Home
http://www.faz.net/-gv7-wfoz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Verkauf der Postbank Aussicht auf viele Bieter beflügelt den Aktienkurs

25.06.2008 ·  Der Verkauf der Postbank wird wohl rascher eingeleitet als angenommen. Die F.A.Z. berichtete, dass dabei Dresdner Bank und Commerzbank möglicherweise nicht zum Zug kommen. Weitere Bieter stehen Schlange - das treibt den Aktienkurs nach oben.

Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (0)

Mit einem Kursgewinn von 6,6 Prozent auf 57,77 Euro steht die Aktie der Postbank am Mittwoch an der Spitze eines recht freundlichen Dax. Im Hintergrund stehen einmal mehr die sich stetig konkretisierenden Verkaufspekulationen und die offenkundige große Beliebtheit der Bank.

Wie die FAZ berichtet, scheint dabei das von Beobachtern zunächst favorisierte Dreierbündnis mit der Commerzbank und der Dresdner Bank vorläufig aus dem Rennen zu sein, auch wenn sich Commerzbank und die Allianz als Mutter der Dresdner dazu nicht äußern wollen. Aktuell schauen sich Commerzbank und Dresdner Bank gegenseitig in die Bücher und planen Kreisen zufolge ein Bündnis, sind aber noch nicht so weit, um als gemeinsamer Bieter für die Postbank auftreten zu können.

Interessenten aus aller Herren Länder

Bereits in Kürze soll aber Startschuss für den offiziellen Verkaufsprozess fallen. Mit der Situation vertraute Personen sprechen sogar von diesem Mittwoch. Das Dreierbündnis stieß vor allem bei den Gewerkschaften auf Widerstand, die Arbeitsplatzverluste befürchten.

Die Post strebt nun Gespräche mit der Deutschen Bank und mehreren ausländischen Interessenten an. Dabei ist das Interesse aus dem Ausland so groß, dass auch der Post eine deutsche Lösung nicht mehr zwingend notwendig erscheint - und bestreitet zudem, dass sich die Bundesregierung als Großaktionär eine Präferenz für eine deutsche Lösung signalisiert habe.

Interessenten aus allen europäischen Ländern werden ins Spiel gebracht. Die spanische Banco Santander, die französische BNP Paribas, die belgische Fortis, aber auch die britische Lloyds TSB. Gerade bezüglich letzterer kursieren konkrete Zahlen: elf Milliarden Euro wollten diese angeblich bieten. Allerdings wurde Lloyds auch als Interessent für die Dresdner Bank kolportiert.

Favorit Deutsche Bank ziert sich

Die Deutsche Bank gibt sich dagegen zurückhaltend. Sie will sich nicht auf ein Bietergefecht einlassen und keinesfalls einen zweistelligen Milliardenbetrag bieten. Die Anlegers sehen das dagegen anders. „Der Markt favorisiert eindeutig den Kauf durch die Deutsche Bank“, sagen Händler.

Das hohe Interesse an der Postbank verwundert nicht. Für ausländische Banken wäre der Kauf der größten deutschen Privatkundenbank ein idealer Markteinstieg. Das Kundenreservoir ist „verkaufstechnisch“ bei weitem noch nicht ausgereizt. Die meisten Klienten beschäftigt sich mit relativ einfachen Anlagestrategien. Aus diesem Grund gehen zumindest Marktstrategen davon aus, dass sie ihnen mehr margenträchtige Produkte verkaufen könnten. Zum anderen scheinen die Risiken der Bank in Form von Altlasten aus dem amerikanischen oder auch dem europäischen Hypothekenmarkt begrenzt zu sein.

Attraktives Kaufobjekt

Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 12,6 und 10,7 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr und einer Marktkapitalisierung von 9,5 Milliarden Euro scheint die Bank vergleichsweise vernünftig bewertet.

Und sollten sich wirklich so viele zahlungskräftige und -willige Bieter einfinden, könnten pro Aktie auch noch mehr bezahlt werden als die 67 Euro, die Lloyds TSB angeblich bieten soll. Andererseits tragen viele der Interessenten in der ein oder anderen Form Lasten aus der Finanzkrise oder einheimischen Immobilienmärkten mit sich, die sich im Niedergang befinden. Das könnte die Zahlungslust einschränken und damit auch das weitere Potential des Aktienkurses begrenzen.

Marktteilnehmer sehen in der Kursreaktion zumindest teilweise auch eine Reaktion auf die deutlichen Kursverluste vom Vortag. „Da wurden gestern billig Stücke eingesammelt, nachdem viele Stopps ausgelöst worden waren“, hieß es.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.

Quelle: mho
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%