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Technologie Infosys-Aktie profitiert von operativer Dynamik

12.10.2004 ·  Indische Softwareunternehmen können auf Grund ihrer starken Wettbewerbsfähigkeit Aufträge im Ausland akquirieren. Infosys konnte Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal deutlich steigern, die Aktie befindet sich im Aufwärtstrend.

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Mit deutlichen Krusgewinnen konnte sich in den vergangenen Monaten die Aktie des indischen Software- und Dienstleistungsunternehmens Infosys von ihren Tiefs erholen. Allein seit Mai des vergangenen Jahres hat das Papier in lokaler Währung 183 Prozent auf zuletzt 1.712 indische Rupien zugelegt. Der Trend zeigt weiterhin nach oben.

Diese Entwicklung kommt sicherlich nicht ganz überaschend. Denn das Unternehmen, der zweitgrößte Softwarekonzern Indiens, hat die Erwartungen im zweiten Geschäftsquartal übertroffen. Der Gewinn kletterte in den drei Monaten bis Ende September 49 Prozent, nachdem das Auftragsvolumen deutlich zunahm.

Immer mehr Aufträge aus dem Ausland

Infosys und Konkurrenten wie Tata Consultancy Services und Wipro erhalten mehr Aufträge aus dem Ausland, weil sie wegen ihrer niedrigeren Lohnkosten sehr preiswert sind. Große Aufträge von Konzernen wie Aetna , der drittgrößten amerikanischen Krankenversicherung, bewogen Infosys, die Gewinn- und Umsatzprognose für das Gesamtjahr anzuheben.

Der Nettogewinn schnellte auf 4,47 Milliarden Rupien oder umgerechnet 79 Millionen Euro, das entspricht 16,34 Rupien pro Aktie. Analysten hatten durchschnittlich mit 4,31 Milliarden Rupien gerechnet. Das Unternehmen steigerte den Umsatz in den drei Monaten bis Ende September 54 Prozent auf 17,5 Milliarden Rupien.

Für das Geschäftsjahr bis Ende März rechnet Infosys jetzt mit einem Gewinnanstieg von 43 Prozent auf 67 Rupien pro Aktie. Noch im Juli hatte das Unternehmen mit 34 Prozent Zuwachs gerechnet. Die Umsatzprognose wurde von 67,72 Milliarden Rupien auf 71,3 Milliarden Rupien bis 71,6 Milliarden Rupien angehoben.

Im abgelaufenen Quartal hat Infosys die Zahl der Mitarbeiter um 5.010 aufgestockt. Im zweiten Geschäftshalbjahr sollen weitere 4000 bis 4500 hinzukommen, erklärte Personalchefin Hema Ravichandar. "Sie haben eine ganze Menge Mitarbeiter neu eingestellt. Das signalisiert, wie sie die Aussichten im nächsten Jahr einschätzen. Sie sind anscheinend optimistisch, was das Outsourcing angeht", sagte Viswanathan Vasudevan, Vermögensverwalter bei Aquarius Investment Advisors in Singapur.

Neue Kunden und neue Aufträge von „bestehenden“

In den drei Monaten bis Ende September konnte das Unternehmen 32 neue Kunden gewinnen, während im Quartal davor 29 hinzugekommen waren. Bereits zuvor hatte Infosys erklärt, daß 99 Prozent der 419 Großkunden ihre Aufträge erneuert hätten. "Outsourcing wird in der Branche immer beliebter und immer mehr Unternehmen bauen ihre Beziehungen zu Infosys aus, um ihre Konkurrenzfähigkeit zu erhöhen", erklärte Infosys-Vorstandschef Nandan M. Nilekani in einer Stellungnahme.

In Indien verdient ein Software-Programmierer im Jahr etwa 12.000 Dollar oder umgerechnet 9.750 Euro. Das entspricht lediglich einem Sechstel dessen, was ein vergleichbarer Spezialist in Amerika oder Europa erhält. Da Konzerne wie IBM oder Accenture ihr Engagement in Indien ausweiten, wächst die Nachfrage nach Programmierern in dem Land. Um dennoch die Lohnsteigerungen und Abwanderung von Personal in Grenzen zu halten, stellen indische Unternehmen verstärkt Universitätsabsolventen ein. Die indischen Softwareanbieter setzen mehr als 60 Prozent in Amerika um.

Politische Unsicherheiten, ambitionierte Bewertung, Aufwärtstrend

"Wir haben die politischen Unsicherheiten in unsere Prognosen eingerechnet", erläuterte Nilekani in der Pressekonferenz. Im amerikanischen Wahlkampf ist Outsourcing zu einem wichtigen Thema geworden, da es der weltgrößten Volkswirtschaft nicht gelingt, so schnell neue Stellen zu schaffen, wie in früheren Aufschwungperioden. Um zu verhindern, daß immer mehr Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden, kündigte der amerikanische Präsident George Bush ein Gesetz an, wonach keine Regierungsaufträge mehr ins Ausland vergeben werden dürfen. Auch sein Herausforderer John Kerry kündigte an, etwas gegen die Abwanderung unternehmen zu wollen.

"Ein großer Teil der Outsourcing-Kritik kommt aus der Politik", konstatierte Sanjay Sinha, Vermögensverwalter bei UTI Asset Management in Mumbai, im TV-Interview mit Bloomberg News. "Sobald die amerikanischen Wahlen vorbei sind, wird sich das wieder legen."

Auf dieser Basis dürften sowohl das Unternehmen und damit auch die Aktie weiteres Potential haben. Mit Kurs-Gewionnverhältnissen von knapp 26 und 21 auf Basis der Gewinnschätzungen ist die Aktie sicherlich kein Schnäppchen. Aber Wachstumswerte werden immer höher bewertet. Und auf Grund der Wettbewerbsvorteile dürfte das Wachstum anhalten. Auch der Trend zeigt weiterhin nach oben. Allerdings dürfte es ratsam sein, Positionen abzusichern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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