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Telekommunikation Schlechte Ergebnisse bestätigen Abwärtstrend für Mobilcom und Freenet

09.05.2006 ·  Schlechte Nachrichten allerorten für die fusionswilligen Unternehmen Mobilcom und Freenet. Nicht nur die Quartalsergebnisse waren enttäuschend, das Landgericht blockiert auch vorerst die Fusion. Das dürfte den Abwärtstrend bestätigen.

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Mobilcom und Freenet haben in den vergangenen Monaten immer wieder für Furore gesorgt. Erst wollte die Mutter mit der Tochter verschmelzen und die Tochter wollte nicht. Schließlich verschmolzen beide doch, aber zu den Bedingungen von Freenet.

Begleitet wurde das Ganze von den wunderbasten Kurskapriolen, die die Freenet-Aktie von einem Zwei-Jahres-Teif bei 9,85 Euro im Herbst 2004 bis auf ein Jahreshoch von 25,10 Euro im Januar führten. Seitdem aber ist der Kurs stark auf 18.70 Euro gefallen.

Jahresergebnisse zeigten bereits Belastungen

Nicht anders bei Mobilcom. Vom Allzeittief des Jahres 2002 bei 1,12 Euro hatte sich die Aktie zunächst erholt, 2004 wieder nachgegeben, um dann vom Zwei-Jahres-Zwischentief bei 8,90 Euro bis auf 22,95 Euro im Januar zu steigen, gleichzeitig war dies ein Vier-Jahres-Hoch. Seitdem ging es wieder auf 17,24 Euro abwärts.

Grund dafür sind die Ergebnisse, die die Unternehmen vorgelegt haben und die gerade für Freenet so gar nichts von der Phantasie bestätigten, die die Fusion bei den Anlegern geweckt hatte. Freenet konnte im vergangen Jahr zwar den Umsatz um rund 40 Prozent auf rund 700 Millionen Euro steigern, doch ging das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit im selben Zeitraum um über 17 Prozent auf 80,9 Millionen Euro zurück und der Jahresüberschuß schrumpfte von 60,1 auf 51,2 Millionen Euro.

Mobilcom steigerte im vergangenen Jahr den Umsatz von 1,9 auf 2,1 Milliarden Euro. Jedoch stagnierte das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit bei rund 100 Millionen Euro. Gleichwohl stieg der Jahresüberschuß, was seinerzeit Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz dazu veranlaßte, das Papier für unterbewertet zu erklären. Die im Mai fälligen Zahlen zum ersten Quartal und weitere Nachrichten über den Verlauf der Fusion mit Freenet würden dem Aktienkurs positive Impulse geben.

Deutlich weniger Gewinn im ersten Quartal

Beide Hoffnungen erfüllten sich indes nicht. Mobilcom und Freenet haben im ersten Quartal den harten Preiskampf in der Branche zu spüren bekommen. Trotz höherer Umsätze verbuchten beide Firmen einen deutlichen Ergebnisrückgang. Der Mobilcom-Nettogewinn fiel auf 18 Millionen Euro gefallen nach 28,3 Millionen vor einem Jahr, teilte das Büdelsdorfer Unternehmen am Dienstag mit. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 20,4 Millionen Euro gerechnet. Das operative Ergebnis sank auf 27 Millionen Euro nach 44,1 Millionen im Vorjahr, während der Umsatz auf 522 von 450,6 Millionen zulegte.

Ähnlich sieht das Bild bei Freenet aus: Der Gewinn ist im Auftaktquartal auf 12,1 von 17,4 Millionen Euro gefallen. Während der Umsatz um 37 Prozent auf gut 200 Millionen Euro zulegte, reduzierte sich der operative Gewinn (Ebitda) um ein Viertel auf 27,5 Millionen. Schon im vergangenen Jahr hatte der Preisdruck die Mobiltelefondienste wie auch das Internet-Angebot belastet.

Im ersten Quartal 2006 konnte Freenet zwar 75.000 neue Kunden im Geschäft mit schnellen DSL-Anschlüssen und Mobilcom 180.000 Kunden für die Mobilfunksparte gewinnen. Doch zeigen die Gewinnrückgänge, wie teuer der Umsatz erkauft wurde.

Schuld ist die Deutsche Telekom

Ausführlich beklagt sich Freenet in seiner Ad-hoc-Meldung über seiner Ansicht nach wettbewerbsverzerrende Vorteile, die die Deutsche Telekom anderen Wettbewerbern gewähre. Deshalb habe man die Marketingaufwendungen im ersten Quartal des laufenden Jahres um 50 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2005 auf 13 Millionen Euro erhöht.

