Home
http://www.faz.net/-gv7-qxrk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Technologie Infineon - schlechteste Aktie im Dax

03.12.2008 ·  Infineon ist seit Jahren die schlechteste Aktie im Dax. Schwache Zahlen und ein ebenso schwacher Ausblick sprechen für sich. Sollte die Tochter Qimonda in die Pleite rutschen, würde das Unternehmen zusätzlich belastet werden.

Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (1)

Welcher Dax-Wert hat sich seit Anfang des Jahres 2000 am schlechtesten entwickelt? Nein, es sind nicht die damals völlig überbewerteten Anteilsscheine der Deutschen Telekom, sondern es sind die Papiere von Infineon.

Nach dem Börsengang zu 35 Euro am 13. März konnten sie im Rahmen der damals gerade in den letzten Zuckungen liegenden Telekommunikations- und Technologieeuphorie zunächst noch 164 Prozent zulegen. Danach drehte der Kurs jedoch kräftig nach unten. In der Kredit getriebenen Hausse der Jahre 2003 bis 2007 kam es gerade einmal zu einer Stabilisierung der Kursentwicklung, während es in den vergangenen Monaten noch einmal kräftig nach unten ging.

Infineon-Papiere haben inzwischen 96 Prozent ihres anfänglichen Wertes verloren

Inzwischen hat die Aktie 96,4 Prozent ihres Ausgabewertes verloren auf zuletzt 1,25 Euro. Alleine am Mittwoch geht es um bis zu 29 Prozent nach unten. Ausgehend von Kurshoch beträgt der Kursverlust 98,6 Prozent. Weitere Kursverluste scheinen wahrscheinlich zu sein. Schließlich war das Unternehmen noch nie nachhaltig profitabel.

Die Problematik zeigt sich am Beispiel der am Mittwoch vorgelegten Umsatz- und Ertragszahlen für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr und das vierte Quartal. Das Unternehmen konnte im vierten Quartal zwar den Umsatz währungsbereinigt im Vergleich mit der Vorjahresperiode um vier Prozent auf 1,153 Milliarden Euro steigern. Allerdings erzielte das Unternehmen dabei einen operativen Verlust vor Steuern und Zinsen von 220 Millionen Euro. Darin sind nach Unternehmensangaben Sonderaufwendungen in Höhe von 253 Millionen Euro für das laufende Kostensenkungsprogramm enthalten.

Das Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten betrug im vierten Geschäftsquartal minus 244 Millionen Euro oder minus 0,33 Euro je Aktie. Das Ergebnis aus nicht fortgeführten Aktivitäten betrug im vierten Quartal minus 519 Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie aus nicht fortgeführten Aktivitäten lag bei minus 0,69 Euro. Im vierten Quartal verzeichnete der Infineon-Konzern einen Konzernfehlbetrag von 763 Millionen Euro und einen Konzernfehlbetrag je Aktie von 1,02 Euro.

Auch die weiteren Aussichten sind nicht sonderlich positiv. Die globale Finanzkrise und die generelle Abschwächung der weltweiten Konjunktur hätten beträchtliche Auswirkungen auf die Nachfrage in allen Zielmärkten, teilte das Unternehmen mit. Dies werde im ersten Geschäftsquartal 2009 zu einem Umsatzrückgang in den fünf operativen Segmenten führen.

Schwacher Ausblick - Risiken bei einer Qimonda-Pleite

Es geht davon aus, dass der Umsatz aus fortgeführten Aktivitäten im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2009 gegenüber dem Vorquartal um etwa 30 Prozent zurückgehen wird, hauptsächlich auf Grund von Umsatzrückgängen in den Segmenten Automotive, Wireless Solutions und Industrial & Multimarket. Die Ursachen lägen in beträchtlichen Produktionseinschränkungen im weltweiten Automobilmarkt, der Reduzierung von Lagerbeständen in der gesamten Zulieferkette sowie einer generellen Nachfrageschwäche. Das Ergebnis werde im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2009 nach IFRS signifikant zurückgehen, heißt es weiter. Gründe hierfür der starke Umsatzrückgang, die eringe Kapazitätsauslastung und ein letztes Quartal mit vorübergehend höheren Kosten, da die Lieferungen von DRAM-Wafern aus Infineons 200-Millimeter-Fertigungsstätte in Dresden an Qimonda im dritten Quartal beendet wurden. Die Marge bezogen auf das Segmentergebnis in Summe werde voraussichtlich in einem mittleren bis hohen negativen Zehner-Prozentbereich liegen.

Das gesamte Geschäftsjahr schloss Infineon mit einem Fehlbetrag von 3,12 Milliarden Euro ab, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Auch für das laufende Jahr rechnet Infineon mit Verlusten.

Der Halbleiter-Konzern Infineon wolle seine Speicherchip-Tochter Qimonda im Notfall nicht mehr wie geplant verschenken, hieß es weiter. „Angesichts des aktuellen Kursniveaus der Qimonda-Aktie ist Infineon der Ansicht, dass die Zuteilung der Qimonda-Aktien an Infineon-Aktionäre in Form einer Sachdividende keine sinnvolle Maßnahme mehr ist“, teile Infineon mit. Das Unternehmen konzentriere sich nun auf eine „Transaktion mit einem Interessenten“. Dadurch gebe es aber keine Sicherheit mehr, dass der Anteil an Qimonda wie vorgesehen von 77,5 Prozent auf unter 50 Prozent zur Hauptversammlung falle.

Qimonda hatte am Montag angekündigt, mit mehreren möglichen Partnern in Verhandlungen zu stehen und einen Abschluss bis Mitte Dezember anzustreben. Dabei hatte der Speicherchip-Hersteller aber auch vor einer möglichen Insolvenz binnen vier Monaten gewarnt. Das alleine sprach schon für sich. Nun warnt auch Infineon selbst: „Für den Fall, dass Qimonda seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann, könnte Infineon bestimmten erheblichen Verbindlichkeiten des Qimonda-Geschäfts ausgesetzt sein.“ Als Beispiele führte Infineon Kartell- und wertpapierrechtliche Verfahren, die eventuelle Rückzahlung öffentlicher Fördermittel und finanzielle Forderungen im Zusammenhang mit Mitarbeitern an. Auch das spricht für sich. Anleger dürften die Aktie weiterhin links liegen lassen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%