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Telekommunikation : T-Online-Angebot der Telekom empört Aktionärsschützer

  • Aktualisiert am

Telekom-Chef Ricke holt sich T-Online zurück Bild: dpa/dpaweb

„Absolut inakzeptables“ Angebot: Die Pläne der Deutschen Telekom für den vollständigen Rückkauf ihrer börsennotierten Internet-Tochter T-Online sind auf scharfe Kritik von Aktionärsschützern gestoßen.

          Die Pläne der Deutschen Telekom für den vollständigen Rückkauf ihrer seit dem Frühjahr 2000 börsennotierten Internet-Tochter T-Online sind auf scharfe Kritik von Aktionärsschützern gestoßen. Das Angebot des Bonner Konzerns sei "absolut inakzeptabel", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, am Wochenende.

          Die Deutsche Telekom hatte am Samstag angekündigt, daß sie eine Verschmelzung nach dem deutschen Umwandlungsgesetz anstrebe: Die T-Online-Aktionäre werden dabei mit Telekom-Anteilen abgefunden. Das Umtauschverhältnis muß auf der Grundlage von Gutachten von beiden Unternehmen gemeinsam festgelegt werden. Wahrscheinlich werde es aus Sicht der T-Online-Aktionäre ungünstiger ausfallen als das derzeitige Verhältnis der Aktienkurse, sagte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick, der sich auf eine erste Analyse der von der Telekom beauftragten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG berief.

          8,99 statt 27 Euro

          Um den Kurs der T-Online nach unten abzusichern, will die Telekom als Alternative zum Aktientausch im November ein Barangebot zum Preis von 8,99 Euro je Aktie unterbreiten. Das entspricht dem Schlußkurs vom vorigen Freitag. Beim Börsengang hatten Erstzeichner 27 Euro bezahlt.

          "Die Zeiten haben sich geändert", verteidigte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke die Höhe der Barofferte. Damals wie heute würden Marktpreise bezahlt. Die erhoffte Prämie auf den T-Online-Kurs kann die Telekom nach Darstellung von Analysten schon deshalb nicht zahlen, weil sie damit gegen die Interessen ihrer eigenen Aktionäre verstieße. Die Telekom hält knapp 74 Prozent der T-Online-Aktien. Annähernd 6 Prozent besitzt der französische Mischkonzern Lagardère, der Rest ist breit gestreut.

          Der Konzern kündigte an, daß er die gleiche Zahl von Aktien, die für den Erwerb von T-Online ausgegeben werden, zurückkaufen wolle. Damit soll vermieden werden, daß die Transaktion den Kurs der T-Aktie unter Druck setzt, was auch die von Bundesfinanzminister Hans Eichel eingeplanten Erlöse aus der weiteren Privatisierung schmälern könnte. "Wir sehen keine negativen Effekte für eventuelle Privatisierungserlöse", sagte ein Telekom-Sprecher am Sonntag. Daß sich das Unternehmen für eine Verschmelzung nach deutschem Recht entschieden hat, begründete Finanzvorstand Eick damit, daß dies der einzige Weg sei, "der mit hundertprozentiger Sicherheit zu einem Telekom-Anteil an T-Online von hundert Prozent führt".

          Zeitplan in Gefahr

          Auch dieses Vorgehen birgt jedoch Risiken. Minderheitsaktionäre könnten die Bewertungsgutachten anfechten und den Zeitplan in Gefahr bringen, sagte ein Analyst. Die Kosten der Transaktion veranschlagte Finanzvorstand Eick auf "einen Betrag um die drei Milliarden Euro". Die Summe könne aus freien Finanzmitteln aufgebracht werden.

          Der Schritt ist Teil der für Anfang 2005 angekündigten Neuorganisation des Konzerns. An die Stelle der bisherigen "Vier-Säulen-Struktur" (T-Com für Festnetz, T-Mobile für Mobilfunk, T-Online für das Internet und T-Systems für Großkundensysteme) treten dann drei "kundenorientierte" strategische Geschäftseinheiten. T-Com und T-Online werden in der neuen Sparte Breitband/Festnetz gebündelt. Die Reintegration verspreche Einsparungen in "zweistelliger Millionenhöhe", sagte Eick. Offen blieb, ob und wie viele Arbeitsplätze in den bisher getrennten Sparten wegfallen werden.

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