16.03.2010 · In der Fernseh-Show „The biggest Loser“ wetteifern übergewichtige Kandidaten darum, mit der größten Gewichtabnahme den Siegeslorbeer zu erringen. Die größten Gewichtverlierer des vergangenen Jahres unter den Aktien haben wohl eher keinen Preis verdient.
In der Fernseh-Show „The biggest Loser“ strampeln sich übergewichtige Kandidaten ab, möglichst viele überflüssige Pfunde loszuwerden. „The biggest Loser“, der größte Verlierer an Gewicht ist am Ende der Sieger, der den Preis gewinnt.
An Gewicht verloren haben auch einige Aktien im vergangenen Jahr, allerdings gibt es dafür keinen Preis. Angesichts der massiven Erholungsrally, die rund zwei Dritteln aller Aktien Kursgewinne beschert hat, haben sie diesen mit Sicherheit auch nicht verdient.
An der Spitze Arcandor
An der Spitze der Verliererliste steht mit einem Kursverlust von 94,5 Prozent wenig überraschend der Name Arcandor. Der Mutterkonzern von Karstadt und Quelle hatte im Juni Insolvenz beantragen müssen. Schon vorher hatte sich diese immer mehr abgezeichnet und so war der Kurs schon vor dem Konkursantrag trotz einer Zwischenerholung in der ersten Jahreshälfte um 40 Prozent gefallen. Ihr Tief markiert die Aktie im Oktober bei einem Kurs von 15,3 Cent. Derzeit notiert sie darunter.
Nicht insolvent ist der zweitgrößter Verlierer, die Flora Eco-Power AG, die sich mittlerweile in Acazis umbenannt hat. Einen Euro kostete die Aktie zum Jahresende, nachdem sie im Januar in der Spitze noch für 18,40 Euro zu haben war. Das Unternehmen gewinnt nach eigenem Bekunden umweltschonendes biologisches Öl aus der Castorpflanze (Wolfsmilch) und Jatropha-Bäumen auf langfristig gepachteten Nutzflächen in Afrika.
Eingesetzt werden könne das Öl unter anderem in der Kosmetik- und Pharmaindustrie sowie als Rohstoff zur Bio-Dieselproduktion. Zudem entstünden als Kuppelprodukt biologischer Dünger und Biomasse als vermarktbarer Pflanzenreststoff.
Bittere Wahrheiten bei Flora Eco-Power/Acazis
Die jüngste vorgelegte Erfolgsrechung datiert aus dem Jahr 2008 und wies als Einnahmen lediglich 27132,33 Euro als sonstige betriebliche Erträge auf der Einnahmenseite aus, rund 90 Prozent weniger als 2007. Daraus resultierte ein Fehlbetrag von knapp 5 Millionen Euro, mithin mehr als dreimal soviel wie 2007.
Doch 2009 kam es noch dicker, wie aus dem Redemanuskript des Vorstandsvorsitzenden Patrick E. Bigger anlässlich der Hauptversammlung im vergangenen Dezember hervorgeht. Bigger kam im Juni ins Amt, nachdem seine beiden Vorgänger vom Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung ihres Amtes enthoben worden waren. Diese hatten zum einen die von der Hauptversammlung 2008 beschlossene Sonderprüfung nicht eingeleitet.
Zum anderen stellte sich heraus, dass entgegen der Versicherungen die Frühjahrsernte 2009 von prognostizierten 11.000 Tonnen Bioöl nicht im Plan lag, sondern tatsächlich fast keine Ernte eingefahren wurde. Ein Controlling fehlte, das Management in Äthiopien war ebenso ungeeignet wie die Anbaugebiete. Zudem steht die Ölmühle des Unternehmens am völlig falschen Platz. Das Projekt Madagaskar wurde schon im ersten Quartal 2009 aufgrund fehlender Liquidität eingestellt.
Zum 30. September 2009 habe der Verlust immerhin nur noch knapp 500.000 Euro betragen. Nur dank weiterer Darlehen der Hauptaktionäre und von Bigger sowie die Begebung zweier Wandelanleihen hielt sich das Unternehmen bislang über Wasser. Die Aktien werden nun im Verhältnis 20 zu 1 zusammengelegt.
VW Stämme und Solar-Aktien
Doch auch bekanntere Namen stehen auf der Flop-Liste des Jahres 2009. Der wohl bekannteste heißt auf den ersten Blick überraschend Volkswagen. Doch wer sich an die Kurskapriolen der Stammaktie im Jahr 2008 erinnert, der muss sich vergegenwärtigen, dass die Überbewertung der Anteilsscheine bei knapp 300 Euro im Januar keineswegs abgebaut war. Als sich dann das Ausscheiden aus dem Dax abzuzeichnen begann, ging alles sehr rasch: Zum Jahresende kostete die VW-Stammaktie nur noch 77 Euro.
Schiffsfonds und Photovoltaik gehörten 2009 zu den Negativthemen. Das bekamen die Fondsanbieter MPC und Lloyd deutlich zu spüren. 2008 waren sie in die roten Zahlen gerutscht. MPC wird sich wohl erst 2011 daraus herausarbeiten und selbst dann liegt das prognostizierte Kurs-Gewinn-Verhältnis noch bei knapp 20. Etwas besser sind die Prognosen für die deutlich kleinere Lloyd Fonds.
Containerschiffe unter Druck
Noch ärger steht es um HCI Hammonia Shipping: Diese wurde vom Fondsanbieter HCI Ende 2007 an die Börse gebracht und poolt laut Eigendarstellung Vollcontainerschiffe als Dividendeninvestment. Indes rechnen Analysten wie die der HSH Nordbank erst 2012 wieder mit einer ersten Ausschüttung. Selbst dann beträgt die prognostizierte Dividendenrendite nur 2,3 Prozent. Erst 2013 werde wohl die Flotte ausgebaut werden können.
Unter den Solar-Aktien erwischte es Q-Cells und Solon böse. Beide Konzerne erlitten 2009 Umsatzeinbrüche von 56 bzw. 36 Prozent und rutschten tief in die roten Zahlen, aus denen sich Solon erst 2012 und Q-Cells schon 2011 herausarbeiten werden.
Manchmal gibt es für starke Kursverluste doch gute Gründe. Und wenn eine Aktie bei allgemein steigenden Kursen zurückbleibt, heißt das nicht immer, dass sie deswegen auch gleich „Nachholbedarf“ hat, wie bisweilen immer noch behauptet wird.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |