11.03.2009 · Die Tourismusmesse ITB ist in einer schweren Zeit gestartet: Trüb sind die Aussichten, die Krise macht sich bemerkbar, die Reisebuchungen gehen zurück. Tourismus-Aktien spiegeln das aber nicht eins zu eins wider. Einige Konzernchefs und Anleger sind vergleichsweise optimistisch.
Die weltweite Rezession zeigt sich in vielen Branchen. Auch die Reisemesse ITB bleibt nicht verschont. Zwar werden ebenso viel Aussteller erwartet wie im Vorjahr. Dennoch ist der Sparzwang in der Touristik groß. Die Branchenführer Tui und Thomas Cook verzichten aus Kostengründen auf einen eigenen Messestand, ebenso wie die Lufthansa.
Das Geschäft mit Pauschalreisen ist mit Renditen von häufig nur ein bis drei Prozent ohnehin nur wenig ertragreich, nun könnte es noch schlimmer werden. Tui will in Deutschland angesichts von Buchungsrückgängen Kurzarbeit einführen. Kostensenkungen seien wegen der sinkenden Nachfrage notwendig.
Eingeschränkte Reisebudgets
Die Buchungen für die wichtige Sommersaison sind um elf Prozent eingebrochen, und obwohl Tui die Kapazitäten für den Sommer bereits um 14 Prozent reduziert hatte, sind weiter Sparmaßnahmen notwendig. Deutschlandweit gingen für den kommenden Sommerurlaub von September 2008 bis Ende Januar 2009 gut 5 Prozent weniger Buchungen ein als im Vorjahreszeitraum, teilte das Marktforschungsunternehmen GfK mit. Allein im Januar habe die Zahl der Buchungen um 9 Prozent abgenommen.
Vor allem Familien haben ihre Reisebudgets eingeschränkt und offenbar auch weniger Verdienende. Marktforscher gehen auch davon aus, dass vermehrt auf den Zweiturlaub, etwa über Pfingsten, verzichtet wird.
Abschwung oder Normalität?
Insofern leidet Tui nicht alleine. Manny Fontenla-Novoa, Chef des zu Arcandor gehörenden Konzerns Thomas Cook geht gar von einem längeren Abschwung aus und rechnet mit Besserung erst wieder im Geschäftsjahr 2010/11.
Peter Rothwell, Vorstandsvorsitzender der Schweizer Kuoni Reisen Holding rechnete zuletzt mit Gewinnrückgängen. AG dürfte 2009 nicht mehr so viel Gewinn erzielen wie im vergangenen Jahr, im schlimmsten Fall um 20 Prozent. Das werde wohl zwar nicht eintreten, doch sei das Buchungsverhalten zurückhaltender gewesen. Dennoch gab sich Rothwell noch vergleichsweise optimistisch. Insgesamt wollten die Menschen weiter reisen. Stellen wird Kuoni dennoch abbauen.
Übernahmegerüchte halten Thomas-Cook-Aktie oben
Dennoch halten sich die Tourismus-Aktien verhältnismäßig gut. Für die in London notierte Tui Travel ging es in jüngster Zeit sogar gegen den Markt aufwärts, nachdem die Touristiktochter der Tui AG sich Anfang Februar mit Blick auf ihre eigenen Ziele für das laufende Geschäftsjahr abermals optimistisch äußerte.
Da man das Angebot an Betten, Flugsitzen und Reisen entsprechend der Nachfrage anpassen könne, sei man hinreichend flexibel. Konkrete Prognosen bleib das Unternehmen dagegen bislang schuldig, verweis aber auf „gute“ Buchungszahlen und einen Anstieg der durchschnittlichen Verkaufspreise. Wen die Tui-Aktie dagegen zurückbleibt, so sind es eher die Sorgen um die darbende Transportsparte Hapag-Lloyd.
Auch Thomas Cook schnitten zuletzt besser ab, wobei dies aber vor allem an der schwachen Verfassung der Konzernmutter Arcandor liegt. das schürt immer wieder aufs Neue Spekulationen, dass der Kölner Rewe- Konzern, der sich erst Anfang März wieder interessiert zeigte, Thomas Cook übernehmen könne.
Eingeschränkt günstig
Angesichts der eher schwachen Verfassung der Reisebranche scheinen die Aktien der Veranstalter nur eingeschränkt günstig zu sein. Besonders Tui Travel scheint mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Analystenprognosen von knapp 10 für das laufende Geschäftsjahr fair bewertet, während sich Kuoni und Thomas Cook mit KGVs zwischen 7 und 8 günstiger darstellen.
Das KGV soll sich im kommenden Geschäftsjahr verbessern. Doch das hängt zum Gutteil davon ab, ob die eher optimistische Sichtweise von Tui Travel und Kuoni zutrifft oder sich die Befürchtungen von Thomas Cook bewahrheiten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |