Börsianer sind Könige im Ausblenden. Da enttäuscht Intel und auch von SAP wird mehr erwartet. Eigentlich sollte man meinen, daß es dann kein guter Tag an den Börsen werden sollte.
Weit gefehlt - aus Finnland kommt Nokia mit Zahlen herangeeilt und rettet den Tag. Mit einem satten Plus von 5,44 Prozent verabschiedet sich schließlich die Aktie des weltgrößten Handy-Herstellers aus dem Handel und sorgt am Markt mit für gute Laune.
Gute Margen in China und Indien
Die Zahlen für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres konnten sich auch sehen lassen. Nokia hat dank starker Nachfrage auf praktisch allen Märkten den Aufwärtstrend des Vorjahres fortsetzen können. Umsatz und Gewinn stiegen im ersten Quartal stärker als erwartet. Und vor allem dank Zuwächsen in boomenden Märkten wie China und Indien holte sich Nokia Marktanteile zurück.
Der scheidende Konzern-Chef Jorma Ollila betonte, daß diese Zugewinne nicht auf Kosten der Margen gegangen seien. Auf diesen Wachstumsmärkten kaufen die Verbraucher üblicherweise eher billigere Handys, an denen die Hersteller weniger verdienen. Doch Ollila zufolge konnte Nokia hier auch teurere Modelle verkaufen. „Daher können wir unsere Margen halten und hoffentlich auch weiter verbessern“, sagte er auf CNBC.
Mehr als jedes dritte weltweit verkaufte Handy stammt von dem finnischen Unternehmen. Vor allem die neue N-Serie mit multimediafähigen Handys hätten für zusätzlichen Absatz gesorgt, erklärte das Unternehmen. Der Umsatz erhöhte sich um rund zwei auf 9,5 Milliarden Euro.
Marktanteile zurückerobert
Auch beim Handyabsatz schnitt Nokia besser als erwartet ab. Von Januar bis März seien 75,1 Millionen Handys verkauft worden und damit 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nokia erhöhte damit seinen Marktanteil auf 35 Prozent, obwohl auch die Konkurrenz deutliche Steigerungen verzeichnete. So steigerte die Nummer Zwei Motorola den Handyabsatz um 61 Prozent auf 46,1 Millionen Stück, Samsung Electronics um 18 Prozent auf 29 Millionen und LG Electronics um 41 Prozent auf 15,6 Millionen Stück.
Der Gewinn je Aktie stieg in den ersten drei Monaten auf 0,25 Euro von 0,19 Euro im Vorjahr. Operativ verdiente das Unternehmen 1,367 Milliarden Euro nach 1,118 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Von Reuters befragte Analysten hatten den Gewinn je Aktie im Schnitt mit 0,21 Euro und den Umsatz mit 8,67 Milliarden Euro erwartet.
Im zweiten Quartal will Nokia seinen Marktanteil auf dem gleichen Niveau halten. Insgesamt erwartet das Unternehmen im laufenden Jahr einen Zuwachs des gesamten Mobilfunkmarktes um mindestens 15 Prozent und bekräftigte sein Ziel, den Marktanteil bei Handys und im Netzgeschäft zu steigern.
Durchschnittsverkaufspreise sinken
Indes rechnet Nokia 2006 mit einem branchenweiten Rückgang des Durchschnittsverkaufspreis für Mobiltelefone und Datenkarten. Grund dafür sei zum einen der wachsende Einfluß der Schwellenmärkte, auf denen tendenziell eher preisgünstigere Handys verkauft würden, zum anderen die allgemeine Wettbewerbssituation in der Branche. Der Durchschnittsverkaufspreis lag den Angaben zufolge bei 103 Euro. Das ist im Vergleich zum Wert des Vorjahreszeitraums von 110 Euro ein Rückgang, gemessen am Vorquartalspreis von 99 Euro aber ein Zuwachs.
Branchenanalysten äußerten sich sehr positiv zum Quartalsbericht. „Wenn Nokia ein schlechtes Jahr hat, kann man das schon am ersten Quartal ablesen“, sagte Richard Windsor von Nomura. „Wenn Nokia also ein sehr gutes erstes Quartal abgeliefert hat, ist das ein gutes Omen für den Rest des Jahres.“
Nicolas von Stackelberg, Analyst bei Sal. Oppenheim, bezeichnete die Steigerung des Marktanteils gegenüber dem Vorquartal auf 35 Prozent als „Zahl des Tages“. Der Ausblick lese sich sehr gut. Nokia schlage eine ganz andere Tonlage wie zuletzt die Wettbewerber Motorola und Samsung an der sich zukünftig rückläufig entwickelnde durchschnittliche Handyverkaufspreis stelle keine Überraschung dar.
Trotz Kursanstieg kein neuer Höhenflug
So gut sich die Zahlen lesen, können sie nicht darüber hinwegtäuschen, daß Nokia immer noch der am höchsten bewertete Handy-Hersteller ist. Mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 19,4 für 2006 und 17,4 für 2007 übertrifft er Motorola (17,3/15,2) Samsung (15/12,5) und LG Electronics (10,5/7) bei weitem.
Zwar muß man den Finnen zugute halten, daß ihnen Problembereiche fehlen, wie sie etwa die Koreaner mit den Bereichen Flachbildschirme und Flash-Speicher haben, andererseits muß man schon optimistisch sein, um die höhere Bewertung allein damit und einem guten Ausblick für 2006 zu rechtfertigen.
Auch charttechnisch ergibt sich ein nicht ganz ungetrübtes Bild. Zwar bedeutet der Schlußkurs vom Donnerstag ein neues Jahreshoch für die Aktie. Doch konnte im gesamten Tagesverlauf das Drei-Jahres-Hoch bei 18,86 Euro nicht überwunden werden und so kam es am Nachmittag zu Abgaben. Und selbst wenn das Drei-Jahres-Hoch überwunden werden kann, wartet als nächste Hürde das Vier-Jahres-Hoch bei 20,10 Euro. Erst dann wäre der Weg bis rund 30 Euro frei.
Aber dem steht die Bewertung angesichts eines nicht ganz einfachen und vielerorts gesättigten Marktes entgegen. Nicht zuletzt hat sich der Absatz in Europa leicht rückläufig entwickelt. Unter diesen Umständen erscheint allzuviel Euphorie nicht angebracht und ein Warten auf das Überwinden des DRei-Jahres-Hochs ratsam.