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Umfrage Vermögensverwalter raten zu 50 Prozent Aktien

Die jährliche Umfrage zeigt steigenden Optimismus und weniger Unsicherheit. Gerade junge Anleger sollten wegen der niedrigen Zinsen auf Aktien setzen.

© PSM Wittert Chancen auf den Aktienmärkten in China und Japan: Joachim Paul Schäfer

Vermögensverwalter raten dazu, das Jahr 2013 mit einer höheren Aktienquote als 2012 zu beginnen. Zulasten von Immobilien und Kasse sollte ein 30 Jahre alter Anleger fast 50 Prozent seines Vermögens in Aktien halten, ein 60 Jahre alter Anleger immerhin noch 36 Prozent. Derart hohe durchschnittliche Aktienquoten hatte die Umfrage, die diese Zeitung nun zum neunten Mal durchgeführt, zuletzt vor Beginn der Finanzkrise erbracht. Im Vorjahr nannten die acht von neun Vermögensverwaltern, die sich auch in diesem Jahr an der Umfrage beteiligt haben, durchschnittliche Aktienquoten von 33 Prozent für den 30 Jahre alten Anleger und 24 Prozent für den 60 Jahre alten Anleger.

Hanno Mußler Folgen:

Auch der erstmals teilnehmende Luca Pesarini, Fondsmanager der Ethna Mischfonds, hat trotz im Vergleich zu den anderen Vermögensverwaltern unterschiedlichen Aktienquoten wegen der „noch lange niedrigen Zinsen“ in seinen Fonds derzeit überdurchschnittlich viele Aktien. Einige Vermögensverwalter wollen ihre Aktienquote im Laufe des Jahres noch erhöhen. „Da praktisch kein Analyst für 2013 sinkende Kurse an den Börsen voraussagt, ist derzeit aber Vorsicht geboten“, sagt Georg Kuhlmann vom Hamburger Vermögensverwalter PAM. Anders als der Dax, der inzwischen wieder fast seine Höchststände aus den Jahren 2000 und 2007 erreicht hat, liege der europäische Aktienindex Euro Stoxx 50 noch um 50 Prozent darunter, nennt Jörg Bohn von Artus als Argument für steigende Aktienkurse. Er erwartet, dass die hohen Kursschwankungen der vergangenen Jahre nachlassen, weil „Banken die Exzesse im Handelsbereich massiv abbauen“.

„Wandelanleihen sollten in diesem Jahr wieder besser laufen“

Joachim Paul Schäfer, Partner des Vermögensverwalters PSM wittert zum Jahresbeginn die größten Chancen auf den Aktienmärkten in China und Japan und sieht auch für den Euro Stoxx 50 Aufholpotenzial. Burkhard Wagner von PVM erkennt auch Nachholbedarf bei europäischen Standardwerten. Dieser Vermögensverwalter aber plant, im Jahresverlauf die Aktienquote zu senken, da er den Unternehmen nur eine Steigerung ihrer Gewinne um durchschnittlich 3 bis 5 Prozent zutraut. Anstelle der Aktien will er Anleihen kaufen. „Vor allem Wandelanleihen sollten in diesem Jahr wieder besser laufen“, sagt Wagner.

Infografik / Die richtige Mischung für 2013: Die Vorschläge der Vermögensverwalter © F.A.Z. Bilderstrecke 

Wie die mit höheren Aktienquoten liebäugelnden PAM und Artus setzt auch der Vermögensverwalter Hansen & Heinrich auf dividendenstarke Werte, ebenso der Vermögensverwalter Georg Thilenius. Dieser nennt als Favoriten die BASF und Bayer, sowie den finnischen Aufzughersteller Kone und den österreichischen Turbinenbauer Andritz. Für Thilenius ist vorgezeichnet, dass „das viele von den Zentralbanken frisch gedruckte Geld“ in die Aktienmärkte fließen wird. „An dieser Inflation der Vermögenswerte sollten Anleger jetzt teilnehmen“, sagt Thilenius.

Für junge Anleger mit langem Zeithorizont bieten sich nach Ansicht von Thilenius konsumnahe Wachstumswerte in Lateinamerika und Asien an, etwa Brauereien wie Ambev in Brasilien, Abfüller von Coca-Cola wie Femsa in Mexiko oder Joghurt-Produzenten wie Dairy Farm. „Diese Unternehmen sind heute in ähnlicher Lage wie deutsche Unternehmen im Wiederaufbau in den fünfziger und sechziger Jahren“, sagt Thilienius. Andere Vermögensverwalter empfehlen dagegen vor allem älteren Anlegern, Währungs- und Aktienrisiken zu verringern, weil ihr Anlagehorizont kürzer ist. Einen großen Unterschied macht etwa Vermögensverwalter Alexander Seibold, der je nach Alter zu Aktienquoten von 65 und 25 Prozent rät und älteren Anlegern ausschließlich den Euroraum für Investments empfiehlt.

Meinungsfreudige Vermögensverwalter

Die wenigsten Vermögensverwalter raten dazu, Geld in Bundesanleihen zu stecken. Schließlich macht jeder, der sie bis zur Fälligkeit hält, damit derzeit nach Inflation und Steuern Verlust. Es gibt aber erstmals seit Jahren wieder mehr Vermögensverwalter, die in länger laufende Anleihen investieren, wenn sie von Unternehmen stammen, die einen höheren Zins bieten müssen als der Bund. Dahinter steht die Erwartung, dass die Zinsen noch lange tief bleiben werden. Andere Vermögensverwalter dagegen schrecken die Kursverluste, die mit einem Zinsanstieg im Euroraum einträten und investieren nur in kurz laufende Anleihen, deren Kursrisiko geringer ist.

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Insgesamt sind die Vermögensverwalter meinungsfreudiger als Vorjahren. Dass die Unsicherheit durch die Euro-Staatsschuldenkrise abgenommen hat, zeigen die liquiden Mittel. Rieten die Vermögensverwalter vor einem Jahr im Schnitt dazu, fast 20 Prozent des Vermögens in der Kasse zu halten, sind es derzeit kaum mehr als 10 Prozent. Dabei sind die Meinungen kontrovers, etwa zu den stark gestiegenen Anlagen Gold und Immobilien. „Gold wird erst wieder an Gewicht gewinnen bei aufkommender Inflation oder der Einführung von Euro-Bonds“, sagt etwa Kuhlmann von PAM. „Solange die Zentralbanken weiterhin die Märkte mit frischen Geld fluten, sollte der Goldpreis davon profitieren“, sagt dagegen Seibold.

Quelle: F.A.Z.

 
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