28.11.2008 · Noch ziehen arabische Staatsfonds kaum Mittel aus dem Ausland ab, aber so viel Geld für Auslandsinvestitionen wie früher haben sie auch nicht mehr. Das ölarme Emirat Dubai ist inzwischen in eine schwere Schulden- und Immobilienkrise geraten.
Bei dem niedrigen Ölpreis fließen den arabischen Staatsfonds keine neuen Mittel zu. Zudem haben die auf 1500 Milliarden Dollar geschätzten Anlagen der Staatsfonds, ausgenommen die konservativeren saudischen Investitionen, im Ausland massive Verluste von schätzungsweise 25 Prozent eingefahren. Die Mittel der Fonds werden jedoch zunehmend in den eigenen Volkswirtschaften benötigt. Ein Trend zur Rückführung (“Repatriierung“) der Auslandsanlagen ist indessen noch nicht zu erkennen. Bekannt, wenn auch nicht offiziell bestätigt, ist lediglich, dass die Kuwait Investment Authority (KIA) im Ausland Anlagen im Wert von 3,6 Milliarden Dollar aufgelöst haben soll und in die eigene Volkswirtschaft fließen ließ.
Steffen Schubert, der Gründungsvorsitzende der internationalen Börse in Dubai (DIFX), rechnet nicht damit, dass die Staatsfonds umfangreich Gelder aus dem Ausland abziehen. Die Regierungen und Staatsfonds seien liquide genug, um ihren Volkswirtschaften rasch eigene Mittel bereitzustellen. Schubert schließt nicht aus, dass sich in naher Zukunft Investitionen wie der Einstieg zweier arabischer Investoren aus Abu Dhabi und Qatar bei der Barclays Bank wiederholen könnten. Allerdings erwartet Eckart Woertz, Chefökonom des „Gulf Research Centre“ (GRC) in Dubai, dass die Staatsfonds bei einem Ölpreis von weniger als 50 Dollar für ein Barrel (159 Liter) Aktien und Anleihen verkaufen werden, um Mittel zu repatriieren.
Nur Vermutungen
Länder wie Ungarn und Pakistan müssten sich an den Internationalen Währungsfonds (IWF) wenden, die Vereinigten Arabischen Emirate brauchten den IWF nicht, sagt Giyas Gökkent, Chefökonom der National Bank of Abu Dhabi. „Abu Dhabi hat den mit Abstand größten Staatsfonds und ist an sich bereits ein IWF.“ Die Vereinigten Arabischen Emirate sind traditionell Kapitalexporteur, nur bestehe heute ein Verteilungsproblem. So nehme die Bedeutung des erst 2006 gegründeten Abu Dhabi Investment Council (ADIC) zu, der in die eigene Volkswirtschaft investieren solle.
Auch haben Kuweit und Oman Fonds aufgelegt, die ausschließlich in die eigenen Börsen investieren. In den Vereinigten Arabischen Emiraten war lediglich an zwei Tagen Ende Oktober vermutet worden, die Regierung interveniere zur Stützung der Aktienkurse umfangreich in die Börse. Nur Vermutungen gibt es zu direkten Hilfsleistungen an angeschlagene Unternehmen.
Stornierung oder Verschiebung von Projekten
Umfangreich kommt das reiche Emirat Abu Dhabi, die Hauptstadt der Föderation der Vereinigten Arabischen Emirate, dem angeschlagenen Nachbar-Emirat Dubai zu Hilfe. In einem ersten Schritt rettete die Bundesregierung in Abu Dhabi zwei Hypothekenbanken Dubais, Amlak Finance und Tamweel, und integrierte sie in die staatliche „Real Estate Bank“. Woertz schließt weitere Rettungseinsätze nicht aus. Zuvor hatte Abu Dhabi 32 Milliarden Dollar in das Bankensystem des Landes gepumpt.
Gerüchte machen die Runde, dass Abu Dhabi bei weiteren Gesellschaften Dubais eingestiegen sei. Am Mittwoch gab Abu Dhabi die Gründung eines Finanzinstituts zur Finanzierung von Hypotheken mit einem Gründungskapital von 136 Millionen Dollar bekannt. An der Spitze der fünf Gründer steht der Staatsfonds Mubadala. Nach dem Kollaps der Kreditfinanzierungen soll das Institut für Abu Dhabi die Finanzierung von Hypotheken sicherstellen.
Während Abu Dhabi, das 10 Prozent der Weltölvorkommen besitzt, kaum Fremdkapital aufgenommen hat, finanzierte das ölarme Dubai seinen Boom mit Fremdkapital - und ist damit verwundbar. In diesem Jahr trocknete die Liquidität weitgehend aus. Dafür macht die Bewertungsagentur Moody's den Abfluss des Spekulationsgeldes verantwortlich, das auf eine Aufwertung des emiratischen Dirham gegenüber dem Dollar gesetzt hatte, ferner den Stopp ausländischer Fremdfinanzierungen und die hohen Anschlussfinanzierungen von Unternehmenskrediten. Moody's rechnet nun mit der Stornierung oder Verschiebung von Projekten in Dubai.
„Die Immobilienblase ist geplatzt“
Die Bewertungsagentur Fitch schätzt, dass in Dubai die Regierung und halbstaatliche Unternehmen Anschlussfinanzierungen im vierten Quartal für 11 Milliarden Dollar finden müssen. Andere setzen das Volumen für das Gesamtjahr 2008 sogar mit 70 Milliarden Dollar an. Dubai bestreitet Engpässe. Muhammad Ali al Abbar, der Vorsitzende des Immobilienentwicklers Emaar und auch der Krisenkommission Dubais, gab am Montag die Staatsschulden Dubais mit umgerechnet 10 Milliarden Dollar an; ihnen stünden Aktiva von 90 Milliarden Dollar gegenüber. Bei den Staatsunternehmen belaufe sich die Verschuldung auf 70 Milliarden Dollar, das Volumen der Aktiva auf 260 Milliarden Dollar. „Die Regierung kann und wird alle ihre Verpflichtungen erfüllen“, sagte Abbar. Allerdings sagte Abbar nicht, wer die Aktiva bewertet hat und wie hoch die Cashflows sind, mit denen die Verbindlichkeiten bedient werden.
Neben der Schuldenkrise drückt das Emirat auch eine Krise der Immobilienbranche, die 30 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Auf den künstlich geschaffenen Palmeninseln mit ihren Luxusimmobilien werden Preisrückgänge von 30 Prozent und mehr gemeldet. Ausgetrocknet sind zuvor beliebte Geschäfte, bei denen zum Verkauf stehende Eigenheime mit einer Anzahlung spekulativ erworben worden sind und vor der Fälligkeit der ersten Zinsrate mit Gewinn weiterveräußert wurden. „Die Immobilienblase ist geplatzt“, sagt Woertz. Nach einem längeren Tränental hält er eine Erholung für denkbar. „Auch andere boomende Stadtstaaten wie Singapur und Hongkong hatten in der Vergangenheit Abfolgen von Boom und Krisen mit zwischenzeitlichen Korrekturen von bis zu 80 Prozent erlebt“, sagt Woertz.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |