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Versorger-Aktien Verfassungsklage gibt nur geringen Impuls

 ·  Die spektakuläre Verfassungsklage gegen die Energiewende gibt den Aktienkursen von Eon und RWE am Mittwoch leichten Auftrieb. Doch viele Unsicherheiten wiegen weiter schwer auf den Kursen.

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Geht es in Deutschland um Elektrizitätsversorgung, geht es immer um Politik. Nur acht Jahre nach der Gründung der RWE begannen Thyssen und Stinnes mit der Umorganisation als gemischtwirtschaftliches Unternehmen mit auch staatlichen Anteilseignern. Eon entstand aus den als Staatsholdings gegründeten Gesellschaften Veba und Viag.

Die Deregulierung der Neunziger Jahre ändert daran wenig, weil sich die marktbeherrschende Stellung der großen Stromkonzerne dadurch eher verbesserte: Eon, RWE, EnBW und Vattenfall Europe vereinen rund 80 Prozent des Marktes auf sich. Die grundlegende Bedeutung der Elektrizitätsversorgung macht die Konzerne daher für die Politik sehr wichtig und verschafft ihnen damit erheblichen Einfluss. Das zeigt sich auch darin, dass etwa im Aufsichtsrat von RWE unter anderem zwei Oberbürgermeister und ein Landrat sitzen.

Beziehungskrise im politischen Geflecht

Bisweilen aber kommt es zu Beziehungskrisen, und genau eine solche hat nun die Energiewende hervorgerufen. Mit der Schadensersatzklage über rund 15 Milliarden Euro, die Eon und RWE nun beim Bundesverfassungsgericht eingereicht haben, hat diese einen Höhepunkt erreicht.

Aktienanleger finden an dem Vorstoß Gefallen. Mit Kursaufschlägen von 1,9 Prozent für Eon und 1 Prozent für RWE gehören die Aktien der beiden Großkonzerne zu den größten Kursgewinnern im FAZ-Index, der insgesamt im Minus liegt.

Die Klage der Versorger richtet sich gegen die abrupte Kehrtwende nach dem Fukushima-Unglück, nachdem die Regierung noch kurze Zeit davor erst die Laufzeiten der Reaktoren verlängert hatte. Für den plötzlichen Kurswechsel in der Energiepolitik habe es in Deutschland keinen zwingenden Anlass gegeben, dieser sei daher unverhältnismäßig.

Erfolgsaussichten ungewiss

Eine schnelle Entscheidung erwarten Marktbeobachter allerdings nicht. Mit einem Urteil vor der Bundestagswahl im Herbst 2013 sei nicht zu rechnen, heißt es. Sollte ein Urteil zu Gunsten der klagenden Energiekonzerne gefällt werden, sieht Analyst Michael Schäfer von Equinet deutliches Kurspotential für Eon. Der genannte Schaden entspreche einem Wert von 4,20 Euro je Aktie. Derzeit wolle er aber noch keine Vorhersagen machen und berücksichtige die im Raum stehenden Schadensersatzansprüche bei der Bewertung der Aktien nicht.

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Das erscheint aus mehreren Gründen durchaus eine sinnvolle Herangehensweise zu sein. Zum einen ist der Ausgang ungewiss, obwohl offenkundig die Mehrheit der Anleger darauf spekuliert, dass die Klage den Konzern irgendeinen Vorteil verschaffen wird. So sind Kompromisse denkbar. Möglicherweise wird die Brennelementesteuer wieder abgeschafft oder der Ausstieg aufgeweicht. Zugeständnisse könnte es auch im Zertifikatehandel geben. Von 2013 an müssen die Versorger ihre CO2-Verschmutzungsrechte bezahlen. Nach dem hastigen Atomausstieg könnte sie noch mehr Zertifikate brauchen. Hier könnte der Staat Übergangshilfen gewähren. Doch auch all dies ist ungewiss, so dass ich die Attraktivität der Aktien nur auf einer vermuteten Basis erhöht.

Wenig Hoffnungen auf der Preisseite

Jenseits dieser politischen Spiele sind die Meinungen über die Aktien der Großversorger sehr geteilt. So ist die Mehrzahl der Analysten immer noch der Ansicht, dass es besser wäre, sich von RWE zu trennen.

Erst am Dienstag hatte die Schweizer Großbank UBS ihr Kursziel für die Aktie von 36 auf 30 Euro gesenkt, was nur knapp über dem aktuellen Kursniveau liegt. Vor allem die Strompreisperspektiven seien trübe, meint Analyst Patrick Hummel. Der deutsche Grundlaststrompreis sei seit Jahresbeginn vor allem wegen der geringeren Kohlepreise um rund zehn Prozent gesunken. Das deckt sich mit der Auffassung der deutschen Bank, die jüngst ihre Prognose für die Stromnachfrage im kommenden Jahr auch aufgrund der Krise im Euroraum deutlich senkte. Nach dem Dafürhalten nicht nur der UBS ist RWE viel anfälliger für Strompreisänderungen als Eon.

RWE im Hintertreffen

Und es gibt noch mehr Dinge, die gegen RWE sprechen. Dazu zählt vor allem, dass die geplanten Verkäufe von Vermögenswerten auf sich warten lassen, die Eon schon fast hinter sich hat. Das wiederum wird sich nach dem Dafürhalten von Beobachtern in einer Herabstufung des Bonitätsratings äußern. RWE hatte sich bei der Übernahme von Essent 2009 stark verschuldet und konnte diese Lasten aufgrund ausbleibender Verkäufe bisher nur zum Teil abbauen. Die Kreditanalysten von Mitsubishi UFJ rechnen indes nicht mit einer baldigen Herabstufung durch eine Rating-Agentur.

Analysten rechnen daher erst 2014 mit einer deutlichen Verbesserung der Ertragslage von RWE, dagegen schon im kommenden Jahr für Eon. Andererseits ist die Eon-Aktie schon jetzt deutlich höher bewertet als die von RWE, wobei sie auf der Gewinn- und damit auch auf der Dividendenebene die größere Dynamik aufweist. Auf Basis des Kurs-Cashflow-Verhältnisse hat die Eon-Aktie auch deutliche Vorteile, steigt diese doch erst 2015 wieder an, während die Analysten bei RWE ab 2013 schon mit einer steigenden Bewertung rechnen.

Schwache Defensive

Insgesamt ist die Lage beider Versorgerkonzerne unsicher. Es ist offen, was aus dem Zertifikatehandel wird, die Zukunft der Atomenergie ist unsicher und durch die Verfassungsklage nicht wesentlich gewisser geworden. Hinzu kommen noch die veränderten Verhältnisse auf dem Gasmarkt, wo neu entdeckte Vorkommen für Preisdruck sorgen, aber langfristige Lieferverträge Verluste bescheren.

Seite Mitte 2011 hatten sich die Kurse beider Aktien zunächst etwas erholen könne, gerieten aber Mitte März abermals unter Druck. Diese ungünstige Kurs-Entwicklung spricht trotz der verlockenden Dividendenrenditen nicht für die Aktien. Die Kursgewinne vom Tage sind gering und können wohl kaum als Zeichen für eine Trendwende wertet werden. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass besonders die RWE-Notierung das Doppeltief von der Jahreswende zwischen 26 und 27 Euro testen wird. Für Eon sieht es etwas günstiger aus, weil sich eine Unterstützung oberhalb von 14 Euro lokalisieren lässt. Andererseits warte bei 16 Euro ein kräftiger Widerstand.

Für Dividendenjäger bietet sich Eon insgesamt eher an, indes ist es noch lang bis zur nächsten Ausschüttung. Insofern wäre eher ein Überwinden der Marke von 16 Euro ein mögliches Signal zum Einstieg.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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