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Veröffentlicht: 25.02.2013, 17:10 Uhr

Ungarn Börse mit Potential

Die ungarische Börse überrascht Anleger seit Jahresbeginn mit Kursgewinnen. Die gelockerte Geldpolitik könnte den Kapitalmarkt weiter beflügeln.

von Manuela Seiser
© REUTERS An der ungarischen Börse geht es aufwärts

Ungarn ist für Anleger seit langem ein schwieriges Pflaster in Osteuropa. Zwar hat der Leitindex der ungarischen Börse Bux seit Jahresbeginn auf Basis der Nationalwährung Forint fast 4 Prozent zugelegt.

Damit ist Ungarn eine der positiven Überraschungen im Jahr 2013 in der Region. Offenbar sind die Anleger wieder risikofreudiger geworden. Seit Ausbruch der Krise vor fünf Jahren büßte der von den Schwergewichten OTP Bank, dem Energieriesen Mol, dem Pharmaspezialisten Gedeon Richter und dem Telekomdienstleister Magyar Telekom getriebene Bux rund 7 Prozent ein, womit er im Mittelfeld mit seinen Konkurrenten liegt.

Aktien stark, Währung schwach

Doch für Investoren, die in Euro rechnen, sieht das Bild anders aus. Seit Jahresbeginn ist der Forint gegenüber dem Euro schwächer geworden. Für einen Euro müssen derzeit gut 290 Forint bezahlt werden. In den Monaten zuvor waren es zwischen 280 und 290 Forint. In der Spitze schon deutlich mehr als 300 Forint bezahlt.

Infografik / Chart HUFEUR 250213 © FAZFinance Vergrößern

Eine fortgesetzte nachhaltige Abwertung des Forint hätte erhebliche makroökonomische Auswirkungen, die sich wiederum auch am Aktienmarkt niederschlagen dürften. Derzeit spricht viel dafür, dass der Wechselkurs unter Druck bleibt. Die Notenbank verfolgt seit dem Sommer 2012 jedenfalls eine deutlich gelockerte Geldpolitik.

Der Leitzins wurde seither in sechs Schritten um jeweils einen Viertelprozentpunkt auf 5,5 Prozent gesenkt. Das sollte den Kapitalmarkt beflügeln. Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Bank International in Wien, hält eine weitere Senkung auf 4,5 Prozent bis Ende des Jahres für realistisch.

Mit einem Stand von 18.867 Punkten ist der Bux von seinem Allzeithoch von 30.000 Punkten aus dem Sommer 2007 weit entfernt. Daran wird sich in den nächsten Monaten kaum etwas ändern. Zu schwach läuft die Konjunktur, das Land dürfte auch 2013 nicht aus der Rezession kommen.

Niedrige Zinsen verzögern Einigung mit dem IWF

In den Hintergrund ist hingegen die Frage getreten, ob der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU Ungarn Finanzhilfe gewähren. Mit Verbindlichkeiten von mehr als drei Vierteln des Bruttoinlandsprodukts (BIP) hat das Land einen für die etablierten Märkte der Region exorbitant hohen Schuldenberg angehäuft und muss dafür eine riesige Summe aufbringen, wenngleich die Zinsen ungarischer Staatsanleihen derzeit auf historisch niedrigem Niveau liegen.

Infografik Chart Bux 250213 © FAZFinance Vergrößern

Deshalb glaubt Michael Kreibich, Fondsmanager in der Berenberg Bank in Hamburg, dass eine Einigung mit dem IWF so lange nicht zustande kommen wird, wie sich Ungarn zu akzeptablen Zinsen über den Kapitalmarkt finanzieren kann. Die Finanzierung sei mittlerweile zu vergleichsweise moderaten Konditionen möglich, was die Abhängigkeit für weitere IWF-Unterstützungen zumindest vorübergehend verringert. So konnte zuletzt seit langer Zeit wieder eine Dollar-Emission erfolgreich plaziert werden: „Damit bleibt ein IWF-Kredit zwar eine mögliche, aber zunächst keine unmittelbare Option.“

Auch Friedrich Mostböck, Chefanalyst der Erste Group in Wien, sieht derzeit keinen Liquiditätsbedarf: „Die Notenbank hat Reserven im Umfang von 34 Milliarden Euro - das entspricht gut einem Drittel des ungarischen Bruttoinlandsprodukts - und braucht etwa 3 bis 4 Milliarden Euro in lokaler Währung in diesem Jahr.“

Unicredit schließt ein Abkommen vor den Parlamentswahlen im kommenden Jahr aus. Nur wenn es zu einer deutlichen Verschlechterung in der Marktstimmung käme, wäre aus Sicht der italienischen Bank eine Vereinbarung rasch möglich, weil Ungarn in der Region am meisten abhängig von ausländischer Finanzierung ist.

Regierung verschreckt Investoren

Mittel- bis langfristig würde ein Hilfsprogramm unabhängig von seiner Notwendigkeit in jedem Fall unterstützend wirken. Der IWF als Kontrollinstanz für eine nachhaltig solide Fiskalpolitik wäre eine vertrauensbildende Maßnahme für die Kapitalmärkte gegenüber den derzeit eher unorthodoxen Maßnahmen der Regierung, heißt es.

Denn während von der geldpolitischen Front Entspannung kommt, stört die internationalen Investoren die sprunghafte Wirtschaftspolitik der nationalkonservativen Regierung unter dem Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Die Regierung habe bisher durch eine Wirtschaftspolitik auf sich aufmerksam gemacht, die den Kapitalmarkt prinzipiell nicht fördere. Diese verschrecke eindeutig ausländische Investoren, argumentiert Mostböck.

Zudem beanstandet Kreibich, dass der Großteil der von der nationalkonservativen Regierung verabschiedeten Maßnahmen zu kurzfristig gedacht ist, so dass es über die vergangenen Jahre zu keinen nachhaltigen Verbesserungen der wirtschaftlichen Lage gekommen ist.

Schwächerer Franken entlastet OTP

Kreibich und Mostböck trauen dem BUX 21.000 Punkte zu, sollten  negative politische Überraschungen ausbleiben. Raiffeisen sieht schon bei 19.700 Punkten das Ende der Fahnenstange. Raiffeisen und Erste Group empfehlen die Pharma-Titel Richter Gedeon und Egis. Ebenso bleibt die Bank OTP mit einem Kursziel von 4460 Forint interessant. Berenberg ist bei OTP mit 5400 Forint noch optimistischer.

Denn die Geschäftsergebnisse des größten ungarischen Finanzinstituts sind stark vom Trend der notleidenden Kredite abhängig. Da sich ein Großteil der ungarischen Bevölkerung in Schweizer Franken verschuldet hat, sei dieser Trend wiederum spürbar von der Entwicklung des Wechselkurses abhängig. Die Schwäche des Franken der vergangenen Wochen hat der OTP-Aktie deutlichen Rückenwind verliehen. Aufgrund der negativen Korrelation zu fallenden Renditen ungarischer Staatsanleihen dürfte die Aktie zudem vom bestehenden Trend rückläufiger Zinsen profitieren.

Quelle: F.A.Z.

 

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