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Veröffentlicht: 10.03.2017, 10:15 Uhr

Finanzplanung Aktien zwischen Teufelszeug und Spaßbringer

Zwischen Aktionären und Nichtaktionären herrscht gegenseitiges Unverständnis. Viele Menschen interessiert zwar das Thema Finanzplanung. Doch woran liegt es, dass das Verständnis für Aktien auf der Strecke geblieben ist?

von
© Junker, Patrick Das ist kein Bär: Die Chancen an der Börse unterschätzen viele Anleger.

Das Thema Aktien ist bei der Mehrheit der Bevölkerung negativ belegt. Nur 29 Prozent der Deutschen verbinden mit Aktien und Aktienfonds etwas Positives. Noch geringer ist das Ansehen für den Dax (25 Prozent), die Börse (22 Prozent), die Wall Street (12 Prozent) oder die Volksaktie (10 Prozent). Das geht aus einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung des Forschungsinstituts Toluna hervor, das die Direktbanken Comdirect, ING-Diba, Consors und Maxblue anlässlich des nächsten Donnerstag zum dritten Mal veranstalteten „Tag der Aktie“ beauftragt haben. Sehr positiv besetzt sind hingegen Begriffe wie Sparbuch, Tagesgeld, Geld sparen und vor allem Eigenheim. Selbst nach der Finanzkrise wird auch mit Banken und Bankberatern mehrheitlich Positives verbunden.

Daniel Mohr Folgen:

Die meisten Befragten haben selbst nie Aktien besessen oder etwas mit der Börse zu tun gehabt. Unter den Aktionären wiederum ist das Ansehen von Aktien ausgesprochen positiv und viel besser als das Ansehen von Banken, Bankberatern oder vor allem dem Sparbuch. Auch Begriffe wie Dax und Börse sind unter Aktionären positiv besetzt.

Das Verhältnis der Deutschen zur Aktie beruht auf einer Reihe von Missverständnissen. So ist auf die Frage: „Was könnte Sie dafür begeistern, in Zukunft Ihr Geld in Aktien anzulegen?“, die häufigste Antwort: „Wenn auch kleine Summen in Aktien investiert werden könnten“. Dabei können Sparpläne in breitgestreute Aktienfonds längst mit Beträgen von 25 Euro im Monat bespart werden. Für Einzelaktien gab es noch nie eine Begrenzung nach unten. 8 Prozent der Aktionäre geben an, weniger als 1000 Euro in Aktien angelegt zu haben, weitere 12 Prozent zwischen 1000 und 5000 Euro.

Viele Deutsche wollen mehr aus ihrem Vermögen machen

Auch die gewünschte Möglichkeit „eventuelle Verluste automatisch zu begrenzen“ sind längst gegeben. „Günstige Gebühren“ werden als Wunsch formuliert. Dabei enthalten Aktien selbst überhaupt keine Gebühren, und die Kosten für den Handel belaufen sich auf wenige Euro. Andere würden Aktien kaufen, wenn die Abwicklung einfach und online möglich ist. Auch das ist schon seit Jahren Standard. Zudem wissen nur 21 Prozent der Deutschen, dass es für Aktionäre neben möglichen Kursgewinnen auch noch eine Dividende gibt und damit das, was viele Zinssparer derzeit so vermissen: eine jährliche Ausschüttung direkt auf das Konto des Aktionärs. Dieses Jahr werden abermals neue Rekorddividenden erwartet. 3Prozent Rendite erbringt allein die Dividende derzeit im Durchschnitt der Dax-Unternehmen.

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Kein Wunder, dass die Deutschen die Rendite von Aktien weit unterschätzen. Mit 3,6 Prozent wird im Durchschnitt gerechnet. Dabei beträgt der langjährige Durchschnitt 8 Prozent. Für ETFs, also Fonds, die zum Beispiel einen Aktienindex nachbilden, wird sogar nur eine Rendite von 1,7 Prozent erwartet. Bei dem derzeit kaum verzinsten Festgeld rechnen die Deutschen dagegen fälschlicherweise mit einer höheren Rendite von 2,1 Prozent. Auch beim Tagesgeld (1,7 Prozent), Sparbuch (1 Prozent) und Girokonto (0,9Prozent) haben die Befragten ihre Erwartungen offenbar noch nicht an das Niedrigzinsumfeld angepasst.

Dass sie aus ihrem Vermögen mehr machen könnten, glaubt eine immer größere Mehrheit der Deutschen. Nur noch 21 Prozent sind der Meinung, das Beste aus ihrem Vermögen zu machen. Im Vorjahr waren noch 29 Prozent der Meinung. Dabei zeigt sich, dass das Thema Finanzen viele Menschen interessiert und immer mehr ihre Finanzplanung sogar gerne machen. Vor drei Jahren gaben dies nur 30 Prozent an, mittlerweile sind es 39 Prozent, von den Aktienbesitzern machen es sogar 59 Prozent gerne.

Mehrheit wünscht sich Informationen zu Aktien auch aus der Politik

Warum dabei immer noch das Verständnis für Aktien auf der Strecke geblieben ist, könnte an den Informationsquellen der Menschen liegen. Die mit Abstand wichtigste Informationsquelle bleibt der Berater in der Bankfiliale. Dabei ist der gar kein Informationsmedium, sondern ein Verkäufer. An Aktien verdient die Bank nichts. Deswegen werden Einzelaktien oder günstige ETFs in Filialen weitgehend totgeschwiegen. Auch die angesprochenen günstigen ETF-Sparpläne mit monatlich 25 Euro Beitrag und ein einfacher und günstiger Wertpapierkauf sind in der Filiale kaum möglich. Es verwundert daher kaum, dass sich die Aktienbesitzer zum Beispiel viel stärker in neutralen Medien wie Tageszeitungen, Fachzeitschriften oder Finanzportalen im Internet informieren.

Dass die langfristige Aktienanlage sinnvoll für die Altersvorsorge ist, sehen die meisten Deutschen so. Sie befürworten daher auch eine steuerliche Förderung, wie sie zum Beispiel bei der Riester-Rente erfolgt. Mehr Informationen zum Thema Aktien wünscht sich eine Mehrheit auch durch die Politik. Das Vertrauen ist an dieser Stelle überraschend hoch. Trotz Telekom-Börsengang sagen 45 Prozent, sie würden auf eine Volksaktie vertrauen, die von der Bundesregierung beworben wird.

Auch wenn die wenigsten Deutschen einen Aktienkauf in Betracht ziehen, haben immerhin 24 Prozent ein konkretes Wunschunternehmen vor Augen, wenn sie eines Tages doch einmal eine Aktie kaufen sollten. Für die meisten würde dies nicht mehr aus der Autoindustrie kommen, sondern aus dem Bereich Elektronik, Technik, Software. Immerhin ist Apple schon seit einiger Zeit die beliebteste Auslandsaktie der Deutschen. Kein Wunder, dass immer mehr Aktionäre sagen, mir macht die Sache Spaß.

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