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Übernahme von Ersol Halt' dei Gosch ond gang zom Bosch

02.06.2008 ·  Der Stuttgarter Autozulieferer Robert Bosch kauft zu 50 Prozent den Erfurter Hersteller von Solarzellen. Den übrigen Aktionären muss dieser nun ein Übernahmeangebot unterbreiten. 63 Prozent über dem letzten Kurs liegt die Offerte. Das lässt nicht nur den Kurs von Ersol steigen.

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„Halt dei' Gosch ond schaff' beim Bosch“, lautet eine alte Stuttgarter Volksweisheit. „Halt' dei Gosch und gang zom Bosch“, könnte die Devise der Ersol-Eigentümer lauten. Denn der Stuttgarter Automobilzulieferer und Elektrokonzern Robert Bosch übernimmt nun den Thüringer Solarspezialisten Ersol in Erfurt.

Bosch habe schon einen Vertrag mit dem bisherigen Ersol-Eigner Ventizz, einem Kapitalbeteiligungsfonds, geschlossen, um 50,45 Prozent an dem Hersteller von Solarzellen zu übernehmen. Dies teilte Ersol am Morgen mit. 546,4 Millionen Euro legt Bosch für die Ersol-Mehrheit auf den Tisch. Das macht 101 Euro je Aktie und damit 63,3 Prozent mehr, als noch Freitag zum Handelsschluss für eine Aktie bezahlt wurde. Sogar 68,3 Prozent liegt der Preis über dem gewichteten durchschnittlichen Aktienkurs der vergangenen drei Monate vor Veröffentlichung der Transaktion.

Tag der Solarwerte

Damit wird dieser Börsentag zu einem Tag der Solarwerte werden. Und das liegt nicht daran, dass der Deutsche Wetterdienst für heute 28 Grad Höchsttemperatur und viel Sonne vorhersagt, wenn auch mit einigen Quellwolken.

Nun wird Bosch den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot für deren Anteile unterbreiten müssen, das in Höhe der 101 Euro liegen wird, die Bosch den beiden Fonds des Finanzinvestors Ventizz zahlt.

„Jetzt kommt wieder richtig Fantasie in den Sektor“, zitiert die Nachrichtenagentur dpa-AFX einen Aktienhändler, der nun auch für die übrigen Solarwerte wie beispielsweise Solarworld oder Q-Cells kräftige Kursgewinne erwartet. Die Übernahmeprämie erinnere an alte Zeiten aus dem Neuen Markt, sagte der Händler weiter. Der Schritt zeige, dass nun auch die großen Namen trotz der gesenkten Förderung in die Branche investieren, zitierte Reuters einen Börsianer. Nun dürfte in der Branche eine Konsolidierungswelle bevorstehen.

Kurse schießen in die Höhe

Vorbörslich schoss der Kurs denn auch beim Börsenmakler Lang & Schwarz auch gleich um 66 Prozent auf 102,50 Euro in die Höhe. Allerdings ist fraglich, ob die Anleger wirklich darauf wetten können, dass Bosch sein Übernahmeangebot über die 101 Euro hinaus aufstocken wird. „Wir erwarten nicht, dass das Gebot noch versüßt wird“, schrieb Analyst Robert Schramm von der Commerzbank in einem ersten Kommentar.

Der Ersol-Vorstandsvorsitzende Claus Beneking wird übrigens im Laufe der nächsten Monate aus dem Vorstand ausscheiden, wird aber über einen Beratervertrag dem Unternehmen für einige Jahre zur Verfügung stehen.

Zuletzt ließ die Rally in der Solarbranche spürbar nach. Zum einen belastet die gesenkte staatliche Förderung für Solarenergie. Zum anderen blieb gerade Ersol mit den jüngsten Zahlen unter den Erwartungen: Der Umsatz hatte sich im ersten Quartal zwar auf 52,4 Millionen Euro verdoppelt, und auch das operative Ergebnis war um 80 Prozent auf 7,7 Millionen Euro gestiegen. Doch die Analysten hatten mehr erwartet: Ihre Prognosen lauteten auf 57 Millionen Euro Umsatz und 9 Millionen Euro operativen Gewinn.

Umsatz soll sich verdoppeln

Der Vorstand bekräftigte dennoch Mitte Mai bei Vorlage der jüngsten Quartalszahlen seine Planungen für das Gesamtjahr: Der Umsatz soll von 160 Millionen Euro im Vorjahr auf 300 bis 320 Millionen Euro steigen und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 22 auf 70 bis 80 Millionen Euro.

Nun jedenfalls haben es die Ersol-Aktionäre in der Hand zu entscheiden, wie lange einer der wenigen ostdeutschen Titel auf dem deutschen Kurszettel stehen wird. Obwohl Bosch einen Umsatz von rund 46 Milliarden Euro erzielt, ist das Unternehmen nicht an der Börse notiert und firmiert noch nicht einmal als Aktiengesellschaft. 92 Prozent der Anteile liegen bei der Robert Bosch Stiftung, 8 Prozent sind noch in Händen der Familie Bosch.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: hlr.
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