27.03.2008 · Mit Kursgewinnen reagieren die Aktien des Schweizer Lebensversicherer Swiss Life auf die Ankündigung einer hohen Ausschüttung und auf einen optimistischen Ausblick. Die ambitionierten Wachstumsziele können sich aber hinterfragen lassen.
Mit Kursgewinnen von bis zu 8,7 Prozent auf 272 Franken reagiert am Donnerstag die Namensaktie des Schweizer Lebensversicherer Swiss Life auf die Ergebnisse für das vergangene Geschäftsjahr und den Ausblick des Unternehmens.
Im Jahr 2007 konnte das Unternehmen den Reingewinn im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 43,4 Prozent auf den Rekordwert von 1,37 Milliarden Franken oder umgerechnet etwa 871 Millionen Euro steigern. Es profitierte allerdings von verschiedenen Sonderfaktoren, etwa dem Verkauf der Tochtergesellschaften in den Beneluxstaaten sowie der Bankentochter Banca del Gottardo. Aus dem fortgeführten Geschäft resultierte ein um 26 Prozent höherer Gewinn von 726 Millionen Franken. Die Bruttoprämien inklusive Policengebühren und erhaltener Einlagen wuchsen um 9,5 Prozent auf 24,17 Milliarden Franken.
Interessante Ausschüttungsrendite in steuerlich attraktiver Form
Swiss Life hat die Absicht, die Aktionäre angehobene Ausschüttung an der Unternehmensentwicklung beteiligen: Sie sollen in Form einer Nennwertrückzahlung 17 Franken je Aktie erhalten nach sieben Franken im Vorjahr. Das führt zu einer Rendite von 6,25 Prozent. Sie liegt deutlich über jener, die mit Schweizer Staatsanleihen oder mit kurzfristigen Anlagen am Geldmarkt zu erzielen ist. Dort liegen die Renditen bei 2,84 beziehungsweise bei 2,79 Prozent.
Die gewählte Form der Ausschüttung ist aus Steuergründen interessant. Denn bei einer Nennwertreduktion wird der Nennwert der Aktie um einen bestimmten Betrag reduziert, der an Stelle einer Dividende den Aktionären ausgezahlt wird. Das Aktienkapital wird um den entsprechenden Betrag herabgesetzt. Im Gegensatz zu einer Dividende unterliegt die Nennwertrückzahlung einer Schweizer Gesellschaft bei einem Aktionär mit Wohnsitz in der Schweiz, der die Aktien im Privatvermögen hält, weder der Verrechnungs- noch der Einkommenssteuer. Für Aktionäre mit Wohnsitz im Ausland wird ebenfalls keine Verrechnungssteuer erhoben, während die Einkommenssteuerfrage je nach Land unterschiedlich geregelt ist.
Von der amerikanischen Hypothekenkrise ist Swiss Life nach eigenen Angaben mit weniger als 0,1 Prozent seiner Anlagen in amerikanischen Ramschhypotheken praktisch nicht betroffen. Das Unternehmen schrieb dennoch Positionen, die von einer weiteren Verschärfung der Kreditkrise betroffen sein könnten, vollständig ab, und nahm eine Gewinnminderung um 72 Millionen Franken in Kauf. Finanzchef Thomas Müller rechnet nicht mit weiteren Abschreibungen - und sollte es doch welche gegeben, hätten sie nur einen minimalen Auswirkungen auf das Ergebnis.
Swiss Life bekräftigte die im Dezember festgelegten Ertragsziele. Bis ins Jahr 2012 soll der Gewinn je Aktie jedes Jahr um mindestens zwölf Prozent steigen und die Eigenkapitalrendite (REO) über zwölf Prozent liegen. Der Konzern hat die Absicht, dieses und nächstes Jahr eigene Aktien für bis zu 2,5 Milliarden Franken zurückkaufen. Ab dem Finanzjahr 2009 sollen dann zwischen 40 und 60 Prozent des Reingewinns ausgeschüttet werden.
Ambitionierte Wachstumsziele können sich hinterfragen lassen
Das Management strebt weiteres Wachstum an. Den nötigen Schub soll der kürzlich für knapp eine Milliarde Euro erworbene deutsche Finanzdienstleister AWD bringen, mit dem das Unternehmen über den gesättigten Heimmarkt hinaus in die Wachstumsmärkte Osteuropas expandieren will. Swiss Life wolle zudem eine aktive Rolle bei der Branchenkonsolidierung spielen.
Ob diese Rechung aufgeht, wird sich erst noch zeigen müssen. Immerhin glänzte AWD in den vergangenen Jahren aufgrund von Missmanagement und eines schlechten Rufes nicht eben mit operativen Erfolgen. Die Tatsache, dass ehemalige Großaktionäre - manchmal unter etwas seltsamen Umständen - ihre Anteile verkauft haben, spricht für sich und gegen das Geschäftsmodell (siehe auch: Rezension: „Die Abzocker“).
In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, optimistische Zukunftsprognosen mit der nötigen Skepsis zu betrachten. Auf der anderen Seite sehen die Namenspapiere von Swiss Life aufgrund der angekündigten Ausschüttung und mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 6,6 und 7,8 auf Basis des abgelieferten Gewinnes und der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr günstig aus. Das dürfte dem Papier zumindest in einem freundlicheren Umfeld gewissen Auftrieb geben.
Kurzfristig werden die Papiere der Branche von den Anlegern jedoch aufgrund der Kreditkrise skeptisch betrachtet. Da es in den vergangenen Monaten immer wieder vorkam, dass Unternehmen von der Kreditkrise getroffen wurden, obwohl das jeweilige Management noch kurz zuvor das Gegenteil behauptet hatte, können Absicherungsstrategien nicht schaden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |