28.06.2005 · Steigende Gesundheitskosten bereiten Versicherern, Patienten und Kliniken Sorgen. Der amerikanische Versicherer Aetna sieht sich für die Zukunft gut gerüstet. Seine Aktie kennt nur eine Richtung - aufwärts.
Nichts ist schöner als eine Aktie, die immer steigt. Der Titel des amerikanischen Versicherers Aetna kam in seiner jetzigen Form im Dezember 2000 an die New York Stock Exchange. Seitdem kannte der Trend nahezu nur eine Richtung - aufwärts.
Von 16,50 Dollar stieg das Papier bis auf ein Allzeithoch am Montag vergangener Woche bei 85,08 Dollar. Das sind 416 Prozent oder 37 Prozent im Jahresdurchschnitt. Von der Baisse zwischen 2000 und 2002 kaum angefochten, legte die Aktie den größten Teil des Weges seit dem Frühjahr 2003 zurück, als das Papier noch bei 20 Dollar notierte.
Ins Abseits manövriert
Aetna ist im wesentlichen als Krankenversicherer tätig, auf einem Geschäftsfeld, das aufgrund der anderen Sozialsysteme in den Vereinigten Staaten ganz anders funktioniert als hierzulande. Daneben bietet Aetna noch Lebens- und Rentenversicherungen an, wobei das letztere Geschäftsfeld mit 3,5 Prozent der Umsätze von geringer Bedeutung ist.
Glatt gingen die Geschäfte nicht immer in den vergangenen fünf Jahren. Im Gegenteil: Im Jahr 2000 stand der Versicherer stark unter Druck. Investoren beklagten ein veraltetes Geschäftsmodell, das auf nackten Versicherungsleistungen beruhte, wohingegen die Versicherungsnehmer in den Vereinigten Staaten immer stärker individualiserte Sonderleistungen nachfragten. Grund des Trends: Da es in den Staaten keine allgemeine Krankenversicherungspflicht gibt und eine Absicherung sehr teuer ist, sind Krankenversicherungen lukrative Gehaltsbestandteile.
Zudem hatte sich Aetna offenbar im internationalen und dem Finanzdienstleistergeschäft verzettelt. Nachdem bereits im Jahr 2000 bei einem Umsatz von 23,6 Milliarden Dollar Verluste in Höhe von 280 Millionen aufgelaufen waren, stiegen die Verluste 2001 um das Neunfache, wohingegen der Umsatz um 21 Prozent einbrach. Auch 2003 gingen die Umsatzverluste noch weiter, besonders weil im Zuge des Effizienzmanagements teure und margenschwache Versicherungsprodukte abgebaut wurden. Immerhin konnte Aetna erstmals wieder einen Gewinn verzeichnen.
Wende geschafft
Erst im vergangenen Jahr wurde die Wende endgültig geschafft. Mit 18,7 Milliarden Dollar stieg der Umsatz um zwölf Prozent wieder über das Niveau des Jahres 2002. Der Gewinn stieg um 140 Prozent auf 2,25 Milliarden Dollar. Auch im ersten Quartal blieb der Erfolg weiter sichtbar. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Umsatz um 12,5 Prozent auf 5,43 Milliarden Dollar; der operative Gewinn um 30 Prozent auf 424 Millionen.
Die Erfolgsstory begeistert auch regelmäßig die Analysten. Die Aetna-Aktie gehört immer wieder zu den meistempfohlenen Titeln. Und Aetna hat noch viel vor. Derzeit nur der drittgrößte Krankenversicherer in den Vereinigten Staaten, strebt Aetna jetzt die Marktführerschaft an. Zu diesem Zweck versucht man die strategische Positionierung auch durch Akquisitionen zu verbessern. So soll jetzt mit HMS Healtcare ein PPO übernommen werden.
Diese PPOs (Preferred Provider Organizations) sind Netze, die Versicherer, Versicherungsnehmer (also in der Regel Unternehmen) sowie Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen in einem Netzwerk zusammenbringen, um Gesundheitsdienstleistungen zu erbringen. Während Kliniken und Ärzte dabei von einem sichereren Kundenaufkommen profitieren, können Versicherer und Versicherungsnehmer ihre Kosten besser kontrollieren. Die Patienten erhalten die Sicherheit der Kostenübernahme, die ansonsten in den Vereinigten Staaten keinswegs selbstverständlich ist und müssen nicht selbst nach einem Arzt oder einer Klinik suchen.
Herausforderung: Steigende Gesundheitskosten
Da die Gesundheitskosten weiter auf hohem Niveau steigen, sind solche Netzwerke für Versicherer von großem Vorteil. Steigende Gesundheitskosten sind für die Versicherer auch ein langfristiges Problem. Im Geschäftsbericht für das vergangene Jahr stellt Aetna fest: „Die steigenden Kosten veranlassen einige Arbeitgeber dazu, Krankenversicherungen grundsätzlich aufzugeben. Viele andere erhöhen zunehmend die Eigenanteile der Arbeitnehmer.“
Aetna versucht darauf zu reagieren, indem der Konzern mittlerweile Arbeitgeber auch mit Fitness- und Gesundheitsplänen für die Angestellten versorgt. Aetna selbst hat für den hauseigenen Plan gerade erst einen Preis als „Bester Arbeitgeber für einen gesunden Lebensstil“ erhalten. Darüber hinaus bietet Aetna Patienten die Möglichkeit, Kostenersparnisse anzusparen. Auch die PPOs sind ein integraler Bestandteil der Strategie.
Bewertet ist Aetna derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 18 auf Basis des laufenden und 15,5 für das kommende Jahr; der marktbreite S&P 500 ist 16 und 14,6 gepreist. Mithin erscheint die Aktie nicht mehr ganz preiswert. Indes hat das Management seit 2000 bewiesen, daß es in der Lage ist mit den Herausforderungen des Marktes fertig zu werden und hat den seinerzeit angeschlagenen Versicherer konsequent aus dem Tal der Tränen herausgeführt.
Das hat auch zu einer charttechnischen Entwicklung geführt, die einen stabilen Aufwärtstrend ausweist, der kaum etwas zu wünschen übrig läßt. Aber Absicherungsstrategien könne jendefalls auch hier nicht schaden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.050,29 | −3,42% |
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| TecDAX | 730,90 | −2,68% |
| MDAX | 9.870,46 | −2,73% |
| SDAX | 4.717,40 | −2,20% |
| REX | 439,15 | +0,37% |
| Eurostoxx 50 | 2.068,66 | −2,37% |
| F.A.Z. EURO | 67,11 | −2,09% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| Nasdaq 100 | 2.458,83 | −2,62% |
| S&P500 | 1.278,04 | −2,46% |
| Nikkei225 | 8.440,25 | −1,20% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
| Bund Future | 146,44 € | +0,36% |