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Versicherungen Aktie der Münchener Rück leidet unter hohen Erwartungen

07.11.2006 ·  Ein Rekordgewinn ist manchmal nicht genug. Die Aktie der Münchener Rück fällt am Dienstag morgen, weil die Anleger offenbar noch mehr erwartet haben als das, was der Konzern zu bieten hat, der kaum noch zu wissen scheint, wohin mit dem Geld.

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Rückversicherungen sind ein zyklisches Geschäft. Einige Jahre geht alles gut, dann sinken aber die Prämieneinnahmen. Dann passiert wieder etwas im großen Stil. Das kostete erst einmal Geld, dafür aber kann man alsbald wieder höhere Prämien verlangen. Das geht dann eine Weile gut - und dann beginnt das Spiel von vorne.

Das gilt natürlich auch für die Münchener Rück, ihres Zeichens der weltweit zweitgrößte Rückversicherer. Die Zeiten nach dem Anschlag vom 11. September 2001 gehörten zu den schlechten und brachten den damals ohnehin schon angeschlagenen Kurs nach unten, so tief wie seit Menschengedenken nicht.

Vorfreude ist die schönste Freude

Aber das ist Schnee von gestern, denn vom Tief des Jahres 2003 hat sich die Notiz längst berappelt. Nach einiger Vorbereitungszeit im Seitwärtstrend begann vor rund einem Jahr ein Kursanstieg, dem dann allerdings die Konsolidierung im Mai vorübergehend in die Quere kam. Nichtsdestoweniger notierte die Aktie beim Schlußkurs vom Montag bei 131,00 Euro so hoch wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr.

Der Kursanstieg von 3,4 Prozent am Montag dürfte wohl der Vorfreude auf die am Dienstag vorgelegten Quartalsergebnisse geschuldet sein. Doch ob die nicht größer war als das tatsächliche Ereignis, muß sich erst noch weisen.

Die Münchener Rück hat ihren Nettogewinn im dritten Quartal zwar angesichts geringer Belastungen aus Naturkatastrophen um fast die Hälfte gesteigert, die Erwartungen des Marktes aber verfehlt. Der Überschuß sei im Zeitraum Juli bis September auf 732 Millionen Euro von 514 Millionen im Vorjahr geklettert, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt allerdings mit 765 Millionen Euro gerechnet.

Höhere Dividende winkt

Für 2006 rechnet das Unternehmen nun mit einem Gewinn von 3,2 bis 3,4 Milliarden Euro. Nach den ersten neun Monaten sind es bereits knapp 2,9 Milliarden. Im vergangenen Jahr hatte die Münchener Rück die großen Hurrikan-Schäden im Spätsommer und Herbst durch Beteiligungsverkäufe ausgeglichen und einen Rekordgewinn von 2,7 Milliarden Euro eingefahren.

Die Rendite auf das Risikokapital bezifferte die Münchener Rück für die ersten neun Monate auf 16,5 Prozent. Der Vorstand strebt eigentlich 15 Prozent an. Diese Marke werde 2006 aber klar übertroffen werden, hieß es.

Das viele Geld soll den Aktionären zugute kommen. Einen Teil des überschüssigen Kapitals soll in Form einer höheren Dividende ausgeschüttet werden. Zudem will die Münchener Rück von dieser Woche an bis Ende April bis zu elf Millionen eigene Aktien im Gesamtwert von einer Milliarde Euro erwerben. In der Regel werden die Papiere eingezogen, wodurch sich die Dividende künftig auf weniger Anteilsscheine verteilt.

Rückversicherungsgeschäft blieb verschont

Die Münchener-Rück-Gruppe erwirtschaftete in den ersten neun Monaten einen Gewinn von 2,86 Milliarden Euro und damit mehr als doppelt soviel wie in der Vergleichsperiode 2005. Das operative Ergebnis stieg um 60,4 Prozent auf 4,64 Milliarden Euro. Die gebuchten Beitragseinnahmen lagen bei 28,1 Milliarden Euro und damit bereinigt um Verkäufe und um Wechselkurseinflüsse auf Vorjahresniveau.

Wie die Allianz blickt die Münchener Rück auf ein gutes Quartal zurück: Die Einnahmen aus Versicherungspolicen sprudeln nach den jüngsten Preiserhöhungen, die Auszahlungen für Schäden im Zeitraum Juli bis September fielen branchenweit gering aus. Vor allem fiel die Hurrikan-Saison nach zwei harten Jahren für die Versicherer dieses Mal glimpflich aus.

In der Rückversicherung stieg das operative Ergebnis in den ersten neun Monaten um 71 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Zum Gewinn steuerte die Rückversicherung mit 2,36 Milliarden weit mehr als doppelt soviel bei wie im Vorjahr. Dagegen fiel der Gewinn im Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft deutlich um 37 Prozent auf 429 Millionen Euro.

Lebens- und Krankenversicherung schwach

In der Schaden- und Unfallrückversicherung fiel das Ergebnis noch besser aus als in der Rückversicherung und stieg um mehr als das Fünffache auf 1,9 Milliarden Euro. Die Schaden-Kosten-Quote lag bei ausgezeichneten 92,1, nachdem das Unternehmen im Vorjahr noch mit 108,2 Prozent deutlich draufzahlen mußte. Entsprechend stieg der Ergo-Gewinn um 24 Prozent auf 573 Millionen Euro, und die Schaden-Kosten-Quote fiel von 93,4 auf 91 Prozent.

Daß insgesamt die Vorfreude wohl größer war, zeigt sich am Dienstag. Die Aktie der Münchener Rück setzt sich mit einem Minus von 0,5 Prozent an das Ende der Dax-Liste.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwas über neun erscheint die Münchener Rück derzeit günstig bewertet. Allerdings rechnen Analysten nicht damit, daß die Glückssträhne anhält. Im kommenden Jahr soll das KGV auf 10,4 stiegen, wohingegen sich das KGV des Konkurrenten Swiss Re tendenziell umgekehrt verhalten soll. Die Bewertung der Hannoverschen Rück ist mit KGVs unter neun ohnehin günstiger.

Charttechnisch sind die Kursverluste am Dienstag nichts weiter als eine kleine Korrektur, die am Aufwärtstrend nicht viel ändern. Was indes etwas irritiert ist die Tatsache, daß im Zuge des jüngsten Kursanstiegs keine Unterstützungszone aufgebaut wurde, worin die hohen Erwartungen zum Ausdruck kommen. Diese liegt unverändert zwischen 115 und 120 Euro.

Sollte das Unternehmen in den kommenden Tagen noch eine kleine Überraschung parat haben, dürfte diese allerdings kaum getestet werden. Vielleicht kann ja eine Bezifferung der Dividendenerhöhung helfen. Die bisherige Renditeschätzung liegt mit 2,85 Prozent schon nicht eben niedrig.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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