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„The Great Rotation“ Fondsmanager schichten in Aktien um

 ·  Dreißig Jahre hat der Boom an den Anleihemärkten gehalten. Nun rechnen die großen Fondsmanager mit der Wende - und geben den Startschuss für die Umschichtung in die Aktienmärkte.

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© Getty Images Vergrößern Die Euro-Krise wird wohl nicht weiter eskalieren

An den internationalen Finanzmärkten ist die „Great Rotation“, wie die Fondsmanager die Umschichtung von den Anleihemärkten in die Aktienmärkte nennen, eingeläutet worden. Dreißig Jahre hat der Boom an den Anleihemärkten gehalten.

Nach der Anti-Inflationspolitik in den achtziger Jahren beschleunigte sich die Entwicklung zu immer niedrigeren Renditen an den Anleihemärkten mit dem Mantra „Die Inflation ist tot“. Die expansive Geldpolitik der Zentralbanken in der Finanzkrise hat in den vergangenen fünf Jahren dann zu den niedrigsten Renditen an den globalen Anleihemärkten seit dem Zweiten Weltkrieg geführt. Nun rechnen die Fondsmanager mit der Wende.

„Man muss nicht viel Mathematik können, um zu erkennen, dass man die Gewinne, die man bisher an den Anleihemärkten erzielen konnte, nicht annähernd mehr erreichen wird“, sagen die Anlagestrategen von Barclays. „Die Hälfte der Investoren plant, Staatsanleihen zu verkaufen, um in Aktien umzuschichten“, stellt Michael Hartnett, Chef-Anlagestratege bei der Bank of Amerika Merrill Lynch, nach der monatlichen Umfrage unter 250 internationalen Fondsmanagern fest.

Investitionsfreude auf höchstem Stand

Die Investitionsfreude der Anleger ist auf den höchsten Stand seit neun Jahren gestiegen, nachdem das Risiko eines Auseinanderbrechens der Währungsunion verflogen ist und sich unter den Investoren selbst die Sorge um Italien gelegt hat. Die Fondsmanager greifen auf Werte zu, die sie bisher verschmäht haben: Bankaktien, europäische Aktien, Versicherungswerte, auch wieder Aktien der Schwellenländer, vor allem China, aber auch japanische Aktien.

Das Abflauen der systemischen Risiken an den Märkten lässt die starke Korrelation der Vermögensklassen, die während der Finanzkrise die Märkte beherrscht hat, aufbrechen. Die Anlagestrategen achten wieder mehr auf die unterschiedlichen Wachstumsaussichten, gehen von einem stärkeren Dollar-Wechselkurs aus, beobachten die wieder stärkere Konjunktur in China, sorgen sich aber auch nicht mehr so stark über den fiskalpolitischen Hürdenlauf der amerikanischen Regierung.

„Die Positionierung stimmt mit der Einschätzung der Investoren überein. Sie rechnen mit mehr Wachstum und mehr Inflation - es entspricht unserem Thema der ‚Great Rotation‘“, sagt Hartnett. „Im Jahr 2013 wird voraussichtlich langsam die Phase nach der Krise beginnen“, erwartet David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Renditen können langsam ansteigen

„Die Zentralbanker stehen bereit, um negative Risiken abzufedern, und wie die jüngsten Erfahrungen gezeigt haben, werden die Politiker trotz aller Schwierigkeiten letztlich eine systemische Krise verhindern.“ Die globale Wachstumsschwäche sei an ihrem Tiefpunkt angelangt, so dass die Renditen in diesem Jahr wieder langsam und geordnet ansteigen könnten.

Aktien hält Folkerts-Landau trotz der jüngsten Rally immer noch für günstig bewertet. Die Deutsche Bank ist zuversichtlich: Die Euro-Krise werde nicht eskalieren, Spanien, möglicherweise Italien, könnten um Hilfe bitten, Amerika werde einen fiskalpolitischen Kompromiss erzielen, Italien wohl eine reformwillige Koalitionsregierung wählen und Bundeskanzlerin Angela Merkel die nächste Koalition anführen.

Barclays setzt auf britische, spanische und brasilianische Aktien; HSBC auf chinesische Werte; der Fondsmanager Blackrock auf globalisierte Unternehmen mit starker Bilanz, stetigem Umsatz und wachsenden Dividenden. Blackrock favorisiert amerikanische Aktien, globale Energie-Werte und die Aktien der Schwellenländer, vor allem Konsumwerte in Brasilien und China, aber auch nordasiatische zyklische Werte und mexikanische Banken- und Industriewerte.

In Europa bevorzugt Blackrock die verschmähten Exportwerte der Peripherie. „Am meisten verlieren werden die Anleihemärkte der sogenannten sicheren Häfen, also der amerikanische, britische und deutsche Anleihemarkt,“ heißt es bei dem amerikanischen Fondsmanager.

Auch Morgan Stanley schichtet in Aktien um, ist aber noch vorsichtig. Die Fondsmanager der Bank halten amerikanische Aktien für mittlerweile zu teuer, favorisieren europäische und asiatische, aber nicht japanische Aktien, kaufen italienische und spanische Staatsanleihen und eher europäische als amerikanische Unternehmensanleihen. Goldman Sachs setzt auf spanische Staatsanleihen, vor allem aber auch auf zyklische Aktien, vor allem amerikanische Bankaktien, um von der Erholung am amerikanischen Immobilienmarkt zu profitieren.

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