20.10.2003 · Thailands Wirtschaft boomt und profitiert vor allem von der positiven Entwicklung im Binnenmarkt. Die Börse reagiert mit deutlichen Kursgewinnen. Mehr scheint möglich zu sein.
Mit einem Wirtschaftswachstum von 5,8 Prozent im vergangenen Quartal im Vergleich mit dem Vorjahr zeigt Thailand die beste Entwicklung in Süd-Ost-Asien nach Vietnam. Das zeigt sich auch an der Börse. Denn mit knapp 600 Punkten erreicht der SET-Index am Montag ein neues Sechs-jahres-Hoch. Allein seit Anfang des Jahres hat er in Euro gerechnet 70 Prozent zugelegt.
Das Interessante an der Entwicklung ist die Tatsache, daß sie vor allem vom Binnenmarkt kommt und nicht von der Entwicklung der Exporte. Vor allem der Konsum ist stark, da Ministerpräsident Thaksin Shinawatra dafür gesorgt hat, daß die Banken günstige Kredite vergeben. Davon profitieren unter anderem die Bauern des Landes, deren Einkommen im vergangenen Jahr doppelt so stark gestiegen ist, wie im Jahr 2001. Und sie gegen das Geld mit vollen Händen aus, sei es für neues Vieh bis hin zu Mobiltelefonen.
Die Binnennachfrage ist hoch ...
Thailand geht im Gesamtjahr von einer Wachstumsrate in Höhe von 6,4 Prozent aus. Das ist signifikant mehr als die 1,8 Prozent im Jahr 2001, als Thaksin an die Regierung kam. Das ist kein Wunder, denn Kredite waren noch nie so günstig. Der offizielle Zinssatz liegt gerade noch bei 1,25 Prozent. Autos, LKWs, Motorräder, Häuser und elektronische Güter gehen weg die warmen Semmeln. Allein in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres haben die lokalen Filialen von Toyota und Honda die Anzahl der verkauften Einheiten um 33 Prozent auf 334.422 Stück gesteigert.
Damit scheint die Politik der "leichten Kredite" voll aufzugehen. Sie ist in dieser Art für Asien ziemlich neu. Denn normalerweise haben die Staaten der Region den Konsum mit hohen Zinsen und ähnlichen "Folterinstrumenten" eher unterdrückt und auf die Ersparnisse gesetzt. Die wurden nämlich dazu verwendet, in exportorientierte Industrien zu investieren. Bis zum Jahr 1997 ging diese Politik auch auf, die Staaten der Region wuchsen auf diese Weise im Schnitt mit neun Prozent pro Jahr.
Die Vertrauenskrise im Jahr 1997, als ausländische Investoren panikartig ihre Gelder abzogen, die Währung massiv abwerten ließ und das Land ins Chaos stürzte wurde verlängert auf Grund der schwachen Nachfrage aus Amerika und Europa auf Grund der schwachen Konjunktur. Zwischen 1998 und 2002 lag das Wachstum nur bei etwas zwei Prozent. Die Direktinvestitionen aus dem Ausland blieben aus und flossen statt dessen nach China.
... eine positive Weltkonjunktur wäre in zusätzlicher Schub
Sollte sich nun die Weltkonjunktur erholen und damit auch die Exporte von Asien nach Amerika deutlicher anziehen, könnte sich der Boom in Thailand noch verstärken und zu noch deutlich höheren Wachstumsraten führen. Die Unternehmen würden es mit ebenso deutlich steigenden Gewinnen danken. Sehr wahrscheinlich auch die Börsianer. Der SET-Index legte schon seit Jahresbeginn knapp 70 Prozent zu, auch die Währung zeigt zumindest gegen den Dollar eine gewisse Stärke. Mehr scheint vor diesem Hintergrund möglich zu sein.
Die politische Opposition klagt zwar laut über die schnell steigende Verschuldung der thailändischen Konsumenten. Da die Sparquoten in der Vergangenheit allerdings ziemlich hoch waren, dürfte die Entwicklung noch nicht so dramatisch sein. Zumindest nicht im Vergleich mit Amerika. Wichtiger dürfte es sein, die makroökonomischen Größen im Auge zu behalten. Denn sollten sie aus dem Ruder laufen, könnte es bald wieder ähnlich gefährlich werden wie im Jahr 1997. Anleger sollten bei aller Euphorie davor gewarnt und dafür gewappnet sein. Für ein Engagement in der Region dürfte sich ein gut verwalteter Fonds empfehlen. Und selbst den sollte man nicht aus dem Auge lassen, um gegebenenfalls auf Überraschungen rechtzeitig reagieren zu können.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |