Die Hinweise verdichten sich, dass die Spekulation um eine mögliche Übernahme von Mobilcom durch France Télécom (FT) böse endet. Die französische Tageszeitung „Le Figaro“ berichtet am Mittwoch, der FT-Verwaltungsratsvorsitzende Michel Bon habe die Vertreter der Regierung offensichtlich davon überzeugt, eine Insolvenz des deutschen Mobilfunkbetreibers nicht aufzuhalten.
Die Aktie reagierte darauf mit einem neuerlichen Kurseinbruch. Bis 11.30 Uhr verliert das Papier 41,9 Prozent auf 2,58 Euro, nachdem es bereits mit 60,7 Prozent im Minus lag. Schon nach 20 Minuten war ein durchschnittlicher Tagesumsatz erreicht.
Widerstreitende Gerüchte
Für Verwirrung sorgt allerdings die Meldung, dass FT am Dienstag zwischen 20 und 30 Millionen Euro an Mobilcom überwiesen haben soll, was einzelne Börsianer als Beleg für ein Festhalten der Franzosen an ihrer Tochter werten. Es könnte sich dabei aber auch um einen ohnehin zugesagten Stützungsbetrag handeln.
Zwei simple Szenarien hatten diese Spekulation in den vergangenen Wochen bestimmt, und jedes hatte seine Fürsprecher: Das optimistische Szenario geht von einer Entscheidung des FT-Verwaltungsrates am morgigen Donnerstag zu Gunsten einer Einigung mit Mobilcom-Gründer Schmid über sein 49,9-prozentiges Aktienpaket und eines anschließenden Übernahmeangebots an die Restaktionäre aus. Beobachter hatten zuletzt argumentiert, die französische Regierung wolle diese Lösung aus politischer Rücksicht auf Deutschland durchsetzen. Der mögliche Rauswurf Bons war dafür als Beleg herangezogen worden.
Das pessimistische Szenario geht davon aus, dass FT Mobilcom trotz seines 28,5-prozentigen Anteils die weitere finanzielle Unterstützung versagt und eine Insolvenz der Büdelsdorfer herbeiführt, um sich mit geringerem Aufwand von dem Verlustbringer zu trennen. Dieses Szenario hält der Markt mittlerweile für deutlich wahrscheinlicher.
Schmid verbreitet weiter Zuversicht
Der zuletzt wieder erneut bekräftigten Zuversicht von Schmid, der eine Einigung mit den Franzosen noch in diesem Monat für möglich hält, können sich nur noch wenige Marktteilnehmer anschließen. „Der ist doch draußen aus dem Spiel“, meint ein Beobachter. Gerüchte, wonach Schmid unter den Verkäufern sein soll, wurden unterdessen in gut informierten Kreisen gegenüber vwd als „Unfug“ bezeichnet.
„Ich bin davon überzeugt, dass France Télécom Mobilcom nicht fallen lassen wird“, sagte Schmid gegenüber „Focus-Money“. „Wenn am Donnerstag in Paris die Weichen gestellt werden, gehe ich davon aus, dass wir uns vor Oktober einigen.“ Wenn. Wie antworteten die wortkargen Spartaner, als ihnen ein Feind drohte, ihre Stadt auszuradieren, wenn er sie erobert hätte? „Wenn.“