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Textilindustrie Aktien wie überfütterte Truthähne

 ·  Wenn in den Vereinigten Staaten so wie jetzt das Thanksgiving-Dinner unmittelbar bevorsteht, werden die Truthähne knapp. Besonders die viel zu fetten Tiere werden geschlachtet. Auch unter den Aktien gibt es dafür einige Kandidaten, meint Standard & Poor's.

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Der Aktienmarkt als Ganzes scheint nach historischen Kriterien nicht überbewertet zu sein. Obwohl der Dow Jones Industrial Average ein Allzeithoch angetippt hatte, bleibt er nun bei beträchtlich niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnissen als beim letzten Höhenflug vor sechs Jahren. Es gibt aber dennoch einige Aktien mit hohem Marktwert, die zu Kursen gehandelt werden könnten, die erfahrenen Anleger schwer im Magen liegen könnten.

Zum Rekapitulieren: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) alleine ist nur bedingt aussagekräftig. Der Trick besteht darin zu bestimmen, ob Aktien mit relativ hohem KGV - wie etwa Google oder Whole Foods Markets - auf Grund ihres Wachstumspotentials so hohe Aufschlägen Wert sind oder ob die Anleger besser beraten wären, am Wühltisch zuzugreifen.

Fette Vögel

Und da liegt der Hase im Pfeffer. Manche Aktien werden die luftigen Kurshöhen, in die der Markt sie geschoben hat, nicht rechtfertigen können. Da die Weihnachtssaison offenbar jedes Jahr früher beginnt - die Weihnachtsdekorationen warten nicht einmal ab, bis Halloween vorbei ist, ehe sie die Regale in den Geschäften überziehen - fanden wir es sinnvoll, auch Thanksgiving in diesem Jahr ein wenig vorzuziehen und ein paar Vögel aufzutischen, die möglicherweise zu fett geworden sind.

Schauen wir uns die fünf Aktien aus dem S&P-500 mit den höchsten zu erwartenden KGVs zum Handelsschluß am 30. Oktober an und nehemn wir schon mal ein Alka-Seltzer.

Tenet Healthcare: Mit Risiken und Nebenwirkungen

Der Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen Tenet Healthcare befindet sich mitten im Turnaround, doch die Hoffnungen der Anleger auf eine Renovierung könnten optimistischer sein als die Projektionen der Analysten. Das geschätzte KGV der Aktie in Höhe von 106,98 steht nach Angaben von Reuters Estimates an der Spitze des S&P 500. Die Aktie ging am 2. November unverändert aus dem Handel, nachdem sie infolge einer Verkaufsempfehlung durch die Deutsche Bank am Vortag auf 6,97 Dollar gefallen war.

Tenet hatte sich gerade von einem Skandal wieder erholt, der im Jahre 2002 mit einer staatlichen Ermittlung der Medicare-Abrechnungspraktiken begann. Dennoch sehen einige Analysten für das Unternehmen und seine Branche Schwierigkeiten voraus. Die fehlende Verbesserung der Gewinnspanne und die angespannten Beziehungen zu den Ärzten sind nur zwei der Hürden für Tenet - meint S&P-Analyst Cameron Lavey, der eine „Halten“-Empfehlung für die Aktien ausgesprochen hat.

Andere erwarten trotz enttäuschender Gewinnmeldungen einen langen, aber profitablen Weg zum Aufschwung. „Auch wenn Tenet Patienten verliert - wir verlieren dennoch nicht die Geduld,“ erklärte Prudential-Analyst David Shove in einem Bericht vom 30. Oktober mit einem erneuten Übergewichtungs-Rating für die Aktie. „Das Unternehmen befindet sich erst ganz am Anfang des Prozesses.“ Ein Tenet-Sprecher lehnte Kommentare zum Aktienkurs der Gesellschaft ab.

Interpublic Group: Verdauungsbeschwerden

Die New Yorker Werbe- und Marketingkonglomerat Interpublic Group ist in der Förderung von Markenimages tätig. Die Anleger müssen Interpublics Aussehen ebenfalls mögen. Sie beförderten das erwartete KGV auf 61,32. Die Aktie rutschte am 2. November auf 10,55 Dollar.

Eine Übernahmetour Ende der neunziger Jahre brachte dem Unternehmen Schulden und Bilanzierungsschwierigkeiten, manche Analysten sehen jedoch bessere Tage kommen. Morningstar-Analyst Jonathan Schrader rechnet mit einer Verbesserung der Gewinnspannen vom Negativbereich im Jahre 2005 auf elf Prozent bis 2010, immer noch weniger als Konkurrenten wie Omnicom und WPP Group. Interpublics „schwärzesten Zeiten liegen nun im Rückspiegel,“ sagt Schrader, der die Aktie in einem Bericht vom 9. August mit vier von fünf Sternen bewertet.

Ein weiterer positiver Punkt für Interpublic ist, daß sein Geschäftsbereich Draft FBC vor kurzem einen 580 Millionen Dollar Werbeetat von Wal-Mart bekam. Dies könnte einen großen Schritt vorwärts in Richtung einer Verbesserung der Geschicke von Interpublic darstellen, meint Bear-Stearns-Analyst Alexi Quadrani, der eine „Peer Perform“ Empfehlung für die Aktie hat. Allerdings stellte Quadrani in einem Beitrag vom 25. Oktober fest, daß „eine sinnvolle Aufwärtsentwicklung begrenzt sein könnte“, da das Unternehmen immer noch einen „langen mühseligen Kampf“ vor sich hat. Ein Sprecher von Interpublic stand nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung.

Amazon.com: Ist weniger mehr oder doch weniger?

Da der Internethändler Amazon.com weiterhin solide Verkaufszahlen meldet, greifen die Anleger auch bei seiner Aktie zu. Die Gewinne werden damit jedoch möglicherweise nicht Schritt halten können, da das Unternehmen mit einem geschätzten KGV von 56,57 gehandelt wird. Die Aktie fiel am 2. November auf 37,45 Dollar.

Die Analysten geben Amazon uneinheitliche Noten. S&P-Analyst Jason Asaeda, der eine Halten-Empfehlung für die Aktie ausgesprochen hatte, hob seine Gewinnschätzung 2006 für das Unternehmen am 25. Oktober nach unerwartet hohen Prognosen des Unternehmens für das vierte Quartal an. Das Tempo der Technologie- und Contentinvestitionen von Amazon verlangsame sich gerade, wie Asaeda feststellt.

Das Unternehmen hat jedoch seine Ausgaben so weit zurückgefahren, wie es einigen Analysten nur lieb sein kann. „Wir haben zwar Vertrauen in das langfristige Modell, doch der anhaltende Rückgang der Gewinnspannen und des frei verfügbaren Cashflows sowie die Bewertung der Aktie mit Aufschlag im Verhältnis zur Gruppe wird einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung Grenzen setzen,“ meint Credit-Suisse-Analyst Heath Terry in einem Bericht vom 24. Oktober. Terry hat ein neutrales Rating für die Aktien.

Ein Sprecher von Amazon stand vor Redaktionsschluß nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung. (Credit Suisse hat im Bereich Investmentbanking eine Geschäftsverbindung mit Amazon und ist Market Maker für die Wertpapiere der Gesellschaft.)

MedImmune: Vorsicht vor der Grippe

Die Biotechnologiegesellschaft MedImmune entwickelte eine eigene Form der ungewöhnlich hohen Bewertung. Das geschätzte KGV der Aktie lag am 30. Oktober bei 44,25. Der Schlußkurs der Aktie am 2. November betrug 32,06 Dollar.

Am 26. Oktober meldete MedImmune einen geringeren Verlust im dritten Quartal bei Umsatzerlösen unterhalb der Durchschnittsprognosen. Die Aktie ist nach wie vor weniger attraktiv als ihre Konkurrenten Genentech oder Gilead Sciences; diese Auffassung vertritt S&P-Analyst Jeffrey Loo, der eine Halten-Empfehlung für MedImmune-Aktien aussprach. „Die Trends deuten darauf hin, daß [MedImmune] eine Gewinnwende zustande bringen könnte, aber wir bleiben vor den Absatzergebnissen in der Grippesaison 2007-2008 vorsichtig,“ erklärt Loo in einer Mitteilung vom 26. Oktober.

MedImmune hat sich eine solide Nische bei Kinderkrankheiten abgesteckt, trotz enger wirtschaftlicher Grenzen - das ist die Einschätzung der Morningstar-Analystin Karen Anderson, die die Aktie mit vier von fünf Sternen bewertet. Verbesserte Versionen der wichtigsten Medikamente des Unternehmens, Synagis und Flumist, und weitere neue Arzneimittel in der Pipeline dürften MedImmune bei der Fortsetzung seiner Expansion unterstützen, äußert Anderson in einem Bericht vom 20. Oktober. Sie setzt den Marktwert der Aktie auf 42 Dollar an. Ein Sprecher von MedImmune stand vor Redaktionsschluß nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung.

Yahoo!: Oh, wie schön ist Panama

Die Aktien von Yahoo! sind in diesem Jahr gefallen, doch die Anleger suchen immer noch nach höheren Gewinnen als Wall Street erwartet. Die Internetgesellschaft des Vorstandschef Terry Semel hatte zum 30. Oktober ein geschätztes KGV von 44,1. Am 2. November legte die Aktie auf 26,53 Dollar zu.

Manche Analysten sagen, Yahoos Position ähnelte der von AOL in früheren Dot-Com-Zeiten. „Erstens gestatteten die hohen Gewinne von Yahoo im Werbemarkt dem Unternehmen ein schnelleres Wachstum als der Gesamtmarkt und haben möglicherweise bewirkt, daß das Unternehmen sich mit seiner Strategie zu bequem eingerichtet hat,“ erklärte Piper-Jaffray-Analyst Safa Rashtchy am 23. Oktober. „Zweitens hat das Unternehmen auf die zunehmende Zersplitterung des Traffic vom Video zur sozialen Vernetzung zu spät reagiert.“ Rashtchy bewertet die Aktie als „Market Perform“, hält jedoch Yahoo! für fähig, sich einem gewandelten Klima anzupassen.

Andere verweisen auf Yahoos Einführung eines neuen Suchtechnologie-Upgrades mit Namen Panama. Terry von Credit Suisse hat ein Outperform-Rating für die Aktie, wobei Panama den wichtigsten Katalysator darstellt. (Credit Suisse hat im Bereich Investmentbanking eine Geschäftsverbindung mit Yahoo! und ist Market Maker für die Wertpapiere der Gesellschaft.)

Abgesehen von Panama verschlechtern sich jedoch zur Zeit die Fundamentalwerte der Gesellschaft, meint JP-Morgan-Analyst Imran Kahn, der ein neutrales Rating für die Aktie hat. Kahn hält das nachlassende Wachstum im Werbebereich und die unzureichende Trafficqualität für beunruhigende Entwicklungen. (JP Morgan hat im Bereich Investmentbanking eine Geschäftsverbindung mit Yahoo! und ist Market Maker für die Wertpapiere der Gesellschaft.) Ein Sprecher von Yahoo! stand vor Redaktionsschluß nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung.

Ein hohes KGV ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit einer Überbewertung der Aktie, zeigt jedoch wahrscheinlich an, daß diese nicht billig ist. Die Anleger sollten sich vergewissern, daß hoch bewertete Unternehmen in der Lage sind, das Wachstum ihren Kursen anzugleichen. Es ist allemal besser, wenn Tante Tillies Pastete die Ursache Ihres Unwohlseins an Thanksgiving ist - und nicht die überzahlten Papiere in Ihrem Portfolio.

Hogan ist Reporter von BusinessWeek.com in New York.

Quelle: Business Week online
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