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Technologie "Politische Finanzierungsrunde" bei Cargolifter?

16.01.2002 ·  Der Versuchsballon bei Cargolifter hebt nicht ab, der Aktienkurs bricht ein. Nun soll wohl auch der Steuerzahler dafür bluten.

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Einfach nur gigantisch oder größenwahnsinnig? Viele, die sich für das Projekt zur Entwicklung und Produktion eines Groß-Luftschiffes namens Cargolifter als „fliegenden Kran“ interessieren, dürfte sich diese Frage immer dringlicher stellen.

Vor allem, wenn Refinanzierungsrunde um Refinanzierungsrunde gedreht werden muss, um das ganze Unternehmen überhaupt am Leben zu erhalten.

Privatanleger verprellt?

Wurden bisher vor allem Privatinvestoren in Anspruch genommen, so scheint dieses „Finanzierungsreservoir“ vertrauensseliger und technikbegeisterter Anleger mittlerweile weitgehend erschöpft zu sein. Denn nur so dürfte sich erklären lassen, dass Cargolifter nun mit dem Bund und dem Land Brandenburg über eine Unterstützung durch die Öffentliche Hand verhandelt. Solche Gespräche wurden am Mittwoch bestätigt, eine Zusage für eine Bund-/Land-Bürgschaft habe das Unternehmen bereits seit dem vergangenen Jahr. Die Aktie des MDax-Unternehmens verlor auf Grund dieser Mitteilung knapp 40 Prozent ihres Wertes auf 3,2 Euro und setzte damit dem andauernden Abwärtstrend eine Krone auf.

Cargolifter benötige bis Ende August weitere 100 Millionen Euro, um die Produktion eines Prototyps des Transport-Luftschiffes CL 160 planmäßig vornehmen zu können, teilt die Firma weiter mit. Ansonsten gebe es die Möglichkeit, Investitionen eventuell zu verschieben. Zum Jahreswechsel habe das Unternehmen noch über etwa 40 Millionen Euro liquide Mittel verfügt, die noch bis zum März reichen würden.

Kommt es zu einer "politischen Finanzierungsrunde"?

Auch wenn sich das Unternehmen zuversichtlich gibt, nicht auf staatliche Mittel angewiesen zu sein, der Markt spricht eine ganz andere Sprache. Er scheint nur noch wenig Vertrauen in das Projekt zu haben. Wie soll erst die angestrebte Serienproduktion in Gang kommen, wenn die Entwicklung des Prototyps schon auf extrem wackligen Beinen steht? Wie sieht es aus mit den ganzen technologischen Risiken?

Wieso sollte nun der Staat überhaupt so ein „Prestigeobjekt“ finanzieren, wenn sich private ganz offensichtlich damit nicht die Finger verbrennen wollen?

Es lässt sich wohl vermuten, dass die Vorwahlphase ausgenutzt werden soll, um den „Versuchsballon“ noch etwas weiter „aufpumpen“ zu können. Denn zu viel mehr praktisch erkennbarem als dem Transport-Ballon CL 75 AirCrane ist es abgesehen von der großen Halle in Brandenburg bisher noch nicht gekommen. Aber genau die würde sich im anstehenden Bundestagswahlkampf um Wählerstimmen im „Wilden Osten“ als gigantische Investitionsruine schlecht darstellen.

Bleibt nur zu hoffen, dass neben den bisherigen Anlegern nicht auch noch die Steuerzahler für ein eher dubioses Projekt bluten müssen. Ganz nach dem ach so fernsehträchtigen Motto „Leute, wir haben es geschafft“.

Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Cargolifter-Aktie seit dem Börsengang.

Quelle: @cri
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