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Veröffentlicht: 14.01.2013, 17:30 Uhr

Vermögensverwaltung Wird die Heimat überschätzt?

Viele Investoren haben eine starke Präferenz für Aktien aus dem eigenen Land. Für Privatanleger lassen sich leicht Gründe für diesen „Home Bias“ finden. Aber auch für Großanleger kann er Sinn haben.

© dpa Viele Anleger investieren vor allem in Aktien aus dem eigenen Land (im Bild: Die Börse in Frankfurt)

Die Bedeutung nationaler Aktienmärkte und die Bedeutung nationaler Volkswirtschaften gehen weit auseinander. Rund die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Welt entfällt mittlerweile auf Schwellen- und Entwicklungsländer, aber die in diesen Ländern beheimateten börsennotierten Unternehmen machen nur 13 Prozent des Börsenwerts aller in der Welt notierten Unternehmen aus, wenn man den MSCI All Country World Index als Maßstab nimmt. Umgekehrt erwirtschaften die Vereinigten Staaten 19 Prozent des Welt-BIP, aber die amerikanischen börsennotierten Unternehmen bringen zusammen fast die Hälfte des Börsenwerts aller in der Welt notierten Unternehmen auf die Waage.

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Hieraus lässt sich schließen: Viele Investoren in den Vereinigten Staaten, aber auch in anderen Industrienationen verfolgen am Aktienmarkt eine Strategie, die in der Fachwelt seit den frühen neunziger Jahren als „Home Bias“ bezeichnet wird: Sie haben eine starke Präferenz für Aktien aus dem eigenen Land. Eigentlich sollte eine Kapitalanlage das Ergebnis einer nüchternen Betrachtung der erwarteten Chancen und Risiken sein. Warum aber gibt es die Präferenz für heimische Anlagen? Und ist sie nicht abwegig?

Fiktiver Börsenwert von bis zu 7 Billionen Dollar

Üblicherweise werden drei Gründe für den „Home Bias“ genannt. Zum ersten werden heimische Unternehmen als weniger riskant angesehen als ausländische, weil man die heimischen Unternehmen besser kennt oder zumindest sie besser zu kennen glaubt. Das mag ein Grund gewesen sein, warum die Plazierung von Aktien des Hamburger Hafens anlässlich des Börsengangs recht viele Privatanleger aus Norddeutschland anlockte. Zum zweiten sind Anlagen in Ländern mit fremder Währung mit Wechselkursrisiken verbunden, die viele Anleger schrecken. Drittens schließlich sind die Kosten des Handels mit Aktien an ausländischen Börsen oft höher als die Handelskosten in Deutschland, auch wenn sich die Unterschiede in den vergangenen Jahren auch als Folge spezieller Angebote im Internet eingeebnet haben.

Infografik / Die Gewichte  im MSCI World Knapp die Hälfte des Börsenwerts des MSCI World entfällt auf amerikanische Unternehmen © F.A.Z. Bilderstrecke 

Die drei Gründe für den „Home Bias“ mögen für Privatanleger zutreffen, die selbständig Aktien aussuchen. Aber für Großanleger klingen sie schon weniger überzeugend, auch wenn sie in der Praxis für den einen oder anderen Institutionellen eine Rolle spielen dürften. Aber es lassen sich durchaus Gründe finden, warum in einem Land mit exportstarken Unternehmen wie den Vereinigten Staaten, Deutschland oder der Schweiz der „Home Bias“ Sinn haben kann.

Das Gewicht der Schwellenländer an den Börsen bleibt im Vergleich zur Wirtschaftskraft unter anderem wegen des Staatseigentums an wichtigen Unternehmen zurück. Das bedeutendste Beispiel ist die staatliche saudische Ölgesellschaft Aramco, der mit Abstand größte Ölförderer der Welt. Wie der fiktive Börsenwert dieses Kolosses aussähe, lässt sich natürlich nur grob schätzen, aber es hat schon Fachleute gegeben, die den Wert der Aramco mit bis zu 7 Billionen Dollar veranschlagt haben. Im Vergleich dazu blieben selbst Börsenlieblinge wie Exxon, Apple oder Microsoft kaum mehr als Zwerge.

Am Ende ist die Frage zweitrangig

Zum zweiten kann der Anleger aus Industrienationen heraus Chancen in Schwellenländern mit einer Vielzahl von Aktien spielen, zum Beispiel mit Nestlé, den deutschen Autoherstellern, BASF, Siemens, amerikanischen Konsumwerten wie Coca Cola oder Procter & Gamble und vielen anderen. Das Wechselkursrisiko überlässt der Anleger in diesen Fällen den Unternehmen, die damit möglicherweise professioneller umgehen können.

Schließlich ist es kein Wunder, dass nach wie vor per Saldo mehr Geld von Schwellenländern in Industrienationen fließt als umgekehrt. Viele Anleger mögen der Wirtschafts- und Finanzpolitik in den Industrienationen skeptisch gegenüberstehen, aber ob sich ein Anleger in einem Schwellenland langfristig mit Blick auf die politische Stabilität besserstellt, lässt sich aus der Distanz schwer beurteilen.

Am Ende ist die Frage, wie Aktien global gestreut werden, zweitrangig. Zuvor muss überhaupt eine Entscheidung für die Aktie getroffen werden - und schon daran hapert es bei nicht wenigen Anlegern.

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Quelle: F.A.Z.

 

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