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Veröffentlicht: 12.02.2016, 12:56 Uhr

Turbulenter Aktienmarkt Was Anleger jetzt tun sollten

Der Dax hat seit Beginn des Jahres 18 Prozent an Wert eingebüßt. Privatanleger fragen sich, wie sie auf den Abwärtstrend an den Märkten reagieren sollen. Experten raten: Verlustgrenzen festlegen und dann weiter kaufen.

von Hanno Mussler
© dpa Viele Anleger verkaufen gerade dann, wenn die Kurse nahe dem Tiefpunkt sind.

Viele Anleihen werfen keine Zinsen mehr ab. Aktien gelten für die langfristige Geldanlage als beste Wahl, weil man mit ihnen Anteile am (hoffentlich) wachsenden Gewinn eines Unternehmens erwirbt. Aber die Wertverluste der größten 30 deutschen Aktiengesellschaften im Dax von 3 Prozent am Donnerstag, 18 Prozent in diesem Jahr und 28 Prozent seit dem Höchststand im April lassen viele Leute zweifeln. Was kann, was sollte man an seiner Anlagestrategie ändern?

Wer eine Rendite auf sein Geld erzielen will, muss in der Niedrigzinsphase Risiken eingehen. Wer dazu nicht bereit ist, muss sein Geld auf dem Bankkonto nahezu unverzinst liegen lassen. Nicht nur Aktien, auch Gold, Immobilien und andere Anlagen schwanken (tendenziell immer stärker) im Wert und können Verluste verursachen. Ihre Verluste begrenzen allerdings professionelle Großanleger wie Versicherer, Stiftungen und Staatsfonds, indem sie sich Risikobudgets setzen. Das heißt: Sobald die Verluste mit einem Wertpapier eine bestimmte Höhe annehmen, wird verkauft. So hat dem Vernehmen nach auch der größte Investor der Welt, der norwegische Staatsfonds, im Januar Aktien verkaufen müssen. Das ist ein Grund, warum der Dax am Donnerstag erstmals seit Oktober 2014 zeitweise bis auf 8700 Punkte fiel.

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Auch Privatanleger sollten sich fragen, wie viel Wertverlust sie maximal bereit sind hinzunehmen. In Online-Wertpapierdepots kann jeder „Stopp-Loss-Kurse“ festlegen, bei deren Unterschreiten die Aktien, Anleihen, Fonds oder auch das Gold im Depot automatisch verkauft werden. Idealerweise legt man diese Verlustgrenzen im Moment des Kaufes schon fest; aber ein Stopp gegen möglicherweise noch kommende Verluste lässt sich jederzeit einziehen. Die Stopp-Loss-Aufträge sind allerdings nicht ewig gültig. Bei der Direktbank Comdirect können sie zum Beispiel für maximal ein Jahr erteilt werden. Die Verlustgrenzen müssen also regelmäßig überprüft werden.

Antizyklische Investieren erfordert Mut und Erfahrung

Neben dem Risikomanagement ist ein planvolles Vorgehen am Kapitalmarkt zu empfehlen. Viele Anleger machen den Fehler, dass sie - im Rückblick betrachtet - gerade dann verkaufen, wenn die Kurse nahe dem Tiefpunkt sind. Wenn die Welt schwarz gemalt wird, reißt (zu) vielen der Geduldsfaden. Dabei ist gerade dann Disziplin und Durchhaltevermögen gefragt. Anstatt entnervt zu verkaufen oder umgekehrt auf den „richtigen“ Einstiegszeitpunkt (den man sowieso nicht erwischt) zu warten, sollten beständig Wertpapiere gekauft werden. So hat der Vermögensverwalter Sand & Schott ermittelt, wie Anleger am amerikanischen und deutschen Aktienmarkt mit verschiedenen Einstiegsstrategien abgeschnitten haben. Dabei erwies sich zwischen 1977 und Mitte 2015 mit einer jährlichen Rendite von 8,5 Prozent und 7,8 Prozent die Strategie überlegen, in der jedes Jahr in zehn verschiedenen Monaten jeweils 10 Prozent einer geplanten Anlagesumme in Aktien investiert wurde.

Dieses Konzept können Anleger recht einfach umsetzen, indem sie Wertpapiersparpläne bei Banken abschließen. Dann wird jeden Monat automatisch Geld vom Konto in Wertpapiere gesteckt. Der Anleger kauft über die Jahre zu Durchschnittspreisen und glättet so die hohen Kursschwankungen. Besonders beliebt sind derzeit Mischfonds, die in verschiedene Aktien und Anleihen investieren und somit das Vermögen breit streuen. Auch Fonds, die in viele Aktien mit hoher Gewinnausschüttung (Dividenden) investieren, gelten als sinnvolle langfristige Anlage, ebenso Immobilienfonds. Allein auf das Eigenheim oder einzelne Aktien zu setzen ist dagegen riskanter.

Neben dem kontinuierlichen Wertpapiersparen über mindestens zehn Jahre kann man am Kapitalmarkt auch taktisch günstige Gelegenheiten nutzen. Wenn wegen gerissener Stopp-Loss-Marken andere Anleger verkaufen und die Kurse in eine Abwärtsspirale geraten, kaufen hartgesottene Anleger die tief gefallenen Wertpapiere auf, etwa über kostengünstige Aktienindexfonds (ETFs). Aber dieses antizyklische Investieren erfordert besonders viel Mut und Erfahrung. Weil aber viele sich eher nicht ständig mit ihrer Geldanlage befassen wollen, erteilen immer mehr Menschen einem Vermögensverwalter ein Mandat. Dann nehmen Spezialisten die Verteilung des Vermögens auf verschiedene Anlagen vor - gegen eine Gebühr, die oft in der Nähe von 1 Prozent des Depotwertes liegt.

Ob die Profis mit dem Geld ihrer Kunden gut wirtschaften, weiß man allerdings vorher nicht. Der Bethmann Bank, hinter Deutscher Bank und Commerzbank mit 36 Milliarden Euro größter Vermögensverwalter hierzulande, haben Kunden 6,5 Milliarden Euro in Aktien-, Renten- und Mischmandaten anvertraut. Das dürften sie zumindest 2015 nicht bereut haben. Das Aktienmandat (bis zu 70 Prozent Aktien) erzielte in 2015 mit 8,5 Prozent praktisch so viel wie der Dax mit 8,8 Prozent. Dass Bethmann dafür geringere Risiken eingeht, zeigte sich im Januar 2016, als das Aktienmandat 3,6 Prozent verlor, der Dax aber mit Minus 8,8 Prozent den schlechtesten Start in ein Jahr seit 2008 hinlegte.

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