12.09.2005 · Die Allianz übernimmt nicht nur ihre italienische Tochter, sondern sie sorgt auch für effizientere Strukturen. Das dürfte sie nicht grundlos tun, denn der Wettbewerb in Europa wird sehr wahrscheinlich intensiver werden.
Die europäische Versicherungsbranche befindet sich in Bewegung. Diese dürfte einerseits ausgelöst worden sein durch die vergangene Baisse, die die Nachteile der Überkreuzverflechtungen der Branche gnadenlos offenlegte. Denn mit sinkenden Aktienkursen schwanden auch die Bewertungsreserven der Unternehmen dramatisch dahin.
Das untergrub zusammen mit den intransparenten Strukturen das Vertrauen in viele Unternehmen der Branche und sorgte auf diese Weise für stark fallende Aktienkurse. Dafür und auch für die bisher teilweise eher verhaltene Kurserholung gibt es auch andere Gründe. Denn der Wettbewerb in der Branche wird immer intensiver.
Weitere Konsolidierung
Einerseits schwindet zumindest in Europa alleine aufgrund der demographischen Entwicklung das Kundenpotential. Andererseits werden die Kunden immer wählerischer und lassen sich nicht mehr ohne weiteres in intransparente, teure und zu einem großen Teil auch illiquide Produkte locken. Immerhin gibt es zumindest bei Kapitalanlagen attraktive Alternativen zu Lebensversicherungen.
Daher und auch aus anderen Gründen rechnen Beobachter mit einer weiteren Konsolidierung der Branche in Europa. Das zeigt sich nicht nur an der Absicht der Allianz AG, ihre italienische Tochter Riunione Adriatica di Sicurta (RAS) für 5,7 Milliarden Euro vollständig zu übernehmen und auf den Mutterkonzern verschmelzen. Zugleich will sich die Allianz AG in eine Europäische Gesellschaft umwandeln, was Auswirkungen auf die Unternehmensführung haben wird. Mit diesen Maßnahmen schaffe die Allianz die Voraussetzungen, ihre Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft zu sichern, erklärte Vorstandsvorsitzender Michael Diekmann. „Wir wollen über Ländergrenzen hinweg unsere Wachstumschancen konsequent nutzen“, erklärte er.
Den RAS-Aktionären unterbreitet die Allianz ein Barangebot von 19 Euro je Stammaktie und 26,50 Euro je Vorzugsaktie. Dies entspreche jeweils einer Prämie von 14 Prozent zum Sechsmonatsdurchschnitt der RAS-Aktien. Die Finanzierung solle bis zu zwei Milliarden Euro aus Eigenkapital erfolgen, davon werde rund eine Milliarden Euro bezugsrechtsfrei aus dem genehmigten Kapital plaziert. Der Rest solle durch hybrides Kapital, Anleihen sowie vorhandene interne Mittel finanziert werden. Ungeachtet des Finanzaufwands will die Allianz ihren Aktionären 2005 eine höhere Dividende zahlen und stellt eine Ausschüttung von 2,00 (1,75) Euro je Aktie in Aussicht.
Aktien einzelner Unternehmen laufen gut
Bereits im Jahr 2006 soll der erwartete Gewinn pro Aktie auch ohne Berücksichtigung potentieller Synergien aus der Transaktion um zwei Prozent steigen. Die vollständige Übernahme der RAS ermögliche der Allianz zukünftig auch eine Zusammenführung der Aktivitäten in Italien, hieß es weiter. Neben der Tochter RAS, an der die Allianz derzeit 55,4 Prozent hält, besitzt die Allianz auch 99,7 Prozent an dem nicht börsennotierten italienischen Versicherer Lloyd Adriatico.
Aber nicht nur die Allianz ist auf dem europäischen Markt aktiv. In den vergangenen Wochen hat der in London ansässige südafrikanische Versicherer Old Mutual die nordische Skandia für umgerechnet etwa fünf Milliarden Euro übernommen. Die französische Axa interessiert sich für den deutschen Markt. Alleine schon aus diesem Grund dürften die Aktien der AXA seit Jahresbeginn so deutlich nach oben laufen, obwohl sie mit Blick auf die Gewinnprognosen deutlich überteuert scheinen. Besser sieht es immerhin dann aus, wenn man das Kurs-Buchwert-Verhältnis betrachtet.
Insgesamt sind einige der europäischen Versicherungswerte in den vergangenen Monaten recht gut gelaufen. Allerdings gehören die der großen Unternehmen nicht unbedingt dazu. Sie scheinen erst noch ihre Hausaufgaben machen zu müssen. Das spricht einerseits dafür, eher auf die kleineren Werte zu setzen oder auf solche, die tatsächlich mit einem beträchtlichen Anteil in realen Wachstumsmärkten tätig sind. Zum Beispiel die Wiener Städtische, die stark auf das Osteuropageschäft setzt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |