14.02.2012 · Der Milliardenvergleich wegen fragwürdiger Zwangsvollstreckungen hat die amerikanischen Bankaktien kaum belastet. Die Klagewelle gegen die fünf Großbanken geht aber weiter.
Von Norbert Kuls, New YorkDer Milliardenvergleich zwischen amerikanischen Großbanken und der Regierung wegen fragwürdiger Praktiken bei der Zwangsvollstreckung von Häusern hat sich kaum belastend auf die Aktienkurse der betroffenen Finanzinstitute ausgewirkt. Mit Ausnahme der Citigroup, die leichte Verluste hinnehmen musste, hielten sich die Kurse der Banken seit Bekanntwerden des Vergleichs in der vergangenen Woche trotz der hoch anmutenden Summe von 25 Milliarden Dollar stabil. Der Aktienkurs der Bank of America hat sogar erhebliche Gewinne verbucht. Insgesamt gehören Bankaktien weiter zu den Überfliegern des Jahres, nachdem sie 2011 zu den Verlierern gezählt hatten. Die Bank of America ist mit einem Kursplus von 48 Prozent der beste Titel im Dow-Jones-Index.
Obwohl den Banken in Zusammenhang mit Hypothekengeschäften weitere juristische Auseinandersetzungen mit Aufsichtsbehörden und Investoren drohen, wirkt sich der aktuelle Vergleich nicht dramatisch auf ihre Bilanzen aus, weil sie bereits Rückstellungen gebildet hatten. „Wir erwarten nur geringe Auswirkungen auf die Ertragsrechnung der Banken, wenn überhaupt“, hieß es in einem Analystenkommentar von RBC Capital Markets, der Wertpapiersparte der Royal Bank of Canada. Einzig die Citigroup hat wegen des Vergleichs einen rückwirkenden Sonderaufwand von 209 Millionen Dollar für das vierte Quartal gebucht. Die anderen Banken haben keine zusätzlichen Abstriche angekündigt.
Die Justizminister amerikanischer Bundesstaaten hatten den Banken vorgeworfen, Zwangsvollstreckungen nach dem Kollaps des Häusermarktes wie am Fließband abgewickelt zu haben, ohne die gesetzlichen Bestimmungen zu beachten. Neben der Bank of America und der Citigroup waren auch das größte amerikanische Kreditinstitut JP Morgan Chase sowie Wells Fargo und die auf Hypotheken spezialisierte Ally Financial an dem Abkommen beteiligt. Sollten sich dem Abkommen auch Regionalbanken anschließen, mit denen Regierungsvertreter noch verhandeln, könnte die Vergleichssumme auf 40 Milliarden Dollar steigen.
Die fünf größten amerikanischen Hypothekenanbieter sichern in dem Vergleich neben Strafzahlungen auch Schuldenerleichterungen für Hausbesitzer zu. Der Löwenanteil der Vergleichssumme - rund 20 Milliarden Dollar - entfällt auf die Reduzierung ausstehender Hypotheken. Die Bank of America, die den auf zweitklassige Hypotheken spezialisierten Hypothekenanbieter Countrywide übernommen hatte, übernimmt mit 11,8 Milliarden Dollar den größten Anteil. Immobiliendarlehen, die an zahlungsschwache Hauskäufer vergeben wurden, hatten im Zentrum der Finanzkrise gestanden. JP Morgan und Wells Fargo beteiligen sich mit jeweils 5,3 Milliarden Dollar an dem Vergleich. Die Citigroup zahlt 2,2 Milliarden Dollar und die nicht börsennotierte Ally Financial 310 Millionen Dollar. Die Vergleichsverhandlungen hatten sich lange hingezogen, weil sich große Bundesstaaten wie Kalifornien, Florida und New York das Recht vorbehalten wollten, weitere Klagen gegen Banken wegen der Hypothekenkrise anzustrengen.
Der Vergleich schiebt weiteren juristischen Angriffen daher keinen Riegel vor. „Die Banken erhalten eine sehr begrenzte Immunität“, sagte Eric Schneiderman, der Generalstaatsanwalt von New York. Er leitet eine Arbeitsgruppe von Aufsichtsbehörden, die die Geschäftsmethoden der Banken bei hypothekenbesicherten Anleihen untersucht. „Wir werden wegen der Hypothekenkrise an vielen Fronten ermitteln und sicherstellen, dass Gerechtigkeit und Haftung die Oberhand gewinnen“, sagte Schneiderman. Der Generalstaatsanwalt hatte erst Anfang Februar die Bank of America, Wells Fargo und JP Morgan wegen angeblichen Betrugs bei der Nutzung einer elektronischen Hypothekendatenbank verklagt. Unter anderem seien wegen irreführender Methoden falsche Dokumente für Zwangsvollstreckungen erstellt worden.
Neben den Bundesstaaten ist auch die Börsenaufsicht SEC an Ermittlungen beteiligt. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die SEC Klagen gegen mehrere große Banken wegen angeblich falscher Angaben zu den Risiken von Hypothekenanleihen plant. Die SEC ermittelte in dieser Angelegenheit zuletzt auch gegen die Deutsche Bank, die stark im Markt für Hypothekenanleihen engagiert war. Auch Investoren klagen gegen Banken, weil sie angeblich nicht ausreichend über die Risiken der Hypothekenpapiere informiert wurden. Allein im Fall der Bank of America könnten sich die Verluste wegen Anlegerklagen auf 12 Milliarden bis 32 Milliarden Dollar belaufen, schätzen Analysten der Citigroup.
Wann immer etwas faul im Verhalten der Großbanken ist,
Eberhard Stoeckel (Veridicus)
- 15.02.2012, 05:15 Uhr
Schieberei im groessten Ausmass
Frank Geiser (geiser123)
- 15.02.2012, 03:54 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |