiben vor diesem Hintergrund somit nach wie vor hoch.
Günstige Bewertungen versus regulatorische Unsicherheiten
Allerdings kommen diese Bedenken inzwischen auch schon deutlich in de Bewertungen zum Ausdruck. So weist Eon beim aktuellen Kurs von 23,27 Euro auf Basis der für 2010 erwarteten Gewinne nur ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,2 auf und bei RWE beträgt diese Kennziffer bei Notierungen von 53,85 Euro sogar nur 7,6. Hinzu kommt im Falle von Eon eine Dividendenrendite von 6,54 Prozent und im Falle von RWE von 6,76 Prozent. Das sind für deutsche Standardwerte jeweils Spitzenwerte und signalisiert, dass bereits einiges an negativen Nachrichten in den Kursen steckt. Bevor sich die Bendenken der Anleger rund um die Branche aber nicht verflüchtigen, dürfte es für die Titel schwer bleiben, von den genannten Bewertungsvorzügen im vollen Umfange zu profitieren.
Ändern würde sich das sicherlich dann, wenn die Berechnungen de Freiburger Öko-Instituts stimmen sollten. Denn demnach können die vier großen Energiekonzerne RWE, Eon, EnBW und Vattenfall unter der Annahme von in den kommenden Jahren leicht steigenden Strompreisen durch den Atomkompromiss auf Mehreinnahmen von mehr als 120 Milliarden Euro hoffen. Diesen Berechnungen zufolge werden durch die Brennelementesteuer bis 2016 und Sonderabgaben für den Ausbau der Öko-Energien nur 25 Prozent des zusätzlichen Geldes vom Staat abgeschöpft. Am Markt wird diese Sichtweise der Dinge derzeit aber noch nicht geteilt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |