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Telekommunikation Telekom-Aktien melden sich zurück

02.12.2002 ·  Ausgerechnet die gebeutelten Telekom-Aktien führen die Kursrally an den Börsen mit an. Als Folge davon sind viele Abwärtstrends bereits überwunden.

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Stell dir vor, eine Branche produziert Hiobsbotschaften am Fließband und keinen Anleger interessiert es! Genau dieses Phänomen ist seit einigen Wochen ausgerechnet bei den schwer gebeutelten Telekom-Aktien zu beobachten.

Ungeachtet rekordhoher Milliardenverluste bei der Deutschen Telekom und einer am Abgrund taumelnden France Telecom mimt der Sektor im Zuge der im vierten Quartal eingeleiteten massiven Kurserholung an den Weltbörsen den Vorreiter. So hat der Euro Stoxx Telekom-Index seit Ende September um fast 40 Prozent zugelegt und die T-Aktie um rund 45 Prozent. Die Aktie der France Telecom hat sich sogar beinahe verdreifacht.

Damit wiederholt sich ein Prozess, der an den Aktienmärkten nicht selten auftritt. Nämlich der, dass von einer Rally besonders jene Werte profitieren, die zuvor am stärksten gebeutelt wurden. Bei aller kurzfristigen Erleichterung über die jüngsten Kursgewinne darf allerdings natürlich nicht vergessen werden, dass viele der Telekom-Aktien zuvor auch mehr als 90 Prozent verloren haben.

Schuldenabbau kein Lippenbekenntnis mehr

Gelöst sind die Probleme der Branche zwar noch immer nicht. Am stärksten drückt der Schuh bekanntlich noch immer bei den hohen Schulden. Diese belaufen sich bei France Telecom auf 70 Milliarden Euro und bei der Deutschen Telekom auf 64 Milliarden Euro.

Doch die Stimmung unter den Anlegern hat sich trotzdem etwas zu Gunsten der Telekom-Aktien gedreht, weil man jetzt den Eindruck hat, dass die „Schmuddelkinder“ ernsthaft an ihren Hausaufgaben arbeiten. Zum Ausdruck kommt dieser Wille am Verkauf von Tafelsilber, wie ihn die Deutsche Telekom mit der Abgabe von Anteilen an T-Online im Wert von 738 Millionen Euro zum Wochenauftakt vorexerziert.

Die Erkenntnis, dass man sich jetzt auf die Behebung der Schwachstellen konzentriert, nährt bei den Anlegern die Hoffnung, dass Unternehmen wie die France Telecom, die im kommenden Jahr Schulden in Höhe von 15 Milliarden Euro tilgen muss, am Ende doch noch mit einem blauen Auge davon kommen.

Charts überwinden die Abwärtstrends

Um den Überlebenskampf erfolgreich zu gestalten, haben die Anleger sogar die bereits angekündigten Dividendenausfälle bei der Deutschen Telekom, KPN und British Telekom geschluckt und die Aktien trotzt dieser Hiobsbotschaften sogar hochgekauft. Als Folge davon haben viele dieser Titel ihre Abwärtstrends überwunden. Stellvertretend für diese Entwicklung kann der Euro Stoxx Telekom-Index herangezogen werden (siehe Chart). Dieser Index hat sich rein charttechnisch gesehen den Weg für weitere Avancen frei gekämpft.

Solange die Risikobereitschaft der Anleger wieder zunimmt, was zuletzt der Fall war, solange dürfte sich die Rally der Telekomaktien sicherlich noch fortsetzen. Die Nagelprobe steht aber spätestens Anfang 2003 an. Da wird sich zeigen müssen, ob es sich um eine Rally im Bärenmarkt oder um mehr handelt.

Da die Wachstumsaussichten durchwachsen bleiben dürften, werden die Bäume sicherlich auch nicht in den Himmel wachsen. Das würde auch der noch immer gravierenden Schuldenproblematik nicht gerecht werden.

Gleichzeitig scheint aber bei den noch in Staatsbesitz befindlichen Unternehmen das Restrisiko kalkulierbar, wie auch jetzt die Bereitschaft der französischen Regierung zeigt, France Telecom mit einem Neun-Milliarden-Kredit zu helfen.

Im Osten locken Alternativen

Doch wer sich nicht auf Staatsgarantien verlassen will, sondern lieber von vorneherein auf solide Unternehmen setzt, dem bieten sich zur Depotbeimischung ausgewählte osteuropäische Telekomwerte an. So hat sich bei der vernünftig bewerteten, mit Gewinn arbeitenden und schuldenfreien Eesti Telekom (Estland) schon seit einiger Zeit ein Aufwärtstrend herausgebildet.

Wer es gerne noch etwas risikoreicher mag und zudem nur auf Telekom-Aktien mit günstigen Wachstumsaussichten setzt, der sollte seinen Blick vielleicht gleich nach Russland richten. Dort finden sich Gesellschaften wie Vimpelcom, die nicht mit Hiobsbotschaften sondern mit übertroffenen Analystenerwartungen aufwarten.

So hat der zweitgrößte russische Mobilfunkanbieter im dritten Quartal den Nettogewinn von 13,92 auf 40,49 Millionen Dollar gesteigert und damit die Analysten mit ihrer Konsensschätzung von 30,88 Millionen Dollar alt aussehen lassen. Da die auf dem russischen Markt geringe Handy-Penetrationsrate von rund zehn Prozent auch weiterhin interessante Wachstumsraten verspricht, überrascht es nicht, dass führende Russland-Fondsmanager auf Aktien wie Vimpelcom setzen. Gehör sollten sie aber nur bei jenen Anlegern finden, die sich auch der damit verbundenen Risiken bewusst sind.

Im Chart sehen Sie die Entwicklung des Dow Jones Euro Stoxx Telekom-Index seit April 1999.

Quelle: @JüB
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