Home
http://www.faz.net/-gv7-qyph
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Telekommunikation Vorerst wenig Chancen für Nokia-Aktie

 ·  Sehr schwach präsentiert sich am Donnerstag die Aktie des Mobiltelefonherstellers Nokia. Die Geschäftszahlen und Prognosen des Konzerns enttäuschten auf der ganzen Linie und verdarben den Börsianern die Laune.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Die Hoffnungen und Erwartungen an den neuen amerikanischen Präsidenten Obama sind groß. Zu groß, will man realistisch sein. Denn die Finanz- und Wirtschaftskrise wird er nicht wegzaubern können. Auch wird er wohl kaum all die Handys kaufen können, die der finnische Mobiltelefonhersteller Nokia nicht mehr verkaufen kann und dessen schwache Geschäftszahlen und dürftiger Ausblick den Aktienmarkt am Donnerstag belasten. „Die Zahlen haben die Party ruiniert und auch die Aktienmärkte belastet“, kommentierte ein Händler.

Nokia hat im Schlussquartal 2008 einen unerwartet deutlichen Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten. Die Einnahmen sanken im vierten Quartal um gut ein Fünftel auf rund 12,7 Milliarden Euro. Vor allem im Handy-Kerngeschäft gingen die Einnahmen mit einem Minus von knapp 27 Prozent stark zurück. Analysten hatten im Durchschnitt einen Umsatz von 13,28 Milliarden Euro erwartet.

Handymarkt im Abwärtstrend

Nokia konnte in den Monaten Oktober bis Dezember 113,1 Millionen Mobiltelefone absetzen. Das sind 15 Prozent weniger als noch im vor einem Jahr. Der durchschnittliche Verkaufspreis sank im Vergleich zum Vorquartal um 1 Euro auf 71 Euro. Vor einem Jahr hatte Nokia seine Handys im Schnitt noch für 83 Euro verkaufen können.

Das verwässerte Nettoergebnis je Aktie sank um 68 Prozent auf 0,15 Euro, das operative Ergebnis brach sogar um mehr als 80 Prozent auf 0,49 Milliarden Euro ein. Der Marktanteil des Branchenprimus sank im Schlussquartal im Jahresvergleich um drei Prozentpunkte auf 37 Prozent.

Auch die Zukunft des Handymarktes sieht nach Nokias Aussagen alles andere als rosig aus. Der Konzern rechnet für 2009 mit einem branchenweiten Absatzrückgang von 10 Prozent - doppelt soviel wie man zuvor prognostiziert hatte. „Das zeigt, wie schnell sich die Dinge verschlimmert haben in den letzten Monaten“, sagte Analyst Johan Strandberg von SEB Asset Management.

Unverkennbare Sättigung

Und es ist durchaus nicht abwegig, davon auszugehen, dass sich das Marktwachstum dauerhaft verlangsamt. Experten sehen eine zunehmende Sättigung des Marktes: In vielen Ländern kommt auf jeder Menschen rein rechnerisch bereits mehr als ein Handy. Die Branche rüstet sich für einen drastischen Rückgang der Verkaufszahlen in diesem Jahr - den ersten seit 2001.

Die Menschen hätten in der Wirtschaftskrise andere Prioritäten, als ein neues Handy zu kaufen, erklärt Gartner-Analystin Carolina Milanesi. Vor allem in Europa seien außerdem die längeren Laufzeiten bei Handy-Verträgen ein Problem, die sie Kunden an ihr Gerät binden.

Auch andere leiden. Konkurrent Sony Ericsson (vgl. Die Aktie von Ericsson scheint ausgereizt) hat im vierten Quartal nur noch gut 24 Millionen Handys verkauft, 23 Prozent weniger als im Vergleichsquartal des Vorjahres, zudem um einen 2 Euro niedrigeren Durchschnittspreis. Motorola verkaufte halb so viele Handys wie im Jahr zuvor.

Kritische Lagerbestandsentwicklung

Die Geräte im mittleren bis höheren Preissegment dürften dagegen im nächsten Jahr am meisten unter Preisdruck stehen, was sich auch auf die Billiggeräte ausweiten dürfte, sagt Milanesi. Dort herrscht bereits ein erbitterter Preiskampf, der Nokias durchschnittliche Verkaufspreise binnen eines Jahres um knapp zehn Euro gedrückt habe. Und in den Schwellenländern werde vor allem die Nachfrage nach sehr billigen Geräten weiter steigen.

Ein Problem sehen Experten bei den Herstellern vor allem in der Entwicklung der Lagerbestände. Analysten warnen vor hohen Lagerbeständen, sowohl bei Herstellern, als auch Vertriebspartnern. „Die Halbjahreszahlen 2009 könnten beunruhigend ausfallen“, schreibt etwa WestLB-Analyst Thomas Langer über die Situation bei Nokia. Denn mit den hohen Lagerbeständen dürften die Absatzzahlen der Hersteller vor allem im ersten Quartal 2009 noch einmal kräftig sinken.

Enttäuschte Analysten

Auch andere Analysten äußerten sich sehr negativ. „Der Geschäftsbericht hat in so ziemlich allen Punkten enttäuscht, vielleicht mit Ausnahme der Netzwerksparte. „Geschäftsvolumen, Marktanteil, und vor allem die Gewinne sind hinter den Erwartungen zurückgeblieben.“, sagt Greger Johansson von Redeye. Ebenfalls negativ bewertet der Experte die Aussagen für 2009 und insbesondere die Margen im ersten Halbjahr.

Laut Geoff Blaber von CCS zeichnen „die Zahlen ein sehr düsteres Bild für den Handymarkt im vor uns liegenden Jahr“. Die Nachfrage an jedem Punkt der Wertschöpfungskette sei betroffen und die Quartalsergebnisse, die noch deutlich unter den niedrigen Markterwartungen gelegen hätten, ließen eine nur langsame Erholung erwarten.

Jari Honkoi von der EQ Bank wies darauf hin, es komme „sehr, sehr selten vor, dass Nokia nicht die gleiche Dividende wie im Vorjahr zahlt“. Die aktuelle Senkung auf 0,40 Euro sei daher schon ein historisches Ereignis.

Langfristige Chancen

Die Nokia-Aktie steht am Donnerstag stark unter Druck und verliert 8 Prozent auf 9,41 Euro. Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp 10 für das laufende und 8,6 für das kommende Jahr hat sie sich damit auf den ersten Blick auf der Bewertungsseite Luft verschafft. Indes setzten diese Prognosen einen Umsatzrückgang von lediglich 9 Prozent voraus. Doch der prognostizierte Absatzrückgang könnte mit zusätzlichen Preiseffekten zu einem noch stärker fallenden Umsatz führen.

Oder aber, da Nokia vor allem auf den Ertrag Gewicht legen will, könnten die Absatzrückgänge noch größer ausfallen. Inwieweit der Betriebsertrag stärker als die prognostizierten 12 Prozent fallen wird, ist derzeit schwer absehbar.

2010 soll es indes wieder aufwärtsgehen, wenngleich in eher bescheidenem Umfang. Für die Aktie spricht die Einschätzung der meisten Experten, wonach sich dem Marktführer die Chance bietet, über seine Größenvorteile 2009 seinen Marktanteil noch signifikant zu steigern und sich in einer konsolidierenden Branche zu behaupten.

Mit einer Marktkapitalisierung von 35,5 Milliarden Euro wird bezogen auf 2008 lediglich der Umsatz des Handy-Geschäfts und etwas weniger als der Buchwert des Unternehmens bezahlt. Das ist nicht teuer, im Vergleich zu anderen Aktien aber immer noch eine erhöhte Bewertung. Insofern ist die Aktie derzeit nur etwas für langfristig orientierte Anleger, die indes im Verlauf des ersten Halbjahres 2009 noch auf niedrigere Kurse spekulieren können.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Aktienmärkte
Name Wert Änderung
  FAZ-INDEX --  --
  DAX --  --
  Dow Jones --  --
  Nikkei225 --  --
  Hang Seng --  --
  FAZ-Euro-Index --  --
  Eurostoxx 50 --  --
  S&P500 --  --
  Nasdaq 100 --  --
  M-Dax --  --
  Tec-Dax --  --
  SDAX --  --
  Dax Future --  --
Wertpapiersuche