Die Aktie von Loewe hatte zuletzt an der Börse einen schweren Stand. Nachdem der Hersteller von Unterhaltungselektronik im Oktober überraschend eine Gewinnwarnung veröffentlichte, verschärfte sich zwischenzeitlich der Kursrückgang sogar noch.
Einen kleinen Teil des da verspielten Kredits kann der MDax-Vertreter am Montag wieder gutmachen. Denn im Gesamtjahr 2002 hat Loewe zumindest die gesenkten Prognosen erfüllt. So betrug der Umsatz 375 (Vorjahr 372) Millionen Euro und der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) 20,5 (20,1) Millionen Euro. Analysten hatten mit einem Ebit von 20,3 Millionen Euro und einem Umsatz von 374,3 Millionen Euro gerechnet.
Günstige Bewertung
Dem arg gebeutelten Aktienkurs verschafft dies eine Verschnaufpause. Am Vormittag steigt der Titel um 4,68 Prozent auf 11,63 Euro und avanciert zum größten Gewinner im MDax. Untermauert werden die Aufschläge durch günstige Bewertungskennziffern. Den Schätzungen der Analysten für das Jahr 2003 zufolge, errechnete sich auf Basis der Notierungen vom Freitag ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter sieben und eine ansehnliche Dividendenrendite von 6,69 Prozent. Auch die Marktkapitalisierung von rund 80 Millionen Euro lässt auf eine sehr moderate Bewertung schließen.
Ein Selbstläufer ist die Aktie deswegen aber nicht zwangsläufig. Die Stärken bei der Bewertung werden die Börsianer nur dann honorieren, wenn sie überzeugt sind, dass die hauseigenen Probleme gelöst werden. Bisher ließen sie sich von einer günstigen Bewertung jedenfalls nicht aus der Reserve locken. Neben der Gewinnwarnung haben sie die Anlaufkosten im verlustbringenden US-Geschäft, der als Ergebnisbelastung wirkende schwache Dollar sowie Wertminderungen bei der Loewe-Unterstützungskasse zurückhaltend werden lassen.
Versprechen müssen erst erfüllt werden
Nun wird man erst sehen wollen, ob Loewe das für 2003 unverändert versprochene Plus von zehn Prozent beim operativen Ergebnis und von acht Prozent beim Umsatz tatsächlich realisieren kann. Ist dies der Fall, sollte der Titel in der Tat Potenzial haben. Gewisse Vorbehalte scheinen für vorsichtig ageierende Anleger aber noch angebracht, weil das Unternehmen selbst von einem unverändert schwierigen Martkumfeld spricht.
Viel wird davon abhängen, wie die für das zweite Halbjahr im Zuge der Internationalen Funkausstellung angekündigte Produktoffensive ankommt. Als Hemmschuh erweist sich die mit einem Umsatzanteil von rund 50 Prozent große Abhängigkeit vom deutschen Markt. Denn angesichts der schleppenden Konjunktur ist hierzulande nicht mit einem Konsumrausch zu rechnen. Wie knausrig die Deutschen derzeit sind, hat der drittgrößte deutsche Fernsehproduzent im abgelaufenen Geschäftsjahr in Form eines von 186 auf 182 Millionen Euro gesunkenen Inlandsumsatz selbst zu spüren bekommen.
Aktie charttechnisch noch im Abwärtstrend
Auch charttechnisch gesehen würde sich die Lage erst bei Kursen über 13 Euro wieder nachhaltig aufhellen. Bis es soweit ist, kann aber nichts anderes als ein vollkommen intakter Abwärtstrend konstatiert werden. Die diesmaligen Tagesgewinne haben an dieser Situation bisher noch nicht rütteln können. Und auch wer auf fundamentale Kriterien bei der Bewertung von Aktien schwört, sollte nicht an dieser zumindest derzeit noch zu einer gewissen Vorsicht mahnenden Konstellation vorbei agieren.