07.09.2007 · Wie gut läuft Apples iPhone wirklich, fragen sich Anleger. Die am Mittwoch verkündete Preisreduktion hat viele Kunden verärgert. Warum will Apple den Umsatz so heftig ankurbeln? Indes könnte die Geschichte auch ein Happy-End haben.
Was war das für eine Begeisterung! Als Ende Juni der Verkauf des Apple iPhone begann, hatten Apple-Enthusiasten bereits mehrere Tage vor dem offiziellen Marktstart vor dem Laden des Unternehmens an der Fifth Avenue in New York die Zelte aufgeschlagen, nur um ja als erste zu den glücklichen Besitzern des neuen Handys zu gehören.
Auch die Börse wurde hysterisch und jagte angesichts von Prognosen, die von einem Absatz von bis zu 700.000 Stück in den ersten Handelstagen den Aktienkurs um knapp fünf Prozent nach oben und dann immer weiter bis auf ein Allzeithoch von 146 Dollar Ende Juli.
Wie verkauft sich das iPhone?
Indes kam schon mit den Quartalszahlen Ende Juli eine erste leichte Ernüchterung, auch wenn Apple die Erwartungen „pulverisierte“, wie sich Branchenanalystin Shannon Cross auszudrücken beliebte. Indes bezog sie sich auf den starken Absatz von Macintosh-Computern und nicht auf das iPhone, das immerhin 270.000mal verkauft wurde, was die Analysten überwiegend zufrieden stellte.
Was die Anleger allerdings zuvor schon enttäuscht hatte, war die Mitteilung des Exklusivpartners AT&T hatte erklärt, in den beiden Tagen „nur“ 146.000 Geräte freigeschaltet zu haben. Das jedenfalls sorgte für anhaltende Zweifel, ob das iPhone tatsächlich so stark einschlägt, wie erwartet.
Mitte August hatten sich die Zweifler wieder beruhigt. Immerhin hatte Apple-Konzernchef Steve Jobs die Devise ausgegeben, bis zum Ende des laufenden Quartals eine Million iPhones abzusetzen und die Analysten der UBS gingen sogar von etwas mehr aus.
Anscheinend muss es besser werden
Noch am Dienstag erlebte die Aktie im Vorfeld einer Veranstaltung in San Francisco am Mittwoch daher einen neuen Höhenflug. Beobachter erwarteten, dass Vorstandschef Steve Jobs neue Versionen des iPod vorstellen werde. Außerdem sorgte für gute Stimmung, dass das Marktforschungsinstitut mit dem sinnfälligen Namen iSuppli berichtete, das iPhone verkaufe sich gut.
Doch dann kam alles ganz anders. Zwar hat Apple wie erwartet seine iPod-Linie komplett überarbeitet - doch wurde auch der Preis des iPhones drastisch reduziert. Der Preis für das Modell mit acht Gigabyte Speicher wird um 200 Dollar oder rund ein Drittel auf 399 Dollar gesenkt, das kleinere Modell mit vier Gigabyte ganz vom Markt genommen werden. „Wir wollen den iPhone erschwinglicher machen“, sagte Jobs bei der Präsentation. Man wolle die Ferienverkäufe antreiben, sagte der Manager. Apple liege im Plan, bis Ende September eine Million Mobiltelefone zu verkaufen.
„Die schlechte Nachricht ist, dass es die Rentabilität belasten wird“, sagt auch Gene Munster, Analyst bei Piper Jaffray. Daid Bailey, Analyst bei Goldman Sachs schätzt die Belastung auf zehn Cents je Aktie. Das wären allerdings nur wenig mehr als 2,5 Prozent des im Durchschnitt prognostizierten Gewinns. Außerdem geht Bailey davon aus, dass der „Mac“ und neue iPods diese Verluste wettmachen können.
Indes wechselt man eine erfolgreiche Strategie nicht so kurz nach dem Marktstart aus. Apples Erfolg hängt vom Image seiner Produkte ab, und dies zu einem Gutteil bei einer Gruppe von enthusiastischen Stammkunden, die sich selbst als „Appleholics“ bezeichnen.
Wie ernst Apple dieser Umstand ist, zeigt sich nicht zuletzt in der Reaktion der Erstkunden und der darauf folgenden Gegenreaktion des Unternehmens. Apple erhielt nach eigenem Bekunden zahlreiche Beschwerden per E-Mail von Käufern, die druch die rasche Preissenkung verärgert sind.
In einem Interview mit „USA Today“ zeigte sich Jobs darufhin zunächst wenig einsichtig und erklärte, Besitzer des iPhones sollten „dahin zurückgehen, wo sie ihn gekauft haben, und mit ihnen reden“. Der Konzernchef erklärte aber auch, es werde immer Leute geben, die viel Geld für die neuesten elektronischen Geräte ausgäben, und sich später darüber ärgerten, dass die Preise fielen.
Doch die Verärgerung der Kunden scheint spürbar zu sein. Denn am Donnerstag hat sich Jobs bei den Erstkunden entschuldigt und ihnen eine Gutschrift versprochen. In einer am Donnerstag auf der Website des Unternehmens veröffentlichten Erklärung räumte Jobs ein, dass Apple Kunden enttäuscht habe. Nun sollen die Erstkäufer einen Gutschein über 100 Dollar erhalten.
Finanziell hält sich diese Belastung in Grenzen. Geht man von rund 700.000 Kunden aus, so beliefe sich die Summe der Gutschriften auf 70 Millionen Dollar, die indes zum einen wohl nicht komplett abgerufen wird und zum anderen zumindest zu einem kleinen Teil in zusätzliche Produktumsätze eingehen dürfte.
Neue Produktvarianten sollen Beitrag leisten
Zum Beispiel in die neue Variante des iPod, den iPod Touch. Dieser ist mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm nach dem Vorbild des iPhones ausgestattet und soll mittels eines drahtlosen Zugang in Starbucks-Cafés kostenlos einen Zugang zu Apples Musikladen iTunes ermöglichen. Auch Videos von YouTube sollen auf ihm abgespielt werden können. Zudem soll der neue, noch dünnere iPod Nano auch in der Lage sein, Videos und Spiele zu verarbeiten.
Apple hält mit neuen Ideen und Variationen seine Kundschaft in Atem und hat es bisher verstanden, Rückschläge gut wegzustecken. Vergessen ist, dass es beim iPod Nano anfangs Schwierigkeiten mit verkratzten und gebrochenen Bildschirmen gab.
Die Marke Apple ist weiter stark und Steve Jobs reitet diese Welle auch über so manche Sandbank hinweg. Auch Munster gibt sich gelassen: „Wenn der Absatz des iPhones senkrecht nach oben geht, werden die Anleger glücklich sein.“
Insofern könnten die Abgaben durchaus temporärer Natur seien, selbst wenn sich der Aktienkurs mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von rund 37 für das laufende und 32 für das kommende Jahr jeder Bewertungsschwerkraft entzogen hat.
Andererseits hat die Preissenkung schon einen breiteren Imageschaden angerichtet als seinerzeit die vergleichsweise wenigen fehlerhaften iPod Nanos. Sollte Apple das Verkaufsziel zum Ende des Monats nicht erreichen oder das iPhone anderweitig enttäuschen, könnte dies den Aktienkurs deutlich belasten. Viel Spielraum zur Prognoseverfehlung hat das Unternehmen hier nicht mehr.
In zwischen zweifeln einige Analysten auch am Geschäftsmodell. Für eine exklusive Bindung an einen Netzbetreiber sei das Gerät zu teuer. Die Internet-Verbindung sei zudem langsamer als die von Verizon und Sprint Nextel. AT&T habe einen Qualitätsrückstand, schrieben andere Experten.
Apple-Aktie braucht Unterstützung
Bedenklich stimmt auch, dass die schlechten Nachrichten verhindert haben, dass der Kurs auf ein neues Allzeithoch vorgestoßen ist. Das könnte als Konsolidierungszeichen gewertet werden, allzumal, die Marke von 146 Dollar nunmehr als Widerstandslinie gelten muss.
Hinzu kommt, dass trotz aller Neuheiten die Kursreaktion eindeutig negativ ist. Sollten bei Vorlage der Quartalszahlen Ende Oktober Zweifel an der erfolgreichen Entwicklung bleiben, könnte es daher zu einer länger anhaltenden Konsolidierung kommen, obgleich dies nicht wahrscheinlich ist.
Was der Apple-Aktie jetzt aber fehlt, ist Nachholpotential auf der Bewertungsseite, das zu Schnäppchenkäufen veranlassen könnte. Eine erste Unterstützung hat die Notierung in der Region von 122 Dollar, dann aber wieder erst im Bereich zwischen 85 und 95 Euro.
Einfluss hat die Nachricht auch für die Zulieferer. So schwankt die Aktie des Bildschirmherstellers Balda zwischen Hoffnung auf den iPod Touch und Verzagen wegen des iPhones.
Balda-Aktie zwischen Hoffen und Bangen
Die Analysten der WestLB stuften das Papier von „hold“ auf „sell“ herab, weil man davon ausgeht, dass die „dramatische“ Preissenkung beim iPhone auf die Marge drücken werde. Selbst das von Analyst Thomas Langer prognostizierte starke Weihnachtsgeschäft werde Balda nicht helfen können. Die in der Geschichte der Unterhaltungselektronik beispiellose Preissenkung Apples werde die Marge des Hauptzulieferers drücken, da Apple normalerweise Verträge mit seinen Zulieferern habe, die die eigenen Margen des amerikanischen Unternehmens schützten.
Für die Balda-Aktie kommen die Nachrichten zur Unzeit. Denn die Meldung über einen Großauftrag hatte die Aktiennotierung erst vor zehn Tagen aus ihrem Abwärtstrend gerissen. Doch lange bevor sie die Widerstandslinie bei zehn Euro erreichen konnte, hat sie nun einen Dämpfer erhalten und das ist bei geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 34,6 für das laufende Jahr problematisch, weil es die prognostizierte Verbesserung des KGV auf 11,6 im kommenden Jahr fraglich erscheinen lässt.
Indes könnten Apples Maßnahmen auch darauf hindeuten, dass die Konkurrenz im Mobilfunkbereich nicht schläft. Während sich das Unternehmen mit seinen Rechnern eine komfortable Nischenposition auszubauen versteht und mit dem iPod in ein eher fragmentierte Branche vorstieß, ist die Handy-Branche viel stärker vermachtet und umkämpft. Konkurrenzprodukte zum iPhone ließen nicht lange auf sich warten. Das könnte zwar Apple stärkere Schwierigkeiten machen, aber das Geschäft von Balda durchaus beleben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |