Home
http://www.faz.net/-gv7-nyji
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Telekommunikation Zur T-Aktie besser die Verbindung kappen

10.08.2006 ·  Ergebnisse, die noch schwächer als erwartet waren, legte die Deutsche Telekom für das zweite Quartal vor und senkte die Prognosen für 2006 und 2007 deutlich. Angesichts des Kursbilds kann einem für die T-Aktie Angst und Bange werden.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Es ist schon ein Drama mit der T-Aktie. Nicht nur, daß sich zahlreiche Anleger bei der dritten Privatisierungstranche über den Löffel balbiert fühlten und nun vor Gericht gegen den Konzern zu Felde ziehen, wofür eigens die Gesetzeslage geändert wurde. Die Serie von Pleiten, Pech und Pannen wollte in den vergangenen Jahren auch nicht abreißen - Ärger um niedrige Dividenden folgte der Konflikt um die Re-Integration von T-Online.

Irgendwie scheinen die Börse und die Deutsche Telekom sich nicht gut zu vertragen. Das machte sich seit dem vergangenen Jahr auch am Kurs bemerkbar. Lief die Aktie bis dahin einigermaßen parallel zum Dax, so wurde sie danach fast schon zum Contraindikator (siehe Infografik). Jedenfalls fiel der Kurs vom immer noch gültigen 17-Monats-Hoch im August des vergangenen Jahres auf 12,08 Euro am Mittwoch und am Donnerstag gar auf 11,05 Euro.

Gewinn- und Umatzerwartungen deutlich reduziert

Denn die Telekom lieferte am späten Mittwoch abend die Begründung für die Kursverluste der vergangenen Monate nach. Europas größter Telekommunikationskonzern hat im zweiten Quartal nicht nur deutlichen Ergebniseinbrüche verzeichnen müssen, sondern überraschend seine Prognosen für 2006 und 2007 über alle Sparten hinweg gesenkt. Analysten hatten bereits eine Korrektur der Ziele für 2007 erwartet, hatten damit aber eher erst mit Bekanntgabe der Zahlen zum dritten Quartal gerechnet. Zugleich stellte die Telekom eine Dividende zumindest auf Vorjahreshöhe in Aussicht.

„Über alle drei strategischen Geschäftsfelder zeichnet sich ab, daß sich insbesondere der Preisdruck stärker als zuletzt erwartet entwickeln wird“, teilte der Konzern am Mittwoch abend nach Börsenschluß mit. Für 2006 erwarte die Telekom nun nur noch einen Umsatz von 61,5 Milliarden Euro bis 62,1 Milliarden Euro statt bislang 62,1 Milliarden Euro bis 62,7 Milliarden Euro. „Im kommenden Jahr soll der Umsatz weiter moderat steigen“, teilte der Konzern zudem mit. Bislang hatte die sich ein Umsatzplus von fünf Prozent für 2006 und 2007 vorgenommen.

Wegen der erwarteten geringeren Umsätze reduzierte der Konzern auch seine Gewinnerwartungen. Demnach soll 2006 ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 19,2 Milliarden Euro bis 19,7 Milliarden Euro statt bislang 20,2 bis 20,7 Milliarden Euro erzielt werden. Für 2007 wird ein bereinigtes Ebitda in der gleichen Größenordnung erwartet. Ursprünglich sollte der operative Gewinn dann wieder auf 21,7 bis 22,2 Milliarden Euro steigen.

Der Konzern werde die „finanztechnische Steuerung künftig stärker auf die Cash-Flow-Generierung ausrichten“, teilte die Telekom mit. Der Rückgang des bereinigten Ebitda solle dabei durch Anpassungen bei den Investitionen kompensiert werden. Für 2006 erwarte der Konzern einen freien Cash-Flow vor Ausschüttung von mindestens fünf Milliarden Euro, der 2007 auf mindestens sechs Milliarden Euro steigen solle.

