Die Aktie von Nokia liegt am Donnerstag einsam am Ende des EuroStoxx 50-Index. Der finnische Titel verliert am deutschen Markt gut 9,6 Prozent auf 13,22 Euro, lag aber im Handelsverlauf schon mit gut elf Prozent im Minus. Der Grund: Der weltgrößte Handy-Hersteller hat mit seinem Gewinn im zweiten Quartal sowie dem Gewinn-Ausblick für das dritte Quartal die Analysten-Erwartungen verfehlt und seine Aktie damit auf Talfahrt geschickt.
Am Dienstag hatte Hauptkonkurrent Motorola noch mit sehr guten Zahlen geglänzt und einen zuversichtlichen Ausblick gegeben (Motorola-Aktie hat einen Lauf, ist aber nicht günstig). Auch der Elektronikkonzern Samsung, der bei hochpreisigen Mobiltelefonen auf dem Vormarsch ist, hat besser abgeschnitten als von Analysten erwartet.
Nokia erleidet mithin den dritten größeren Einbruch seit Jahresbeginn, was die bisher schöne Jahres- und Halbjahres-Performande deutlich trübt. Schon Ende Januar war die Notiz innerhalb weniger Tage um zehn Prozent gefallen und im April um sechs Prozent. Trotz des aktuellen Kurstauchers ist der seit August vergangenen Jahres ausgebildete Aufwärtstrend intakt; auch hält sich die Aktie über der charttechnischen Unterstützung bei 13 Euro. Allerdings könnte die Aktie diese Marke ernsthaft testen, denn der Ausblick mutet recht matt an. Mit der Prognose für das dritte Quartal liegt Nokia ebenfalls unter den Erwartungen der Marktteilnehmer.
Quartalsgewinn um 20 Prozent gestiegen
Zwar sei die Zahl der ausgelieferten Mobiltelefone im zweiten Quartal um 34 Prozent gestiegen, teilte Nokia mit. Der Durchschnittspreis je verkauftem Handy sei aber aufgrund starker Konkurrenz etwa von LG Electronics und Samsung auf 105 Euro von 110 Euro im Vorquartal gesunken. Die operative Marge sank auf 12,5 von 13,7 Prozent im Vorjahr.
Den Gewinn je Aktie im zweiten Quartal bezifferte Nokia am Donnerstag mit 0,18 Euro, nach 0,15 Euro vor Jahresfrist. Damit lag der Konzern am oberen Ende der im April selbst gesetzten Spanne. 30 von Reuters befragte Analysten hatten jedoch im Durchschnitt mit 0,19 Euro gerechnet. Auch beim Vorsteuergewinn blieb der Mobiltelefon-Hersteller mit 1,11 Milliarden Euro hinter der Experten-Prognose von 1,22 Milliarden Euro zurück.
Für das dritte Quartal rechnet Nokia mit einem Gewinn je Aktie von 0,14 bis 0,17 Euro nach 0,15 Euro im Vorjahr und einem Umsatz von 7,9 bis 8,2 Milliarden Euro. Analysten hatten einen Gewinn von 0,2 Euro je Aktie und einen Umsatz von 8,16 Milliarden Euro erwartet. Aufgrund des Anstiegs bei den Auslieferungen erhöhte Nokia seine Branchen-Prognose für die Zahl der weltweit verkauften Handys im laufenden Jahr auf 760 Millionen Stück.
J.P. Morgan: Investoren dürften negativ reagieren
Analysten äußerten sich überwiegend nachdenklich. Der schwache Ausblick auf das dritte Quartal überschatte die Ergebnisse des zweiten Vierteljahres, so Damien Chew von der ING Groep zu Dow Jones-vwd. Er empfiehlt gleichwohl, Nokia zu halten. „Sowohl die Margen als auch der durchschnittliche Verkaufspreis liegen unter den Markterwartungen“, sagte Mark Davis Jones von J.P. Morgan. Bemekenswert sei, daß Nokia künftig keine Gewinnprognosen mehr geben wolle. Der Zeitpunkt für die Mitteilung sei unglücklich gewählt. Investoren dürften negativ reagieren. Bis auf weiteres bewertet Jones den Titel aber mit „neutral“.
Dagegen empfiehlt Independent Research mit der Einstufung „akkumulieren“, die Aktie im Depot aufzubauen. Das Kursziel hat IR von 15,40 Euro auf 16 Euro angehoben. Begründung: Die Vorgaben aus dem Mobilfunkmarkt seien gut, und Nokia sollte den Marktanteil verbessern und vor allem im Brasilien, China und Indien wachsen können. Das Analysehaus gab seine Einschätzung aber vor der Vorlage der Quartalszahlen ab.
Aktie muß Unterstützung nutzen
Mehr als eine Halte-Position dürfte Nokia derzeit angesichts der Prognose aber kaum sein. Immerhin sehen Motorola und Samsung besser aus. Nokia-Aktionäre, die noch nicht verkauft haben, können darauf spekulieren, daß die Talfahrt nicht lange anhalten wird und der Titel sich wie schon zweimal in diesem Jahr wieder erholen wird. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,7 liegt er zwischen Motorola und Samsung. Nokia ist mithin weder günstig noch teuer und bietet mit 2,5 Prozent eine ordentliche Dividendenrendite.
Um nicht weniger als eine Halte-Position zu werden, muß der Titel aber die Unterstützung bei 13 Euro nutzen. Andernfalls könnte er auf rund 12,20 Euro durchgereicht werden, denn erst dort liegt die nächste technische Haltezone.