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Transparenz Banktitel trotz der Zweifel an Stresstests gefragt

08.07.2010 ·  91 europäischen Banken werden auf ihre Krisenanfälligkeit geprüft. Am 23. Juli soll veröffentlicht werden, ob sie den Test bestanden haben. Analysten spekulieren, dass auch deutsche Banken durchfallen könnten. Die Aktienkurse legen dennoch zu.

Von Hanno Mußler
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Bankaktien waren am Mittwoch die größten Gewinner an den europäischen Börsen. Der Dax kletterte den dritten Tag hintereinander und überwand mit einem Zuwachs von knapp 1 Prozent auf 6050 Punkte die Hürde von 6000 Punkten, unter die der wichtigste deutsche Aktienindex Ende Juni gefallen war. Im Dax war am Mittwoch die Aktie der Deutschen Bank bester Wert mit einem Plus von fast 4 Prozent, der Commerzbank-Kurs stieg durchschnittlich. Im europäischen Leitindex Euro Stoxx, der um 1,4 Prozent stieg, legten die Aktienkurse der holländischen Bank ING und der französischen Bank BNP Paribas ähnlich stark zu wie die Deutsche Bank. Gemeinsam bildeten die drei Bankaktien das Spitzentrio im Euro Stoxx 50.

Europäische Bankaktien sind seit Jahresanfang um 8 Prozent gefallen und damit stärker als der gesamte Aktienmarkt. Unter der seit Mai herrschenden Furcht, dass hochverschuldete EU-Länder wie Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und Italien („PIIGS“) zahlungsunfähig und ihre Staatsanleihen nicht vollständig zurückzahlen könnten, haben die Bankaktien gelitten. Dies liegt daran, dass Banken aus Südeuropa von anderen Banken kaum noch Geld bekommen. Weitere Banken sind in Staatsanleihen aus Südeuropa investiert und müssten bei einer Umschuldung zulasten ihres ohnehin oft nicht üppigen Eigenkapitals Abschreibungen vornehmen. In Deutschland hat die teilverstaatlichte Commerzbank mit 26 Milliarden Euro von den börsennotierten Banken das meiste Geld in PIIGS-Anleihen im Feuer. Französische Banken haben in Staatsanleihen Spaniens 140 Milliarden Euro, in Griechenlands 54 Milliarden und in Portugals 26 Milliarden investiert. Sie sind anders als die deutschen und die spanischen Banken fast alle börsennotiert. Ihre Kurse hatten in diesem Jahr besonders gelitten, haben aber seit einem Monat auch kräftig aufgeholt.

Ob die Ergebnisse für genügend Transparenz sorgen?

Am Mittwoch nun reagierten die Anleger offensichtlich erleichtert auf die Nachricht, dass die 91 europäischen Banken, die auf ihre Krisenanfälligkeit geprüft werden, anschließend zumindest mitteilen müssen, ob sie den Stresstest bestanden haben. Darauf hatte Spanien seit Wochen gedrängt, dessen börsennotierte Großbanken Santander und BBVA gut dastehen, während die nicht börsennotierten Sparkassen ähnlich wie die deutschen Landesbanken als Sorgenkinder gelten.

Bankanalysten zweifeln, dass eine Veröffentlichung der Testergebnisse am 23. Juli für genügend Transparenz sorgen wird, um das Misstrauen unter den Banken selbst zu vertreiben. „Die Stresstests werden voraussichtlich wenig Neues zur Kreditwürdigkeit von Banken liefern“, heißt es von Credit Suisse. „Es geht wohl eher darum, zu sehen, ob Staaten fähig und willens sind, Kapital in Banken zu stecken, die den Test nicht bestehen.“

Nach Angaben von Matt Spick, Bankenanalyst der Deutschen Bank, haben die europäischen Banken in den vergangenen drei Jahren 253 Milliarden Euro Eigenkapital bekommen, davon das meiste vom Staat. „Es besteht das Risiko, dass die Tests zeigen, dass einige deutsche Banken, spanische Sparkassen und griechische Banken weiterhin zu wenig Kapital haben. Wir gehen aber davon aus, dass es sich um eine Summe von weniger als 100 Milliarden Euro handelt.“ Vermutet wurde, Spick habe neben Landesbanken die Commerzbank im Blick. Ein Analyst der Credit Suisse soll vermutet haben, die Postbank könnte den Test nicht bestehen.

Entscheidend sind die Annahmen, mit denen die Risikotragfähigkeit der Banken getestet wird. Zunächst wird angenommen, dass die europäische Wirtschaft nicht wie von der EU-Kommission erwartet um rund 1 Prozent in diesem Jahr wächst, sondern um 2 Prozent schrumpft. Für Deutschland wird dabei ein Rückgang um 1,8 Prozent angenommen. In einem zweiten Schritt wird zusätzlich ein Kursverfall von Staatsanleihen angenommen. Allerdings sind die ursprünglich geplanten Stressbedingungen deutlich abgemildert worden. Es werde simuliert, dass die Risikoprämien für Euro-Staatsanleihen auf das Niveau vom Mai und etwas darüber steigen.

Gerhard Hofmann, ein früherer Bankaufseher in der Deutschen Bundesbank warnt davor, Stresstests wichtig zu nehmen. „Stresstests macht die Bankenaufsicht seit langem, nur bisher wurden sie nicht veröffentlicht. Ich kann mich nicht erinnern, dass schon einmal etwas gestresst wurde, was in der Zukunft wirklich Stress gemacht hätte“, sagt Hofmann. Vor einem Jahr wäre niemand auf die Idee gekommen, einen Verfall von Staatsanleihen anzunehmen, wie er im Mai passiert sei. Und vor drei Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, Subprime-Risiken zu testen. Es sei immer etwas Neues, das den Banken Stress mache.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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