30.08.2010 · Große Übernahmepläne sind mittlerweile wieder an der Tagesordnung auf den Märkten. So hat Sanofi-Aventis die nächste Runde im Ringen um den Biotech-Konzern Genzyme eingeläutet. Hoffnungsvoll kann das Anleger stimmen, denn ein Kaufgebot bringt meist einen satten Kursgewinn.
Von Alexander ArmbrusterAnleger auf den Aktienmärkten haben trotz anhaltender Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten die Chance, hohe Kursgewinne zu erzielen. Dazu müssen sie Aktien von Unternehmen halten, an denen andere Unternehmen womöglich interessiert sind und für die diese deshalb ein Übernahmeangebot vorlegen könnten. Solche Vorhaben werden momentan fast täglich bekannt. „Es gab eine kräftige Erholung auf dem Markt von Fusionen und Übernahmen in den vergangenen acht Wochen, insbesondere auch im Bereich feindlicher Übernahmegebote“, sagt Alexander Gehrt, der für die Schweizer Großbank UBS das Übernahmegeschäft in Deutschland leitet.
Am Sonntagabend beispielsweise hat der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis die nächste Runde im Ringen um den amerikanischen Biotech-Konzern Genzyme eingeläutet und Genzyme-Aktionären 69 Dollar pro Aktie geboten, wenn sie ihre Anteile an Sanofi verkaufen. Das Angebot liegt beinahe 40 Prozent über dem Aktienkurs von Genzyme vom 1. Juli, als das Papier zu einem Preis von 49,86 Dollar gehandelt wurde. Insgesamt, teilte Sanofi-Aventis mit, würde sich der Kaufpreis für Genzyme auf rund 18,5 Milliarden Dollar (rund 15 Milliarden Euro) belaufen - in bar. Der Vorstandsvorsitzende von Sanofi-Aventis, Christopher Viehbacher, begründete das Übernahmevorhaben damit, dass Genzyme gut in die Wachstumsstrategie von Sanofi passe. Der von Sanofi nun auch öffentlich angebotene Preis für eine Genzyme-Aktie liegt zwar weit über dem durchschnittlichen Genzyme-Kurs des vergangenen Jahres und der ersten Jahreshälfte 2010. Vor rund zwei Jahren allerdings, im August 2008, war das Papier an der New Yorker Börse mehr als 80 Dollar wert.
Potash-Aktie infolge der Übernahmeabsicht rasant gestiegen
Der Übernahmeversuch von Sanofi-Aventis ähnelt anderen aktuell angestrebten Unternehmenskäufen. So will der australische Bergbaugigant BHP Billiton den kanadischen Düngemittelhersteller Potash ebenfalls mit Barmitteln kaufen und dafür insgesamt rund 39 Milliarden Dollar ausgeben, wie am 17. August bekannt geworden ist. Auf eine Potash-Aktie umgerechnet entspricht das einem Kaufpreis von 130 Dollar, was ein Aufschlag von mehr als 20 Dollar gegenüber dem damaligen Aktienkurs an der New Yorker Börse war; zum Jahreswechsel wurde ein Anteilsschein an dem nach eigenen Angaben größten Kali-Produzenten der Welt noch für rund 80 Dollar gehandelt.
Der Kurs der Potash-Aktie ist infolge der offenbarten Übernahmeabsicht rasant gestiegen - sogar über den von BHP gebotenen Preis hinaus auf bis zu 147 Dollar. Am Finanzmarkt wurde das so gedeutet, dass die Mehrheit der Anleger offenbar erwartet, dass BHP selbst oder ein alternativer Bieter, nach dem das Management von Potash derzeit noch sucht, den Aktionären einen besseren Preis bieten wird.
„Die Kriegskasse vieler Unternehmen ist deutlich aufgefüllt“
Auch BHP-Chef Marius Kloppers begründete die Kaufabsicht damit, dass Potash die Produktpalette von BHP verbreitere und nachhaltig die Strategie des Bergbauunternehmens ergänze. Und auch in diesem Fall lag der Kurs der Übernahmeziels schon einmal deutlich höher: Im Juni 2008 kostete eine Potash-Aktie knapp 240 Dollar. Einen regelrechten Wettstreit liefern sich gerade die amerikanischen Computerhersteller Dell und HP, die beide den Datenspeicher-Spezialisten 3PAR kaufen wollen - der Kurs des Kaufobjektes hat sich daraufhin bereits verdreifacht von 10 auf mehr als 30 Dollar.
Die gestiegene Zahl und das gestiegene Volumen angestrebter Unternehmenskäufe ist Folge davon, dass viele Aktienkurse aufgrund der Finanzkrise stark eingebrochen waren. Außerdem haben besonders viele Großunternehmen genügend Geld gesammelt, um Käufe auch bar bezahlen zu können. „Die Kriegskasse vieler Unternehmen ist deutlich aufgefüllt aufgrund starker Kostensenkungen und Investitionszurückhaltung und hat ein Niveau erreicht, auch größere Käufe alleine stemmen zu können“, sagt Sascha Haghani, Leiter des Bereichs Corporate Finance der Unternehmensberatung Roland Berger. Auch das Kreditumfeld ist angesichts dessen, dass etwa als ausfallsicher geltende deutsche Bundesanleihen niedrig rentieren, nicht schlecht, denn entsprechend weniger Zinsen müssen auch risikoreichere Emittenten bieten, wenn sie am Kapitalmarkt Geld aufnehmen wollen.
Schließlich sind auch Finanzinvestoren wieder aktiver. Sie hatten sich im Zuge der Finanzkrise vorübergehend vom Markt zurückgezogen, aber gerade im zweiten Vierteljahr dieses Jahres wieder mehr Aktivität gezeigt. Am Montag bot beispielsweise die amerikanische Beteiligungsgesellschaft One Equity Partner für den niederländischen Funkchiphersteller Smartrac einen Preis von 20 Euro je Aktie - das sind 17 Prozent mehr, als die Aktie vergangenen Freitag kostete.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |