01.03.2007 · Die Pläne des neuen Telekom-Chefs Rene Obermann können zum Handelsbeginn nicht für Kursgewinne bei der T-Aktie sorgen, die als Dax-Schlusslicht deutlich verliert. Technisch angeschlagen, scheint der Zeitpunkt für einen Einstieg wenig günstig.
Wenn ein Unternehmen offenkundige Probleme zu bewältigen hat und sich schon eine ganze Weile lang nicht übermäßig gut schlägt, so hat das insofern sein Gutes, als dass die Erwartungen deutlich reduziert werden.
Das gilt unter anderem auch für die Deutsche Telekom. So dürfet es nach der Gewinnwarnung Ende Januar auch nur wenig überraschen, dass Europas größtes Telekommunikationsunternehmen 2006 im Vergleich zum Vorjahr unter dem Strich ein um 43 Prozent geringeres Nettoergebnis von rund 3,2 Milliarden Euro verbuchen muss. Dabei schlugen nach Auskunft eines Firmensprechers vor allem Aufwendungen für das Personalabbauprogramm zu Buche.
Erwartungsgemäß schwache Zahlen
Indes hatten Analysten dennoch im Schnitt mit einem viel höheren Überschuss von 4,3 Milliarden Euro gerechnet. Bereinigt um Sondereffekte lag der Nettogewinn bei rund 3,9 Milliarden Euro und damit um knapp 18 Prozent unter Vorjahr. Damit traf die Telekom wiederum die Schätzungen der Analysten.
Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ging um sechs Prozent auf 19,43 Milliarden Euro zurück und lag damit in der geplanten Spanne von 19,2 Milliarden Euro bis 19,7 Milliarden Euro. Die Durchschnittsprognose der Analysten lag nur geringfügig höher bei 19,49 Milliarden Euro.
Der Konzernumsatz nahm um 2,9 Prozent auf 61,35 Milliarden Euro zu. Der Umsatz im Inland sank allerdings um fünf Prozent auf 32,5 Milliarden Euro. Dagegen verzeichnete die Telekom unter anderem dank ihres Amerikageschäfts im Ausland einen Umsatzzuwachs von 13,6 Prozent auf 28,9 Milliarden Euro. Damit machte die Deutsche Telekom im vergangenen Jahr 47,1 Prozent ihres Umsatzes jenseits der deutschen Grenze.
Wichtiger ist die Umbaustrategie
Im vierten Quartal führten die Zahlungen für das Personalabbauprogramm dazu, dass die Telekom unter dem Strich einen Verlust von fast 900 Millionen Euro nach einem Gewinn von knapp einer Milliarde Euro im Vorjahreszeitraum verzeichnete. Bereinigt ergab sich ein Gewinn von 824 Millionen Euro, der aber trotzdem fast 20 Prozent unter dem vierten Quartal 2005 lag.
Diese Zahlen sind sicherlich nicht als positiv zu bezeichnen. Sie liegen auch unter den Erwartungen, was aber letztlich nicht überraschend kommt. Insofern verwundert es nicht, wenn Händlers nicht mit übermäßig negativen Auswirkungen auf den Aktienkurs rechnen und bis auf den Nettogewinn die Kennziffern als konform mit den Erwartungen bezeichnen.
Hinzu kommt, dass am Donnerstag andere Faktoren im Vordergrund stehen. Einmal abgesehen von der unsicheren und tendenziell negativen Marktlage, interessieren sich die Anleger vor allem für die Details zur Firmenstrategie des neuen Telekom-Chefs Rene Obermann.
Abbau von Personal und Privilegien
Dieser erhielt am Vorabend die Rückendeckung des Aufsichtsrates für sein Umbauprogramm. Demnach sollen wegen der seit Jahren anhaltenden Probleme unter anderem wegen der massenhaften Abwanderung von Festnetzkunden in Deutschland Plänen zu, zehntausende Mitarbeitern in konzerneigene Unter-Gesellschaften auszulagern zu, um deren Arbeitszeiten verlängern und Löhne senken zu können.
So soll im neuen Telekom-Bereich „T-Service“ die wöchentliche Arbeitszeit von derzeit konzernweiten 34,5 auf 38 Stunden steigen. Die Gründung des neuen Bereichs gilt als wichtiges Element. Rund 50.000 Mitarbeiter der Festnetzsparte T-Com sollen zu T-Service wechseln. Damit sollen Kosten gesenkt und der Service verbessert werden.
Bis Ende kommenden Jahres sollen 32.000 Mitarbeiter die Telekom verlassen, was im vergangenen Jahr nach Angaben eines Sprechers Belastung von 2,8 Milliarden Euro verursachte. Der Konzern führt den Abbau sozialverträglich über Abfindungen und Frühpensionierung durch. Daneben plant die Telekom wieder Zukäufe im Ausland. Auf dem Einkaufzettel befindet sich unter anderem die niederländische Mobilfunktochter der France Telecom.
Neue Zwei-Marken-Strategie
Kernpunkt der neuen Strategie ist ein Zweimarken-Auftritt. T-Home werde dabei künftig für Angebote zu Hause stehen und T-Mobile für Angebote unterwegs. Bislang waren im Festnetzgeschäft die Telekom-Produkte unter T-Com geführt worden. Im Privatkundenmarkt sollen bis Ende 2010 rund 1,5 Millionen Kunden für internetbasiertes Fernsehen (IPTV) gewonnen werden. Zusätzlich zu dem zunächst für 50 Städte vorgesehenen VDSL-Netz-Ausbau soll IPTV auch per ADSL+ in rund 750 Städten angeboten werden. Unterschied ist im Wesentlichen, dass bei ADSL+ wegen der geringeren Übertragungsbandbreite kein hochauflösendes Fernsehen möglich ist.
Zudem will die Telekom noch vor dem Sommer mit einer eigenen Billigmarke für Breitbandanschlüsse und Mobilfunk auf den Markt kommen. Die „unabhängige Zweitmarke“ solle „mit einem eigenen Auftritt, einfachen Angeboten beziehungsweise Festnetz- und Mobilfunk-Bündeln zu äußerst wettbewerbsfähigen Preisen sehr preisbewusste Kundengruppen ansprechen“.
Für die Geschäftskundensparte T-Systems strebt die Telekom eine strategische Partnerschaft an. Freie Mittel will der Konzern mit dem Verkauf von Randbereichen loseisen. Auf dem Prüfstand stehen die T-Systems-Einheit Media & Broadcast, ein Dienstleister für die Rundfunk- und Medienindustrie, DeTeImmobilen, Club Internet und Ya.com, also das Internetgeschäft in Frankreich und Spanien, zudem die Funktürme in Deutschland und den Vereinigten Staaten und die verbleibenden Anteile an der Immobiliengesellschaft Sireo.
Überzeugungskraft ist gefragt
Die künftige Entwicklung des Aktienkurses hängt daher sehr stark von der Überzeugungskraft, die Obermann am Donnerstag und in Zukunft für die Umsetzung seiner Strategie entwickeln kann. denn angesichts des Zeitbedarfs und der kurzfristigen Belastungen steht zu erwarten, dass sich die Ergebnisse des Unternehmens nicht rasch verbessern werden.
Da sind auch zahlreiche marktliche Faktoren vor. Zum einen drückt der scharfe Wettbewerb im Festnetz- und Breitbandgeschäft auf die Margen, zum anderen ist dieser im Mobilfunkgeschäft angesichts eindeutiger Sättigungstendenzen gleichfalls härter geworden. Das klassische Telefonnetz wird obsolet werden und durch Voice-over-IP-Netze ersetzt werden.
Grundproblem der Telekom sind die sehr arbeitnehmerfreundlichen Arbeitsbedingungen und der immense Personalüberhang, der durch die weniger personalintensiven Voice-over-IP-Netze noch größer wird. Daher bleibt dem Konzern nichts weiter übrig, als das Personal im großen Stil zu verringern und dabei auch den Beamten Angebote zu machen, die sie nicht ablehnen können.
Technisch heikle Situation
Und die Frage, inwieweit dieses politisch so brisante Problem ausreichend schnell bewältigt werden kann, ist für die Zukunft des rosa Riesen alles entscheidend. Für die Aktie heißt das, dass sie in der nächsten Zeit weniger interessant sein dürfte, weil sie vor allem kurzfristig nachrichtengetrieben sein dürfte. Positive Nachrichten über Teilerfolge dürften ihr Impulse verleihen. Rückschläge in Form von Streiks und Zugeständnissen dürften sie belasten.
Hingegen dürften Bewertungsfragen angesichts des Umbaus zurücktreten, zumal das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,5 und 15 für das Jahr 2008 derzeit nicht wirklich günstig erscheint.
Am Donnerstag scheint sich die Begeisterung für den neuerlichen Konzernumbau begrenzt. Die Aktie verliert zum Handelsauftakt 1,3 Prozent auf 13,38 Euro und fällt damit auf ein neues Jahrestief. Das muss als charttechnisch negatives Signal gelten, weil damit nicht nur die seit Dezember aufgelaufenen Kursgewinnen egalisiert wurden, sondern sich auch der im Zuge der Gewinnwarnung eingeleitete kurzfristige Abwärtstrend verschärft.
Jetzt bleibt abzuwarten ob die Unterstützungszone bei 13 Euro hält, die durch die November- und Dezembertiefs markiert und durch frühere Tiefs bestätigt wird. Denn dann wäre nicht nur die Schulter-Kopf-Schulter-Formation perfekt, sondern der erwartungsgemäß eintretende Abwärtstrend auch schon eingeleitet. In diesem Fall läge die Zielmarke beim 46-Monats-Tief von 10,84 Euro. Insgesamt also bietet sich die T-Aktie derzeit nicht eben zum Kauf an - der verlockenden Dividendenrendite von 5,4 Prozent zum Trotz. Denn die Dividende bietet nur einen absoluten Puffer von 0,72 Euro, der rasch aufgezehrt sein könnte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |