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Überliquidität Unternehmen wissen nicht, wohin mit dem Geld

 ·  Immer mehr Unternehmen fühlen sich unter Zugzwang, ihre in der Krise angehäuften Barmittel den Aktionären zukommen zu lassen. Manche Unternehmen erhöhen die Dividende, andere kaufen eigene Aktien zurück.

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© dapd Vergrößern Die Software AG mag nicht nur Kunden, sondern auch die Aktionäre

Das Tec-Dax-Unternehmen Software AG geht einen Weg, der in Deutschland eher selten geworden ist. Das Unternehmen aus Darmstadt hat am Dienstag begonnen, eigene Aktien an der Börse aufzukaufen, um mit überschüssigem Geld den eigenen Kurs in die Höhe zu treiben. Üblicher sind dagegen Dividendenerhöhungen, wie sie etwa die Münchener Rück in der vergangenen Woche angekündigt hat.

Die 30 Dax-Unternehmen werden in diesem Frühjahr voraussichtlich auf Stamm- und Vorzugsaktien mehr Dividende zahlen als im Rekordjahr 2007, als 28,1 Milliarden Euro den Aktionären zuflossen. Im vergangenen Jahr schütteten die 30 Dax-Unternehmen insgesamt 27,5 Milliarden Euro an Dividenden aus. Viele Unternehmen haben ihre Dividende an den Nettogewinn gekoppelt. Auch die Software AG hat sich vorgenommen, 20 bis 25 Prozent des Nettogewinns als Dividende auszuschütten.

Seit 2004 sei die Dividende kontinuierlich gestiegen, auf zuletzt 46 Cent, erläutert ein Sprecher. Damit schüttete die Software AG im Jahr 2012 insgesamt 39,9 Millionen Euro aus. Ob das Unternehmen in diesem Frühjahr seine Dividende abermals erhöht, ist noch nicht entschieden und durchaus zweifelhaft. Schließlich ging von 2011 auf 2012 der Nettogewinn von 177,2 Millionen auf 164,7 Millionen Euro zurück.

„Wir halten unsere Aktie für unterbewertet“

Allerdings weist die Software AG 316 Millionen Euro Liquidität auf. Da Akquisitionen nicht unmittelbar in Aussicht stünden und Anlagen in Anleihen wenig Zinsen einbrächten, habe man 180 Millionen Euro für den Kauf eigener Aktien bereitgestellt, sagt der Unternehmenssprecher. „Wir halten unsere Aktie für unterbewertet und betrachten sie als lukrative Investition.“ Außerdem ließen sich die eigenen Aktien möglicherweise für künftige Unternehmenskäufe einsetzen.

Allerdings stützt die Software AG auch ihren Kurs, der seit Jahresanfang um rund 8 Prozent gefallen ist. Während gerade angelsächsische Investoren derartige Kurspflege schätzen, sind deutsche Kapitalfachleute eher kritisch. Markus Wallner, Aktienstratege der Commerzbank, sagt losgelöst vom Einzelfall Software AG: „Ich finde Aktienrückkäufe nicht positiv. Sie zeigen, dass ein Vorstand kaum Ideen hat, wo er zur Weiterentwicklung des Unternehmens investieren kann.“ Auf die Software AG treffe dies nicht zu, bekräftigt der Unternehmenssprecher.

„Im Jahr 2012 haben wir massiv in den Ausbau von Vertrieb und Marketing sowie in Forschung und Entwicklung investiert.“ Dort seien die Investitionen von 230,2 auf 246,9 und von 88,0 auf 101,1 Millionen Euro gestiegen. Angelsächsischen Investoren gefällt, dass nach den Bilanzregeln IFRS eigene Aktien nicht in die wichtigen Unternehmensbewertungskennziffern Eigenkapitalrendite und Gewinn je Aktie einbezogen werden. Bei gleichem Unternehmensgewinn steigt also nach einem Aktienrückkauf der Gewinn je Aktie - sie erscheint damit werthaltiger.

Allerdings gab es gerade vor der Finanzkrise einige Fälle, in denen sich Unternehmen wie Daimler und Deutsche Bank zunächst an der Börse eigene Aktien kauften und dann - nach hohen Verlusten - später zu deutlich niedrigeren Kursen das Eigenkapital wieder erhöhen mussten. Seither hat sich in vielen Unternehmen die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein „Sicherheitspolster“ wichtiger ist als kurzfristige Renditemaximierung. So wollte zum Beispiel die Münchener Rück ursprünglich zwischen Frühjahr 2011 und Frühjahr 2012 für 500 Millionen Euro eigene Aktien zurückkaufen. Nach „erheblichen Belastungen“ im ersten Quartal 2011 stoppte sie dieses Vorhaben.

Auch das Chemieunternehmen BASF hat von der Erlaubnis der Aktionäre, eigene Aktien zu kaufen, noch keinen Gebrauch gemacht. „Wir haben kein laufendes Aktienrückkaufprogramm“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Münchener Rück und BASF geben höheren Dividenden offenbar derzeit den Vorzug. Der französische Konzern L’Oréal dagegen kündigte am Dienstag sowohl eine höhere Dividende als auch ein Aktienrückkaufprogramm an. Dabei halten allein die 26 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen (ohne Banken und Versicherer) im Dax nach Daten der Commerzbank 6 Milliarden Euro in der Kasse und in schnell veräußerbaren Wertpapieren. Damit mache Liquidität 72 Prozent am Gesamtvermögen aus, stellt Aktienstratege Markus Wallner fest.

Dies ist zwar deutlich weniger als in den Krisenjahren 2008 und 2009, als die Bankenkredite knapp wurden, Unternehmen ihr Geld beisammenhielten und die Liquiditätsquote der 26 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen im Dax auf mehr als 85 Prozent kletterte. Doch auch wenn die Liquiditätsquote nun inzwischen wieder auf 72 Prozent gefallen ist, so liegt sie doch noch immer deutlich höher als etwa im Vorkrisenjahr 2006, als 55 Prozent der Vermögenswerte in den Bilanzen liquide oder fast liquide waren.

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