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Telefonkonzerne im Kurstief Telekommunikation macht keinen Spaß

 ·  Nicht nur die Deutsche Telekom ist ein Kapitalvernichter erster Güte. Auch andere europäische Telefongesellschaften gehören zu den Verlierern an der Börse. Doch es gibt Ausnahmen.

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Die Zeiten, als Telekommunikationstitel als Volksaktien galten, sind schon lange vorbei. Selbst Manfred Krug, einstige Telekom-Werbeikone, erinnert sich nur äußerst ungern daran, wie er 1996 für den Börsengang der Deutschen Telekom trommelte. Wer damals zum Preis von 28,50 DM einstieg, hat sein Vermögen vervielfachen können - aber nur dann, wenn er auf der Höhe der New Economy zwischen 1999 und 2001 rechtzeitig ausgestiegen ist. Alle anderen müssen seit rund einem Jahrzehnt mit einer Aktie leben, die im Großen und Ganzen nur zwei Trends kennt: seitwärts oder abwärts.

In diesem Jahr hat die Telekom-Aktie ihren Besitzern wenigstens ein paar Wochen Freude bereitet. Doch das Sommerhoch ist längst von einem Herbsttief abgelöst worden. Seit Mitte September geht es nach unten. Die Verluste des Dax-Wertes summieren sich seitdem auf rund 15 Prozent.

Heftige Konkurrenz aus den Nachbarbranchen

Die Deutsche Telekom ist kein Einzelfall. In ganz Europa zählen Telekompapiere derzeit zu den größten Verlierern an der Börse. Ob in Frankreich, in Österreich, in Italien oder Spanien: Mit dieser Branche hat kein Anleger seine Freude, auch nicht längerfristig. Die Aktienkurse der französischen France Télécom und der spanischen Telefónica fallen seit 2008 im Trend beständig, der Kurs der italienischen Telecom Italia gibt schon seit 2005 nach. Diese Entwicklungen haben individuelle Ursachen, liegen aber auch darin begründet, dass Telekomunternehmen in Zeiten wachsender Konkurrenz aus Nachbarbranchen dabei sind, ihr Geschäftsmodell zu überprüfen. Mobilfunk löst das traditionelle Festnetz ab, das Festnetzgeschäft wiederum ist heute ein Geschäft mit Breitbandinternetanschlüssen, und im Mobilfunk nehmen Sprachverbindungen ab, und das Datenvolumen nimmt rapide zu. Mobiles Internet wiederum verlangt nach einem schnellen Netz mit neuester Technik wie LTE - und das kostet Milliarden.

So bleiben nur diejenigen oben, die schnell und ungewöhnlich reagieren - wie ein junges Unternehmen in Frankreich, das als aggressiver Angreifer gegen die Etablierten antritt. Iliad mit seiner Marke „Free“ hat im vergangenen Jahr die vierte und damit vorerst letzte Mobilfunklizenz erhalten. Der Anbieter schlägt der Konkurrenz mit Schnäppchen-Angeboten ein Schnippchen. Seit Jahresbeginn legte die Aktie um 28 Prozent zu, während jene des Marktführers France Télécom um 31 Prozent nachgab. Der von dem Unternehmer Xavier Niel gegründete Anbieter ist mit gut 7 Milliarden Euro Börsenbewertung zwar weit von France Télécom mit seinen 22 Milliarden Euro entfernt. Doch Iliad ist am Aktienmarkt schon mehr wert als der drittgrößte Anbieter Frankreichs, Bouygues Télécom. Dabei sind in der Aktie des Konglomerats Bouygues auch ein umfangreiches Baugeschäft sowie der Betrieb von Autobahnen enthalten. Schon wird über die Aufnahme von Iliad in den Pariser Leitindex CAC-40 spekuliert. In dieser Woche hat JP Morgan seine Empfehlung für Iliad von neutral auf übergewichten erhöht. Die Aktie der Iliad-Gruppe, die zu zwei Dritteln dem Gründer Niel gehört, könnte von rund 122 Euro auf 140 bis 155 Euro klettern, heißt es.

France Télécom muss Aktionäre auf 2014 vertrösten

Angetrieben wurden die Kursgewinne in jüngster Zeit von Gerüchten, dass Iliad mit dem zweitgrößten Anbieter Frankreichs, SFR, fusionieren könnte. Sein Eigentümer, die Vivendi-Gruppe, arbeitet an einer Neuausrichtung. SFR ist wie France Télécom und Bouygues durch die Billigangebote von Iliad/Free geschwächt worden. Der neue Angreifer profitiert dabei von Abmachungen mit France Télécom, dessen Netzwerk er nutzen darf. Die französische Wettbewerbsbehörde prüft derzeit diese Vereinbarungen auf Kartellverstöße. Auch eine Fusion mit SFR wäre aus diesem Grund eher unwahrscheinlich, meinen die Analysten von JP Morgan.

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