„Ein noch stärkeres Kundenwachstum im DSL-Geschäft verhinderten neue Angebote, die im Februar an den Markt kamen und die nach Einschätzung Freenets nur auf extrem vergünstigten „Net-Rental“-Einkaufskonditionen für einige wenige Anbieter basieren - Konditionen, die Freenet auch bei Abschluß des entsprechenden Vertrages nicht gleichermaßen zur Verfügung gestanden hätten und insofern das Freenet-Wachstum deutlich behinderten“, heißt es bei Freenet.

Allerdings vertraue man darauf, daß die Bundesnetzagentur diese Sonderkonditionen der Deutschen Telekom in Kürze unterbinden werde. Hinzu kommt, daß gerade der als zukunftsträchtig geltende Telefonie-Bereich von Freenet „aufgrund der schwierigen Marktbedingungen“ einen Umsatzrückgang verbuchte.

Fusion blockiert

Über die Zahlen von Mobilcom sagte LRP-Analyst Per-Ola Hellgren, der nach den Jahreszahlen noch so optimistisch gewesen war, diese seien enttäuschend ausgefallen. Besonders negativ falle die Entwicklung im Mobilfunkbereich auf, so der Analyst im Gespräch mit Dow Jones Newswires. Hier sei das Ebitda mit elf Millionen Euro deutlich unter der LRP-Schätzung von 17 Millionen Euro geblieben.

Die Ursachen vermutet der Analyst in dem gegenwärtigen Preiskampf in der Branche. Die immer neuen Billigangebote in einem saturierten Markt gingen auf Kosten der Margenentwicklung. Der deutsche Markt sei schlechthin gesättigt. Hellgren senkt das Kursziel für die Mobilcom-Aktie auf 19 von zuvor 22 Euro.

Alls ob schwache Ergebnisse nicht schon schlecht genug wären, äußerte das Landgericht Kiel nach Angaben von Mobilcom am Montag Bedenken gegen die sofortige Freigabe der Fusion mit der Internet-Tochter Freenet. Das Landgericht bezweifle, daß es ein vorrangiges Interesse für eine Eintragung der Fusion gebe und stelle zudem die Wirksamkeit des Hauptversammlungsbeschlusses zum Vergleich mit France Telecom im Januar 2003 in Frage und damit die Wirksamkeit des Vergleichs selbst.

Zwar gibt sich Mobilcom zuversichtlich, die Bedenken des Gerichts innerhalb der gewährten Frist von vier Wochen ausräumen zu können, doch paßt diese schlechte Nachricht einfach in das durch die Zahlen vorgegebene negative Umfeld. Obendrein wird der Vollzug von Aktionärsklagen blockiert.

Trotz vernünftiger Bewertung negativ belastet

Nach Ansicht eines von der Nachrichtenagentur Dow Jones nicht namentlich genannten Analysten, kommt die Entscheidung überraschend. Marktteilnehmer hätten eigentlich mit einer Genehmigung gerechnet. Nun scheine sich der gesamte Prozeß noch weiter in die Länge zu ziehen. „Die Frustration bei den Aktionäre ist bereits jetzt schon sehr hoch“, so der Analyst. Es sei nicht ausgeschlossen, daß viele Investoren nun angesichts dieser weitere Verzögerung die „Reißleine“ ziehen würden.

Insofern verwundert nicht, daß sich die negative Kursentwicklung des laufenden Jahres fortsetzt. Mobilcom geben auf Xetra 3,25 Prozent auf 16,68 Euro nach. Freenet fallen 3,8 Prozent auf 17,99 Euro. Charttechnisch befinden sich beide Aktien im eindeutigen Abwärtstrend. Während Freenet bereit auf Jahrestief notiert, steuert Mobilcom dieses an. Unterbietet die Notiz auch noch das Frühjahrsteif des Vorjahres bei 15,28 Euro, könnte es bis auf zehn Euro abwärts gehen. Freenet ist bei 15 Euro noch einmal unterstützt und hat bis dahin noch etwas mehr Luft. Wichtige Marken liegen bei 15,95 Euro und 17,23 Euro.

Bewertet sind die Papiere von Freenet mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen für das laufende und das kommende Jahr mit 15 und 10,8, die von Mobilcom mit 15 und 13. Diese Bewertung ist an und für sich nicht sonderlich hoch. Indes muß man aufgrund der schwachen Gewinnentwicklung im ersten Quartal davon ausgehen, daß die Jahresergebnisse vielleicht auch nicht die den Schätzungen zugrundeliegenden Werte erreichen.

Da zudem ein eindeutiger Abwärtstrend vorliegt, drängen sich beide Papiere nicht auf. Ändern könnte sich das allerdings dann, wenn das Landgericht in diesem Jahr eine positive Entscheidung für die Fusion fällen würde. Das dürfte als positives Signal verstanden werden und könnte einen Turnaround einleiten, falls die Ergebnisentwicklung nicht so schlecht verläuft, daß der Effekt konterkariert wird.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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