06.07.2007 · Mit großer Aufmerksamkeit und viel Enthusiasmus wird am Freitag der Börsenstart des kleinen deutsch-chinesischen Müllbrennungsspezialisten ZhongDe gefeiert. Indes sind im Aktienkurs sehr hohe Erwartungen eingepreist.
Die Börsianer haben am Freitag ihre Freude. „Das ist endlich mal wieder ein interessanter Börsengang“, sagt ein Händler zum Papier der ZhongDe Waste Technology. Die Aktien des chinesischen Bauers von Müllverbrennungsanlagen starteten mit einem ersten Kurs von 30 Euro deutlich über ihrem Ausgabepreis von 26,00 Euro. Und dieser hatte bereits am oberen Ende der Preisspanne von 23 bis 26 Euro gelegen.
Die Nachfrage war sehr gut - die Emission war um das 13,5fache überzeichnet, teilte das Unternehmen mit. „China-Aktien sind derzeit sehr gesucht und das Geschäftsfeld ist ebenfalls spannend - das lässt Anlegerherzen höher schlagen und bringt Phantasie in den Kurs“, so ein weiterer Börsianer. Mit einem Gewinn je Aktie im vergangenen Jahr von 2,89 Euro sei das Unternehmen zudem günstig bewertet, hieß es weiter.
Verwirrung um Gewinne
Wer indes in den Emissionsprospekt blickt, findet dort andere Zahlen. Im vergangenen Jahr hat ZhongDe knapp 19 Millionen Euro umgesetzt. Dabei erzielte man ein Reinergebnis von stolzen acht Millionen Euro bzw., gerechnet auf die zehn Millionen Aktien des Grundkapitals vor der Kapitalerhöhung, je Aktie 80 Cent.
Im ersten Quartal des laufenden Jahres betrug der ungeprüfte Umsatz 7,36 Millionen Euro. Das Reinergebnis wird mit 4,11 Millionen Euro, der Gewinn je Aktie mit 0,41 Cent angegeben. Um die kolportierten 2,89 Euro zu erreichen, müsste das Unternehmen eine enorme Schlagzahl an den Tag legen, allzumal durch die Kapitalerhöhung im Zuge des Börsengangs der Gewinn je Aktie sinkt. Das Unternehmen verweist auf einen Auftragsbestand von 8,23 Millionen Euro zum 31. Mai, so dass die Aussichten durchaus gut sind.
Das Unternehmen hat seinen Sitz in Hamburg und entwickelt, produziert und installiert Verbrennungsanlagen für die Beseitigung von klinischen Abfällen, Hausmüll (gemischte Siedlungsabfälle) und industriellen Abfällen einschließlich gefährlicher Abfälle (Sondermüll) in China. Seit 1996 habe man über 170 Müllverbrennungsanlagen an Kunden in 13 Provinzen in China verkauft, 112 davon allein in den vergangenen drei Geschäftsjahren.
Expansion in Müllverbrennungsanlagen
Im Wesentlichen sind die Müllverbrennungsanlagen der ZhongDe Group für Betreiber von Entsorgungszentren für klinischen Abfall aus der Krankenhausbranche und dem Gesundheitswesen sowie für kleine und mittelgroße Städte in den erschlossenen Gebieten der Volksrepublik China konzipiert. Der Nettoemissionserlös soll unter anderem in sechs gebaute und selbst betriebene Verbrennungsanlagen und ein weiteres Werk investiert werden.
Künftig will ZhongDe auch schlüsselfertige Müllverbrennungsanlagen errichten und betreiben. Bislang aber hat man nur sechs rechtlich nicht verbindliche Absichtserklärungen mit chinesischen Gemeinden über den Bau und Betrieb von Müllverbrennungsanlagen mit einem geschätzten Finanzierungsvolumen von insgesamt 41 Millionen Euro unterzeichnet.
