Gewinnwarnung ist nicht nur ein Kunstwort - Börsianern kommt das Wort einer bitteren Pille gleich, die sie am liebsten ausspucken möchten. Nun hat der Vorstand der Loewe AG zum zweiten Male binnen sechs Monaten seine Ergebnisprognosen korrigiert - nach unten eben.
Die Aktie, die zuletzt ohnehin schwächelte, verliert infolge dieser Nachricht ein Sechstel ihres Wertes. Gegen 13.30 Uhr notiert sie mit 8,40 Euro; zwischenzeitlich lag sie noch tiefer. Billiger war das Papier seit Börsengang nie.
Erstes Vierteljahr schwächer als erwartet
Loewe, einer der führenden deutschen Anbieter von Unterhaltungselekronik wie Fernsehapparate und Multimediageräten, muss mit schlechter als kalkuliert laufenden Verkäufen leben. Nach einem schwachen ersten Quartal rechnet der Vorstand nun mit einem Umsatz in der Nähe des Vorjahreswerts von 375 Millionen Euro. Den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sieht Loewe bei minus 50 Prozent im Vergleich zum Jahr 2001, in dem das Ebit bei 20,5 Millionen Euro lag.
Irritierend an der Gewinnwarnung ist die Tatsache, dass die Chefetage noch im Januar ihre Prognose bekräftigt hatte, Loewe werde den Umsatz um acht Prozent und das Ergebnis um ein Zehntel steigern. Die Wende zum schlechteren begründet der Konzern mit Belastungen aus der Neuordnung des Italien-Geschäfts sowie mit den weltpolitischen Unsicherheiten und der deutlichen Kaufzurückhaltung. Nur: Letzteres war schon vor Jahresbeginn der Fall. Dies wirft kein gutes Licht auf die Weitsicht der Unternehmensführung.
Gesundes Misstrauen ratsam
Loewe hat nach dem Wechsel des Vertriebspartners in Italien positive Beiträge dieses Geschäfts für das zweite Quartal angekündigt. Das Unternehmen muss aber beweisen, dass es dieses Versprechen einlösen kann. Solange nichts Entsprechendes zu hören ist, ist ein gesundes Misstrauen angesagt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,3 ist der Titel auf Basis der bisherigen Gewinnschätzungen zwar günstig bewertet. Doch ist diese Zahl nicht aussagekräftig. Denn sie basiert auf einem geschätzten Gewinn je Aktie von 1,48 Euro - Loewe weist derzeit aber ein negatives Ergebnis auf.
Charttechnisch gesehen sieht es ohnehin trübe aus. Der Titel hat seit Mai rund 74 Prozent seines Wertes eingebüßt. Bei Loewe ist bis auf weiteres die Musik draußen. Folglich lautet die Devise: Finger weg.