Prognosesenkung zieht sich durch alle Sparten

Die Korrektur der Gewinnziele betrifft alle drei Sparten des Konzerns. Demnach erwartet die Telekom im Geschäftsfeld Breitband/Festnetz für 2006 nur noch ein bereinigtes Ebitda von 8,8 bis neun Milliarden Euro nach bisher 9,4 bis 9,6 Milliarden Euro. Der Umsatz soll hier höchstens noch 24,6 bis 25 Milliarden Euro erreichen und nicht mehr 24,8 bis 25,2 Milliarden Euro. Bereits dieses Ziel war im Mai gesenkt worden.

Das erst jüngst leicht erhöhte Umsatzziel für das Mobilfunkgeschäft ließ die Telekom für 2006 mit 31,9 bis 32,3 Milliarden Euro bestehen. Allerdings rechnet sie jetzt mit einem geringeren bereinigten Ebitda von 9,8 bis zehn Milliarden Euro nach bislang zehn bis 10,2 Milliarden Euro.

Auch die Geschäftskundensparte T-Systems läuft wohl nicht so wie erhofft. Trotz der Übernahme der Volkswagen-IT-Sparte Gedas rechnet die Telekom mit weniger Umsatz und operativem Gewinn als bislang. Demnach soll der Umsatz von T-Systems 2006 nur noch 12,6 bis 12,8 Milliarden Euro betragen statt 13,4 bis 13,6 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebitda erwartet die Telekom nun bei 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro nach bislang 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Der Umsatz legte zwar zu, doch blieb der in der Nacht zu Donnerstag veröffentlichte Wert ebenfalls unter den Schätzungen der Analysten.

Mobilfunkgeschäft mit unerwartetem Ergebnisrückgang

Im abgelaufenen Quartal ging das Ebitda ohne Sondereffekte um 7,2 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zurück. Analysten hatten mit einem deutlich geringeren Minus von rund zwei Prozent gerechnet. Unter dem Strich blieb ein um 14 Prozent niedrigerer Nettogewinn von gut einer Milliarde Euro. Hier lag die Durchschnittsprognose geringfügig höher.

Dabei zeigten sich Schwächen in allen Bereichen, nicht nur im Festnetz und den heiß umkämpften Breitbandanschlüssen. Das Mobilfunkgeschäft büßte beim bereinigten Ebitda anders als von Experten erwartet ebenfalls 3,3 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro ein und konnte damit die Rückgänge im Geschäftsfeld Breitband/Festnetz sowie in der Geschäftskundensparte T-Systems nicht auffangen. Der operative Gewinn in diesen Sparten ging um 7,8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro bzw. satte 22,9 Prozent auf 326 Millionen Euro zurück.

Der Umsatz im Konzern legte vor allem dank des Auslandsgeschäfts 2,6 Prozent auf 15,1 Milliarden zu und damit leicht schwächer als von Analysten erwartet. Diese hatten mit 15,2 Milliarden Euro gerechnet. Im Inland waren die Erlöse um vier Prozent rückläufig. Während der Mobilfunk sich hier abermals als Wachstumstreiber erwies und die Analystenerwartungen erfüllte, büßte die Sparte Breitband/Festnetz beim Außenumsatz 6,2 Prozent ein und damit mehr als von den Experten erwartet. Auch T-Systems verbuchte überraschend einen leichten Rückgang beim Außenumsatz.

Korrekturbedarf nicht in diesem Ausmaß erwartet

Schon im Vorfeld gab es Warnungen von Analysten. So zeige der Marktkonsens, schrieb JP-Morgan-Analyst Hannes Wittig in der vergangenen Woche, daß die Prognosen des Telekom-Riesen für Umsatz und operatives Ergebnis (Ebitda) 2007 unrealistisch seien. Der Korrekturbedarf könnte peinlich groß sein - mit dieser Aussage traf Wittig wohl ins Schwarze.

Der Analyst äußerte sich am Donnerstag schockiert. „Das Management senkt die Ebitda-Prognose für 2007 um über zehn Prozent nur neun Monate, nachdem es erstmals eine Prognose veröffentlicht hat.“

„Die Telekom würde sich massiv gegen den Trend stellen, wenn sie die Ziele bekräftigt“, sagte Thomas Friedrich von der HVB. Bereits nach dem ersten Quartal waren die Investoren unzufrieden mit der Entwicklung bei dem Bonner Konzern. Im Handy-Geschäft hätten sich die Mobilfunk-Kunden durch Preissenkungen nicht wie erhofft zu häufigerem Telefonieren verleiten lassen.