Den Brutto-Emissionserlös erwartet das Unternehmen bei voller Ausübung der Greenshoe-Option bei rund 109 Millionen Euro, davon fließen 72 Millionen Euro auf das Firmenkonto. Der Streubesitz würde in diesem Falle bei rund 32 Prozent liegen. 95,4 Prozent der Aktien wurden institutionellen Investoren schwerpunktmäßig in Deutschland und den Nachbarländern sowie Großbritannien und Hongkong zugeteilt. 4,6 Prozent der Aktien wurden bei Privatanlegern platziert. Die Nachfrage aus Deutschland sei begrenzt gewesen.
Hohe Erwartungen eingepreist
Die Wachstumsaussichten des Unternehmens sind sicherlich gut. Indes beträgt die Marktkapitalisierung bereits jetzt 391 Millionen Euro und damit das 20,6fache des Umsatzes der Vorjahres. Selbst wenn man den Umsatz des ersten Quartals großzügig hochrechnet und vom Fünffachen Umsatz im Gesamtjahr ausgeht, bleibt eine Bewertung mit mehr als dem zehnfache des Umsatzes.
Auf Basis der abgelieferten Gewinne beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis 49. Selbst wenn man den Reingewinn ebenso großzügig für 2007 hochrechnet, bleibt ein KGV von etwa 19. Das ist mitnichten eine günstige Bewertung. Das heißt nicht, dass die Aktie kein Potential besäße. Kann das Unternehmen die Wachstumsgeschwindigkeit beibehalten, könnte es zügig in seine Bewertung hineinwachsen, zumal dann, wenn sich das in den Anfängen befindliche Geschäft mit Müllverbrennungsanlagen gut anlässt.
China ist ein schwieriges Pflaster
Das aber ist keineswegs als sicher anzusehen. Zudem sind die politischen Risiken nicht zu unterschätzen, die Zhongde im Prospekt auflistet. So seien das chinesische Rechtssystem und die regionalen Steuergesetze voller Unklarheiten und Widersprüche, die Richter nicht unabhängig und wenig erfahren. Gerichtsurteile seien nicht ohne weiteres durchzusetzen. Zudem besitze die Regierung „Ermessensfreiheit bei der Durchsetzung von Ansprüchen“ - im Klartext: sie handelt willkürlich.
Diese Faktoren könne sich auf das Geschäft deutlich niederschlagen. Das staatliche Budget für Abfallmanagement könne gesenkt werden oder sich „die Beziehungen der ZhongDe Group zu öffentlichen Stellen verschlechtern“. Darüber hinaus hänge der Verkauf von Müllverbrennungsanlagen für medizinischen Abfall entscheidend von den Subventionen ab, die von der Regierung an die Kunden gewähre. Ebenfalls nicht auszuschleißen sei, dass die für die Beschaffung zuständigen Stellen Lieferanten bevorzugen, die sich in inländischem Besitz befinden.
Vorreiter Gongyou weniger erfolgreich
Meist sind diese Risikohinweise schärfer abgefasst, als sie in der Wirklichkeit jemals relevant werden. Indes machen sie deutlich, in welchem Spannungsfeld ZhongDe operiert. Insofern ist die Aktie und das Geschäft alles andere als ein Selbstläufer, sondern mit den Risiken verbunden, die kleine Unternehmen in Schwellenländer eben immer drohen. Mut und Risikobewusstsein sind also nicht zuletzt auch in Anbetracht der hohen Erwartungen, die bereits eingepreist sind, erforderlich.
ZhongDe ist das erste chinesische Unternehmen, das im deutschen Prime Standard gelistet wird, indes nicht der erste Börsengang eines chinesischen Unternehmens in Deutschland. Schon im März wagte der Hersteller von holzverarbeitenden Maschinen und Elektromotoren, Gongyou Machines den Schritt an den Open Market.
Gongyous Umsatz betrug im vergangen Jahr gleichfalls 19 Millionen Euro, bei indes einem deutlich geringeren Jahresüberschuss von 2,2 Millionen Euro. Die Aktien wurden damals zu 2,80 Euro emittiert. Zum Handelsstart stieg der Kurs um 53 Prozent, erreichte kurz danach sein Allzeithoch bei 4,05 Euro und brach danach bis auf 2,62 Euro ein. Aktuell notiert das Papier bei 3,03 Euro.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |