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Verpackungsindustrie Verpackungsaktien sind gefragt

Eine merkwürdige Entdeckung: Verpackungen sind gefragt. S&P sieht das Wachstum der Branche auf Grund niedrigerer Kraftstoffkosten und der Marktlage positiv, wobei Metall vor Kunststoff liegt.

© Standard & Poors

Im Jahre 2005 fiel der Branchensubindex S&P-1500 Containers Metal & Glass um 8,3 Prozent, während der S&P-1500 um zehn Prozent zulegte. In diesem Jahr hat der Sektorindex bisher jedoch 9,9 Prozent zugelegt, während der Zuwachs des Marktes nur 5,5 Prozent betrug. Das veranlaßte S&P den Branchensubindex in seine „Industrie-Momentum-Liste“ aufzunehmen.

Der Index besteht aus zwei großen und zwei kleinen Unternehmen. Die beiden Großen, Ball und Pactiv machen mehr als 75 Prozent des Marktwertes des Index' aus. Auch das Schaubild zur relativen Kursstärke (siehe Chart) sieht positiv aus. Die gezackte blaue Linie stellt die rollierende 52-Wochen-Kursentwicklung des Branchensubindex im Verhältnis zur 52-Wochen-Kursentwicklung des S&P-1500 dar.

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Dosenwandlung

Ein Punkt oberhalb der 100 zeigt eine über dem Markt liegende Wertentwicklung an, Punkte unterhalb der 100 geben eine geringere Performance als der Markt wieder. Die rote Linie ist ein rollierender gleitender 39-Wochen-Durchschnitt, während die beiden grünen Linien die Standardabweichung über und unter der mittleren relativen Stärke des Branchensubindex über 14 Jahre anzeigen.

Chart Ball 210906 © FAZ.NET Vergrößern

S&P-Aktienanalyst Stewart Scharf sieht positive Anlageaussichten für die Gruppe. Er stellt fest, daß die Kraftstoffkosten gesunken sind und die Weltmarktbedingungen günstig erscheinen, so daß die Lieferungen in bescheidenem Umfang anziehen müßten. Nach Auffassung von Scharf werden die meisten Verpackungshersteller die höheren Kosten für Kunststoffe, Stahl und andere Rohstoffe an die Kunden weitergeben können. Das projizierte Kurs-Gewinn-Verhältnis für die Gruppe weist nur einen geringen Abschlag gegenüber dem des S&P-1500 auf.

Auch habe sich inzwischen, meint Scharf, die Nachfrage nach Bier weltweit zugunsten von Wein und Spirituosen abgeschwächt. Das veranlasse die großen Dosenhersteller von der Standard-Dosengröße von 0,35 Liter auf 0,45 Liter und 0,7 Liter umzustellen, die sie als beliebter einschätzen. Zudem dürfte der Absatz von Getränkedosen und -flaschen von dem heißen und trockenen Sommer in vielen Regionen der Vereinigten Staaten sowie in Teilen Europas profitiert haben.

Keine guten Zeiten für Plastik

Nach Einschätzung des Analysten werde eine verbesserte Wirtschaftlichkeit in der Produktion und neue Produkte wie etwa leicht zu öffnende Dosenverschlüsse sowie die Umstellung auf größere Dosen allmählich das Wachstum des Stückabsatzvolumens fördern.

Dennoch rechnet Scharf damit, daß das Kunststoff-Absatzvolumen trotz einer verstärkten Umstellung auf Kunststoffflaschenrelativ schwach bleiben wird. Zudem dürften die Gewinnspannen kurzfristig durch höhere Kraftstoffkosten unter Druck geraten, die sich auf die Rohstoffpreise für Kunststoffe auswirken.

Die Verpackungshersteller konzentrieren sich derzeit auf die Schwellenmärkte wie etwa China, Osteuropa, Rußland und Lateinamerika, in denen sich die Verwendung von Einwegverpackungen häufig noch in der Entwicklung befindet.

Scharf ist auch der Meinung, der (im Mai 2006 in Kraft getretene) Beschluß über das gesetzliche Dosenpfand in Deutschland dürfte sich allmählich auf die dortigen Ergebnisse auswirken, indem die Dosen in die Regale zurückkehren. Die Nachfrage nach Getränkedosen in Europa werde weiterhin wachsen und die Lieferungen sich den Projektionen zufolge 2006 und 2007 in den mittleren bis hohen einstelligen Bereich verbessern.

Gesetzliche Damoklesschwerter

Einige Verpackungsunternehmen planten im Zuge der Konzentration auf die Entwicklung neuer Produkte eine Konsolidierung ihrer Betriebsstätten in Europa, die unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielen.

Indes gibt es auch Anlaß zur Vorsicht: Scharf schließt nicht aus, daß künftig in den Vereinigten Staaten, Kanada, Europa und Asien Gesetze verabschiedet werden könnten, die den Verkauf oder Einsatz bestimmter Verpackungsarten verbieten, besteuern oder beschränken und die Umleitung von Abfallströmen vorschreiben würden, wie etwa den Ausschluß von Verpackungsmaterialien von der Entsorgung auf Deponien.

Würden solche Gesetze in breitem Rahmen verabschiedet, hätte dies nach Auffassung von S&P erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die Verpackungsbranche. So ist es nunmal. Die Momentum- und fundamentalen Anlageaussichten des Branchensubindex deuten auf potentielle Kurssteigerungen über Marktniveau in der nächsten Zeit hin. Von den in diesem Artikel genannten Unternehmen wurden Ball und Pactiv von S&P mit 4 Sterne (kaufen) bewertet.

Sam Stovall ist Chefstratege von S&P

Quelle: Business Week Online

 
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Veröffentlicht: 21.09.2006, 11:16 Uhr


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