26.09.2006 · Viel Geduld mußte Eon im Kampf um die spanische Endesa bislang aufbringen. Heute wäre man fast am Ziel gewesen. Doch wie aus dem Nichts taucht ein weiterer spanischer Bieter auf, der die Düsseldorfer noch weiter von ihrem Ziel abdrängt.
Erstens kommt es anders und zweites als man denkt, heißt es im Volksmund. Nachdem das deutsche Versorgungsunternehmen Eon sich einmal entschlossen hatte, den spanischen Wettbewerber Endesa zu übernehmen und mit seinem Angebot den spanischen Versorger Gas Natural deutlich ausstach, wurden den Düsseldorfern seitens der spanischen Regierung nur Knüppel zwischen die Beine geworfen.
Die Staatslenker änderten sogar die Gesetzeslage, einzig mit dem Ziel, ihre heimische Versorgerlandschaft reinblütig zu erhalten. Doch nachdem die Iberer die Rechnung ohne die Wettbewerbshüter der EU gemacht hatten und wieder zunehmend unter Druck gerieten, tauchte wie aus dem Nichts der Grande Acciona auf, um Donna Endesa zu freien - just in der Nacht, bevor die EU-Kommission die spanischen Auflagen für eine Übernahme von Endesa für illegal erklärt hätte. Mit einer solchen Entscheidung hätte Eon vor einem spanischen Gericht gegen die weitreichenden Bedingungen und auch auf Schadenersatz klagen können.
Grande Acciona rettet Donna Endesa
Am Montag abend, eine Stunde nach Börsenschluß, gab das spanische Bauunternehmen Acciona bekannt, zehn Prozent der Kapitalanteile von Endesa erworben und dafür knapp 3,4 Milliarden Euro gezahlt zu haben. Acciona teilte zudem mit, eine weitere Aufstockung der Anteile sei nicht ausgeschlossen. Diese könne bis zu einem Wert von knapp unter 25 Prozent der Endesa-Anteile gehen. Ab dieser Marke müßte ein förmliches Übernahmeangebot vorgelegt werden. Der Preis von 32 Euro pro Endesa-Aktie ist erheblich höher, als das, was Eon mit 25,40 Euro geboten hatte.
Die EU-Kommission hatte die Endesa-Übernahme durch Eon im Wert von rund 27 Milliarden Euro im April ohne Auflagen gebilligt. Die spanische Behörde CNE hatte hingegen 19 Bedingungen für Eon gestellt und unter anderem die Abgabe der Atom- und Kohlekraftwerke von Endesa gefordert. Die spanische Regierung hatte sich Mitte des Monats zwar zur Lockerung der Auflagen bereit erklärt. Eine konkrete Entscheidung dazu wurde jedoch Brüssel bisher nicht mitgeteilt.
Eine Frage der nationalen Interessen?
Der lange Übernahmekampf hat den Börsenwert Endesas mittlerweile in die Höhe getrieben. Die Aktie ging am Montag bei 29,40 Euro aus dem Handel. Konzernchef Manuel Pizarro hatte schon vor einiger Zeit klar gemacht, daß er einen Preis von mindestens 30 Euro pro Aktie erwarte.
Acciona wird mit dem Erwerb größter Aktionär von Endesa, knapp vor dem bisher größten Kapitaleigner Caja Madrid. Die Sparkassenkette verfügt nach spanischen Medienberichten über 9,94 Prozent der Endesa-Anteile. Der Baukonzern Acciona mit Sitz in Alcobendas bei Madrid war 1997 aus einer Fusion mehrerer Unternehmen hervorgegangen. Er ist bereits in der Energiewirtschaft tätig, vor allem in Bereichen alternativer Energieformen wie der Sonnen- und Windenergie.
Die neue Wendung in den Ereignissen um Endesa könnte die Eon-Aktie am Dienstag deutlich unter Druck bringen. Denn offenbar scheint man in Spanien nicht gewillt zu sein, Eon zum Zug kommen zu lassen, koste es, was es wolle. Die Zeitung „La Gaceta de los Negocios“ schreibt, Acciona dürfte die geplante Übernahme von Eon blockieren. Der Bau- und Windenergiekonzern wolle einen Sitz im Board von Endesa erlangen, schreibt die Zeitung am Dienstag in ihrer Internetausgabe.
Eons Blatt ist noch schlechter geworden
Auch spanische Analysten sehen nur noch wenig Möglichkeiten für Eon. „Eon muß nun mehr bezahlen oder aussteigen“, sagt Fondsmanager Jacobo Blanquer von Nordkapp Inversiones. „Das ist ein direkter Angriff auf Eons Angebot.“ Alberto Espelosin, Stratege bei Ibercaja Gestion, rät eher zur zweiten Alternative. „Bei diesen Preisen sollte Eon sich überlegen auszusteigen.“
Acciona ist ein Unternehmen, das operativ durchaus staatsnah ist. Im ersten Halbjahr 2006 erwirtschaftete der Konzern 30 Prozent seines operativen Ergebnisses im Infrastruktur- und 39,4 Prozent im Energiebereich. Zudem stieg der Umsatz im Infrastrukturbereich um über 40 Prozent. Verschiedene spanische Zeitungen vermelden zwar, die spanische Regierung habe erklärt, sie habe mit dem Kauf der Endesa-Aktien durch Acciona nichts zu tun, doch sollte man die Glaubwürdigkeit solcher Aussagen nicht allzu hoch ansiedeln.
Acciona wird sich nach Einschätzung der spanischen Zeitung „Expansion“ möglicherweise von seiner 15prozentigen Beteiligung an der Fomento de Construcciones y Contratas SA (FCC) trennen, um weitere Endesa-Aktien zu kaufen. Laut „Expansion“ ergäbe sich auf dem aktuellen Kursniveau ein Investment von knapp 8,43 Milliarden Euro. Die FCC-Beteiligung hat laut Bericht einen Wert von 1,16 Milliarden Euro.
Allerdings scheint der Preis von 32 Euro je Aktie angesichts der starken Ergebnisse von Endesa und der verbesserten regulatorischen Bedingungen in Spanien nicht allzu hoch. Immerhin handelt es sich nur um das 1,8fache des Umsatzes. Das alte Gebot von Eon von 25,40 Euro je Endesa-Aktie hatte bereits zuvor als nicht besonders realistisch gegolten.
Donna Endesa dürfte profitieren...
Nichtsdestoweniger werden wohl die Aktien von Eon und auch die von Acciona am Dienstag unter Druck geraten, während das Angebot dem Kurs der Endesa-Papiere neuen Auftrieb verleihen dürfte. Dieser ist mit Ausnahme einer Konsolidierung zwischen Februar und Juli seit Ende 2002 beständig nach oben gelaufen und schloß am Freitag auf einem Allzeithoch bei 29,30 Euro. Dabei sieht die Aktie mit einer Dividendenrendite von 5,8 Prozent und geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 14 für das laufende und knapp 13 für das kommende Jahr noch attraktiv aus.
Eon dagegen kommt „nur“ auf eine Dividendenrendite von 3,45 Prozent und ist leicht höher bewertet als Endesa. Auch damit befindet sich die Aktie durchaus im Einklang mit der Branche. Acciona dagegen ist schon jetzt mit KGVs von 18,4 für das laufende und 16,8 für das kommende Jahr sehr viel teurer bewertet und bietet nur eine Dividendenrendite von 2,37 Prozent.
... und Grande Acciona leiden
Charttechnisch gibt ebenfalls die Endesa-Aktie das beste Bild ab und dürfte heute ein neues Allzeithoch aufstellen. Eon-Titel hingehen sackten seit dem Dienstag der Vorwoche deutlich von ihrem neuen Allzeithoch bei 100,94 Euro ab und könnten an diesem Dienstag unter die Marke von 95 Euro fallen.
Die Aktien von Acciona befinden sich bereits seit Mai im Rückwärtsgang und konnten von der Erholung im Sommer nicht profitieren. Zuletzt hielt sich der Kurs in der Handelsspanne zwischen 110 und 120 Euro auf. Am Montag ging das Papier mit 111,05 Euro gefährlich nahe am Sechs-Monats-Tief von 109,95 Euro aus dem Handel. Daher droht heute ein Durchbruch unter die Unterstützung bei 110 Euro, was den Kurs auch noch unter die Marke von 100 Euro in die Handelsspanne des vergangenen Winters zwischen 87,50 und 100 Euro drücken könnte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |