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Touristik Tui-Aktie ist derzeit kein Kauf

 ·  Bei einem geschätzten KGV von unter 8 wirkt die Tui-Aktie günstig, aber die Risiken durch den Irak-Konflikt und die charttechnische Situation mahnen deutlich zur Vorsicht.

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Europas größter Touristikkonzern Tui hat auf Grund der Reisekrise im vorigen Jahr deutliche Einbußen bei Umsatz und Ergebnis erlitten. Nach vorläufiger Berechnung sei der Umsatz um gut zehn Prozent auf etwa 20 Milliarden Euro zurückgegangen. Das operative Ergebnis des Konzerns bleibe mit rund 600 Millionen Euro fast 25 Prozent unter dem Vorjahreswert von 811 Millionen Euro, teilte Tui am Mittwoch vor einer Sitzung des Aufsichtsrates mit.

Damit liegt das Ergebnis deutlich unter den Erwartungen etlicher Analysten, die zwischen 677 Millionen und 801 Millionen Euro erwartet hatten. Die Dividende soll auf Vorschlag des Vorstandes dennoch stabil bei 0,77 Euro bleiben. Für 2003 verzichtete Tui wegen Unsicherheiten bei der Konjunktur und der Irak-Krise auf eine Prognose. Die Börse reagierte entsprechend negativ. Tui-Aktie startet als Schlusslicht im Dax und lag um 9.40 Uhr mit Minus 1,81 Prozent bei 14,66 Euro. Am Vortag hatte der Kurs bei 14,93 Euro geschlossen.

Folgen der Irak-Krise nicht abzuschätzen

„Es ist angesichts der Irak-Krise zu verstehen, dass Tui keine genauen Ergebnisprognose für 2003 geben kann", sagte Viktor Hund, Analyst bei der BW-Bank. „Die Folgen des Konflikts sind einfach nicht abzuschätzen.“ Neben den fehlenden Prognosen sei das enttäuschende Betriebsergebnis ein Belastungsfaktor, hieß es weiter. Da die Dividende jedoch stabil bleibe und der Umsatzrückgang im Rahmen der Erwartung gelegen habe, rechneten die Marktteilnehmer nicht mit einem Absturz der Aktie.

Charttechnisch kritisch, fundamental günstig aber risikobehaftet

Charttechnisch allerdings ist die Lage mehr als bedenklich. Die Tui-Aktie testet derzeit die Unterstützung, die aus dem Jahr 1992 datiert und seither schon mehreren Anläufen standgehalten hat - Ausnahme war der Oktober 2002, als der Kurs kurzfristig bei 13,85 lag. Sollte die Unterstützung nicht halten, muss zumindest mit einem Absturz auf den Wert vom vergangenen Oktober gerechnet werden. Einziger Strohhalm, an den sich Tui dann noch klammern könnte, wäre der Umstand, dass die Aktie sich bereits sehr weit nach unten von der 200-Tage-Linie entfernt hat und daher möglicherweise mit Gegenbewegungen zu rechnen ist, die weiter unterstützend wirken könnten.

Fundamental sieht es allerdings etwas besser aus. Mit Blick auf die mittelfristigen Kursaussichten sagte Per-Ola Helgren, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz: „Die Anleger werden sich wegen des möglicherweise bevorstehenden Irak-Kriegs sehr spekulativ verhalten. Kommt ein langer Krieg, wird die Aktie stark verlieren, geht der Krieg schnell vorbei, kann sich die Aktie wegen fundamentaler Unterbewertung schnell erholen.“ Auf Basis des erwarteten Gewinns je Aktie von 1,89 Euro für das Jahr 2003 ergäbe sich ein KGV von 7,9, was die Aktie alles andere als teuer erscheinen lässt.

Reisebranche durchlebt erste wirkliche Krise

Doch sollten sich Anleger davon nicht zu schnell zu einem Einstieg verleiten lassen. Denn es ist anzunehmen, dass der Kurs selbst bei einem schnellen Krieg nicht wie Phönix aus der Asche aufsteigen wird. Denn der Konflikt mit dem Irak wird die Terrorgefahr gerade auch in den Tourismusländern steigern. Es kommt hinzu, dass die schleppende Konjunkturentwicklung in Deutschland ihre Auswirkungen auch auf die Reisebranche hat. Sie müsse sich auch in diesem Jahr auf sinkende Umsätze einstellen, sagte Branchenanalyst Hans-Peter Muntzke von der Dresdner Bank. Die Branche durchlebe die erste echte Krise ihrer Geschichte.

Die Ausgaben der Deutschen für Auslandsreisen seien 2002 um rund 2,5 Prozent auf 50,5 Milliarden Euro zurückgegangen, erklärte Dresdner-Bank-Volkswirtin Renate Finke. „Unter dem Strich ist allenfalls mit einer Stagnation zu rechnen", sagte die Volkswirtin. Ein Krieg im Nahen Osten würde alle Pläne über den Haufen werfen.

Nimmt man all dies zusammen, dann ergibt sich, dass trotz der günstig scheinenden Bewertung die Tui-Aktie nicht zum Kauf zu empfehlen ist, ohne auf die prekäre charttechnische Situation hinzuweisen und die Risiken zu betonen, die sich für die weitere Entwicklung des Reisegeschäfts aus einem möglichen Krieg mit dem Irak ergeben könnten. Wenn schon das Unternehmen mit gutem Grund keine Prognose für das laufenden Jahr geben will, sollten auch Anleger vorsichtig sein.

Der Chart zeigt den Verlauf der Tui-Aktie in den vergangenen fünf Jahren.

Text: Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @wiz
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