Mit massiven Kursausschlägen reagiert die Aktie der Deutschen Telekom auf den Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer. Noch Minuten nach der entscheidenden Nachricht am Dienstag verzeichnet die Aktie gewaltige Kursgewinne zwischen plus vier und plus zehn Prozent. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Zocker am Werk sind - und garantiert keine langfristigen Anleger. Um 19.00 Uhr lag die Aktie mit einem Plus zum Vortag von acht Prozent bei 11,16 Euro.
Immerhin ein weiteres Plus - nach den verheerenden Kursverlusten der vergangenen Monate und den Rekordtiefs in Serie in den vergangenen Wochen. Damit scheint der Markt letztlich zumindest kurzfristig zu honorieren, dass nach dem jüngsten Theater wenigstens eine entscheidende Vorentscheidung gefallen und damit wieder Bewegung ins Spiel gekommen ist.
Von der Dynamik zum Zentralkomitee
Allerdings dürfte die Interimslösung mit Helmut Sihler nicht auf große Gegenliebe stoßen. Allein schon der Auftritt vor den Kameras dürfte eher an die Rückkehr eines „Zentralkomitees aus älteren Herren“, als an den Aufbruch in eine dynamische Zukunft erinnern. Immerhin ist Sihler nicht ganz unbeteiligt an der Entwicklung, die das Unternehmen unter der Führung von Ron Sommer eingeschlagen hat. Die Hürden liegen hoch. Denn ist die operative Lage mit den extrem hohen Schulden und der begrenzten Ertragssituation schon verfahren genug, so könnten sich die obskuren und absolut unprofessionellen Umstände dieses Wechsels mittel- und langfristig negativ auf das Unternehmen auswirken.
„Es ist ein absolutes Desaster, wie der ganze Prozess sich entwickelt hat“, kommentierte ein Fondsmanager die Lage. Waren schon in der Vergangenheit immer wieder einmal Zweifel über die wahre Unabhängigkeit des Unternehmens vom „Großaktionär Staat“ aufgekommen, so dürften sich die nach den jüngsten Ereignissen ziemlich verdichtet haben. Vor allem angelsächsische Anleger werden davon nicht begeistert sein und dürften sich als potenzielle Anleger eher zurückhalten.
Die Telekom hat keine Zeit zu verlieren
Aber auch andere Gründe sprechen gegen die jetzige Lösung. Denn statt sich auf die eigentlichen betriebswirtschaftlichen Probleme konzentrieren zu können, wird der Vorstand zunächst einmal damit beschäftigt sein, einen neuen Vorstandsvorsitzenden zu finden. Aber gerade in dem schnelllebigen Geschäft der Telekommunikation ist kaum etwas tödlicher, als Stillstand. Und genau das droht nun der Telekom. Wie geht es weiter mit dem Verkauf der Beteiligungen, wie sieht es aus mit den Immobilienbewertungen, wie steht es mit Voicestream, wie laufen die kolportierten Fusionsgespräche mit AT&T Wireless? - Kaum vorstellbar, dass potenzielle Geschäftspartner auf die Führungsintrigen im Vorstand der Telekom Rücksicht nehmen oder gar auf Entscheidungen warten.
Die Zeit drängt - aber bei der Telekom scheint es wieder beamtenmäßig gemächlich herzugehen. Keine guten Aussichten für das Unternehmen. Wo Kursfantasie herkommen soll? Zumindest der vernünftige Anleger wird sie kaum liefern.