Mobilfunklizenzen in Amerika könnten teurer werden

In den Brennpunkt rückt immer mehr das Mobilfunkgeschäft in den Vereinigten Staaten. Für den zuletzt verläßlichen Wachstumstreiber im Konzern erwarten die Experten einen nachlassenden Kundenzustrom. Im zweiten Quartal blieb T-Mobile USA weit hinter den größeren Konkurrenten Verizon und Cingular zurück. Diese gewannen 1,8 bzw. 1,5 Millionen neue Kunden, wohingegen T-Mobile mit 613.000 neuen Teilnehmern weniger neue Kunden als in den Vorquartalen gewann. Die Analysten hatten im Schnitt mit 730.000 gerechnet. Zu Jahresbeginn waren es noch über eine Million Neuzugänge gewesen. Die Telekom sprach von einer Delle, im Grunde laufe der „Wachstumsmotor Vereinigte Staaten weiter rund“, sagte der Vorstandsvorsitzende Kai-Uwe Ricke.

Indes hat das Unternehmen im Rennen um weitere Mobilfunklizenzen erst einmal einen Rückschlag erlitten. Bei der Versteigerung liegt das konkurrierende Konsortium von Satellitenbetreibern nach der zweiten Bieterrunde vorn und verdrängte damit T-Mobile. Die Partnerschaft der Satellitenbetreiber Echostar und DirecTV bot für 13 Lizenzen am Mittwoch insgesamt 282,5 Millionen Dollar.

T-Mobile hatte bislang mit insgesamt 121,7 Millionen Dollar die höchsten Gebote für 23 Lizenzen abgegeben. Damit dürfte die Expansion in Amerika deutlich teurer werden, was sich gleichfalls negativ auf die Erträge auswirken dürfte.

Charttechnisch viel Luft nach unten

Auf Basis der bisherigen Analystenprognosen ist die T-Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 11,5 für das laufende und 10,5 bewertet. Das ist im Branchenvergleich relativ günstig. Allerdings sind diese Prognosen nicht mehr aktuell, so daß das KGV eher mit zwölf und elf anzugeben wäre. Indes könnte der Abschwung in der konsolidierenden Branche noch etwas anhalten. Besonders die Breite der Probleme verursacht Kummer.

Charttechnisch hat die Aktie angesichts der schlechten Entwicklung nicht viel zu bieten. Momentan scheint sie auf neue Drei-Jahres-Tiefstände zuzulaufen. Dafür hat sie auch noch jede Menge Platz nach unten, da das Tief von Ende 2003 gerade jüngst erst unterboten wurde und die nächste Unterstützung erst im Bereich der Tiefstände von 2002 bei 8,50 Euro zu sehen ist.

Betrachtet man die heftige Reaktion der Anleger auf die weniger schlechten Zahlen der Commerzbank am Vortag, kann einem für den Kurs schon Angst und Bange werden. Mit einem Minus von drei Prozent hielten sich die vorbörslichen Kursverluste zwar in Grenzen, doch auch die Commerzbank-Aktie hielt sich vorbörslich noch vergleichsweise gut. Hier spricht für die T-Aktie, daß viele Anleger ihre Positionen bereits in der Vergangenheit deutlich reduziert haben dürften.

Dividende nur ein schwacher Trost

Was bislang immer für die Aktie sprach, war die hohe Dividendenrendite von zuletzt über sechs Prozent. Das soll auch so bleiben - immerhin ein Pluspunkt. Die Frage ist indes erlaubt, ob - sollten die Gewinne weiter zurückgehen - sich die Telekom Dividendenzahlungen im Volumen von drei Milliarden Euro längere Zeit leisten kann. In absoluten Zahlen ausgedrückt, beträgt die Dividende 72 Cent. Auf dem aktuellen Niveau zehren sechs Prozent Kursverlust die Dividende eines Jahres auf. Insofern haben weitere Kursverluste auch ihr Gutes - das Dividendenpolster wird größer. Derzeit aber ist die T-Aktie wahrhaftig kein Kauf.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%