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Telekommunikation Übernahmegerüchte beflügeln Telekom Austria-Aktie

02.07.2003 ·  Mit Blick auf die Telekom Austria geraten Analysten ins Schwärmen. Die Aktie profitiert zudem von hartnäckigen Übernahmegerüchten, denen auch gegenläufige Meldungen nichts anhaben können.

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Selten ist in der jüngeren Vergangenheit eine Aktie derart bejubelt worden wie das Papier der Telekom Austria (TA) von Analysten der Berenberg Bank: „Keine Risiken, alle Vorteile und voller innerer Werte“ sei dieser Titel, heißt es in der jüngsten Studie dieser Bank zur TA. Fast unnötig zu erwähnen, daß sie diese Aktie als Kauf ansieht.

Gleiches gilt für die Anaysten der Hypovereinsbank und des Investmenthauses Goldman Sachs, die den Titel gerade hochgestuft haben. Denn sie erwarten eine bessere Entwicklung der Telekom Austria als bisher prognostiziert. Am Mittwoch zeigt sich der Titel von seiner besten Seite: An der Heimatbörse in Wien legt er um knapp fünf Prozent auf 10,60 Euro zu, in Frankfurt gewinnt er sogar acht Prozent aug 10,80 Euro. Und es könnte weiter aufwärts gehen, denn kurstreibende Gerüchte umranken die Telekom Austria hartnäckig.

Privatisierung soll vorangetrieben werden

Die Telekom Austria wird seit Monaten schon mit der schweizerischen Swisscom in Verbindung gebracht. Dieser Tage ist das Gerücht, die Eidgenossen wollten die Österreicher übernehmen, wieder aufgewärmt worden - aber noch nicht bestätigt. Dies hat die Phantasie am Markt belebt. Weit hergeholt sind Übernahmegerüchte grundsätzlich nicht: Die staatliche ÖAG, die gut 47 Prozent der Anteile an dem Unternehmen hält, soll diese möglichst verkaufen, um die Privatisierung abzuschließen. Doch läßt der Vollzug eben auf sich warten.

„Diese Gerüchte kommen und gehen. Ich weiß nicht mehr, was ich davon halten soll“, seufzt Claudia Vince-Bsteh von der Raiffeisen Centro-Bank in Wien. An der Börse in Österreichs Hauptstadt steige der Kurs der TA, weil es heiße, die Swisscom steige ein - doch in der Schweiz legt das Papier der Swisscom zu, weil das neueste Gerücht besage, die Eidgenossen wollten die Telekom Austria doch nicht. „Das wird langsam paradox“, meint die Analystin.

Gleichwohl: Die Übernahmephantasie bleibt vorerst bestehen. „Und ich gehe davon aus, daß sie uns über den Sommer begleiten wird.“ Für den Kurs ist das gut, wie die Erfahrung zeigt. Überdies sehen Kollegen von Vince-Bsteh, die die Aktie als gut bezahlt begreift, das Papier noch als unterbewertet an: 14 Euro ist es aus der Sicht der Berenberg Bank wert, Goldman Sachs hat 15,60 Euro als „fairen Wert“ ermittelt.

Unternehmen arbeitet zunehmend profitabel

Fundamental steht die Telekom Austria recht gut da. 2002 hatte sie 3,9 Milliarden Euro umgesetzt und Schulden von 3,2 Milliarden Euro vorzuweisen, nach 3,28 Millionen Euro im Jahr davor. Zum Vergleich: Die Deutsche Telekom setzte im vergangenen Jahr 53,7 Milliarden Euro um, hatte aber 61,1 Milliarden Euro Schulden. Während das deutsche Unternehmen unter dem Strich einen Verlust von fast 24,6 Milliarden Euro gemacht hat, schreibt die Telekom Austria schwarze Zahlen. Der Jahresüberschuß betrug zuletzt knapp 13 Millionen Euro - für dieses Jahr rechnet die Berenberg Bank mit 146 Millionen Euro sowie mit einer Dividende nach zwei Jahren ohne Ausschüttung. Im ersten Quartal hat die TA den Überschuß gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14,9 Prozent auf 43,1 Millionen Euro gesteigert und den Umsatz leicht um 0,4 Prozent erhöht.

Mithin stellt sie ein attraktives Investment dar. Zumal das Unternehmen auf den südosteuropäischen Wachstumsmärkten wie Kroatien und Slowenien präsent ist sowie in Bulgarien einsteigen will, wie Vince-Bsteh zu bedenken gibt.

Aktie ziemlich hoch bewertet, aber in Aufwärtstrend

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 50,2 ist der Titel ziemlich hoch bewertet. Die Aktie der Deutschen Telekom weist ein KGV von 72,6 auf, bei der Swisscom beträgt es hingegen lediglich 15,5. Bei Übernahmegerüchten kümmern sich Investoren allerdings eher weniger um die Bewertung. Für weiteres Kurspotential spricht auch, daß die TA-Aktie sich in einem Aufwärtstrend befindet. Zudem bewegt sich der Kurs weit über der 200-Tage-Trendlinie, die den Durchschnittspreis für diesen Zeitraum anzeigt.

Wer auf steigende Kurse infolge der hartnäckigen Übernahmegerüchte setzen will, sollte aber eines bedenken: Nächste Woche hält die OAG ihre Hauptversammlung ab. Dann könnte es Neuigkeiten zum möglichen Verkauf der TA-Anteile geben. Und einen Dämpfer für die Übernahmegerüchte.

Das Schaubild zeigt die Kursentwicklung der Aktie der Telekom Austria.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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