27.10.2003 · Eine Kursexplosion erlebt die Aktie von Plambeck Neue Energien. Der Wert reagiert auf die Nachricht, daß Plambeck einen potenten Partner für einen Windenergiepark in der Nordsee gefunden hat.
Das ist etwas Balsam für die strapazierten Nerven der Aktionäre der Plambeck Neue Energien AG. Nachdem der Titel in den vergangenen Monaten vor allem durch einen stetigen Wertverfall auf sich aufmerksam gemacht hatte, der im Ausschluß aus dem TecDax mündete, sorgt er zu Wochenbeginn mit einer Kursexplosion für Aufsehen.
Sowohl im Xetra-Handel als auch an der Frankfurter Parkettbörse verteuert sich die Aktie um mehr als 30 Prozent. Aktuell notiert sie im Xetra mit 3,10 Euro; das Tageshoch in Frankfurt steht bei 3,23 Euro. Ebenso stark wie der Kurs ist der Umsatz mit Plambeck-Aktien gestiegen. Während in den vergangenen fünf Handelstagen lediglich Aktien im Wert von durchschnittlich 117.000 Euro die Besitzer gewechselt hatten, liegt das Volumen gegen 14.20 Uhr schon bei mehr als 2,7 Millionen Euro. Der Wert reagiert auf die Nachricht, daß der Konzern einen namhaften und potenten Partner für einen geplanten Windenergiepark in der Nordsee nördlich von Borkum gefunden hat.
Genehmigung soll in einigen Wochen erfolgen
Der Windkraftanlagenbetreiber Plambeck Neue Energien hat mit dem dänischen Energiekonzern Energi E2 einen Partner zur Finanzierung seines Windpark-Projekts „Borkum Riffgrund“ gefunden. Beide Unternehmen würden das Projekt mit einer Gesamtinvestition von deutlich mehr als einer Milliarde Euro realisieren, teilte Plambeck mit. Dazu würden sie ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, an dem beide zu jeweils 50 Prozent beteiligt seien. E2 werde die Finanzierung der Windparkanlage sicherstellen und einen erheblichen, nicht näher bezifferten Beitrag zum Einstieg in das Projekt zahlen. Weitere Zahlungen sollten stufenweise während der Realisierung des Projekts erfolgen.
Die Finanzierung des „Borkum Riffgrund"-Projekts war nach Angaben eines Plambeck-Sprechers lange Zeit unklar. „Nun ist sie gesichert und auch das technische Know-how“, wird der Sprecher von der Agentur Reuters zitiert. Von der Windenergieanlage im Meer versprechen sich die Unternehmen, daß aufgrund der höheren Windgeschwindigkeiten auf See bei gleicher Leistungsklasse mehr Energie als an Land gewonnen werden kann.
Plambeck rechnet dem Sprecher zufolge mit einer Genehmigung des Projekts in der Nordsee durch das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie in einigen Wochen. Die erste Bauphase werde 2006 abgeschlossen sein. Dann sollen 77 Windenergieanlagen Strom für 300.000 Haushalte liefern. Bis 2010 soll nach einer zweiten Bauphase „Borkum Riffgrund“ auf bis zu 180 Windenergieanlagen unterschiedlicher Leistungsklassen erweitert werden.
Plambeck-Partner mit Meer-Windanlage im Probebetrieb
Aus Sicht der Analysten der NordLB, die Plambeck-Aktie auf „Reduzieren“ (Verkaufen) gesetzt haben, ist die Meldung über das Joint-Venture eine gute Nachricht. Der Windenergiepark auf hoher See sei grundsätzlich eine gute Geschäftsidee, und mit dem dänischen Konzern habe Plambeck ein etabliertes Unternehmen gefunden, das schon eine solche Anlage im Probebetrieb habe. Der Einstieg der Dänen sei mit Blick auf die ausstehende Genehmigung durch das Schiffahrtsbundesamt und das Bundeskartellamt ermunternd, da sich Energi E2 sicher keine Fehlinvestition leisten wolle.
Allerdings schweige sich Plambeck über die Konditionen und die zu erwartenden Erträge aus dem Windenergiepark noch aus. Hinzu kommt als Drohkulisse und Unbekannte im Hintergrund, daß das Bundesumweltministerium in einem Gesetzesentwurf plant, die Förderung in den nächsten sieben Jahren um 30 Prozent statt wie bislang nur um 20 Prozent zu kürzen. Die Windenergie wird gegenwärtig noch über eine Umlage beim Strompreis gefördert, die gegenwärtig monatlich etwa einen Euro pro Haushalt ausmacht. Schon in diesem Jahr war der Neubau von Windkraftanlagen erstmals rückläufig gewesen. Und den befürchteten Umsatzrückgang kann die Branche nach Darstellung des Verbandes noch nicht durch Anlagen auf See oder Export ausgleichen.
Aktie billig, aber tief im Abwärtstrend
In Anbetracht dessen scheint in dem sehr starken Kursanstieg eine Menge Hoffnung eingepreist, die Plambeck und Energi E2 erst noch rechtfertigen müssen. Denn vor 2006 wird die Anlage, so sie gebaut wird, keinen Strom liefern. Und falls die Bundesregierung bis dahin die Rahmenbedingungen für Windenergie verschlechtert, dürfte dies auf die Gewinnspanne drücken. Insofern spiegelt sich in der Kursexplosion auch viel Spekulation wider.
Nüchtern betrachtet ist die Plambeck-Aktie trotz des soeben entfachten heftigen Windes an der Börse zuletzt nur noch ein flaues Lüftchen gewesen. Binnen Jahresfrist hat sie sich um 64 Prozent verbilligt. Seit dem Allzeithoch von 36 Euro im März 2001 hat sie 91 Prozent an Wert eingebüßt. Infolgedessen steckt sie, wie immer man es auch betrachtet, in einem Abwärtstrend. Da ist das sehr niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis von 3,9 kein wirklicher Trost. Zumal Plambeck in den ersten sechs Monaten einen Rückgang bei der Gesamtleistung von 70 Prozent verbucht hat und abzuwarten ist, ob der Konzern das Jahr profitabel abschließen wird. Diesen Titel muß man weiterhin nicht haben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |