Der Münchener Halbleiterhersteller Infineon hat mit dem Börsengang seiner Speicherchipsparte Qimonda in New York eine Bauchlandung erlebt. Qimonda sah sich gezwungen, den Ausgabepreis für seine Aktien drastisch zu reduzieren, auch das Emissionsvolumen wurde erheblich gekürzt.
Der Preis für die Qimonda-Titel wurde auf nur 13 Dollar festgelegt, erhofft hatte sich das Unternehmen zwischen 16 und 18 Dollar. Der korrigierte Preis entpuppte sich als realistischer. Zumindest schaffte Qimonda am ersten Börsentag Kursgewinne: Im frühen Handel notierte das Papier um 13,35 Dollar.
Fehlstart von Qimonda kam nicht aus heiterem Himmel
Der Fehlstart kam nicht ganz aus heiterem Himmel, nachdem an den Finanzmärkten in den vergangenen Tagen bereits von einer dürftigen Resonanz die Rede war. Dennoch haben die Abstriche bei Preis und Zahl der verkauften Aktien in ihrer Deutlichkeit überrascht. Der Qimonda-Börsengang bildet somit einen krassen Gegensatz zur Erstnotiz von Infineon im Jahr 2000: Infineon kam auf dem Höhepunkt der Aktienbegeisterung in Deutschland auf dem Markt und löste bei Kleinanlegern geradezu eine Hysterie aus. Die Emission war mehrfach überzeichnet. Freilich ging es seither bergab: Die Aktie kostet heute weniger als ein Zehntel ihres Höchstwertes aus dem Jahr 2000. Den schlechten Börsenstart von Qimonda nahmen die Infineon-Anleger nun aber gelassen hin, die Aktie notiert im Handelsverlauf um 8,40 Euro leicht im Plus.
Qimonda-Vorstandschef Kin Wah Loh machte das schwache Marktumfeld an der Börse für die geschrumpfte Emission verantwortlich und verwies darauf, daß in den vergangenen Wochen viele Börsengänge ganz abgesagt worden sind. Auch bei Qimonda war in den vergangenen Tagen über eine Verschiebung oder eine Absage spekuliert worden. Wie Loh vor Börsenbeginn an der New York Stock Exchange sagte, habe dies aber nie zur Diskussion gestanden. "Wir gehen nicht wegen des Marktumfeldes an die Börse, sondern weil es eine strategische Entscheidung der Muttergesellschaft Infineon gibt, die Speicherchipsparte abzuspalten." Infineon will sich von Qimonda - seiner gemessen am Umsatz mit Abstand größten Sparte - trennen, weil das Speicherchipgeschäft sehr schwankungsanfällig ist.
Freilich gibt Infineon nun nicht annähernd so viele Anteile an Qimonda ab wie zunächst gedacht: Geplant war, 42 Millionen amerikanische Aktienzertifikate (American Depository Receipts, ADRs) aus einer Kapitalerhöhung zuzüglich 21 Millionen Papieren von Infineon zu verkaufen. Daneben war eine Mehrzuteilungsoption von 9,45 Millionen ADRs vorgesehen. Nun aber wurden nur die Papiere aus der Kapitalerhöhung verkauft, Infineon behält seine Anteile, die Mehrzuteilungsoption liegt bei nur noch 6,3 Millionen ADRs. Ob dieser Greenshoe, der von Infineon kommen würde, ausgeübt wird, werden die Konsortialbanken entscheiden. An der grundsätzlichen Entscheidung, sich schrittweise ganz von Qimonda trennen zu wollen, hat sich nach den Worten von Infineon-Vorstandschef Wolfgang Ziebart nach dem flauen Börsengang nichts geändert. Börsenvorschriften verbieten Infineon nun aber erst einmal in den nächsten 190 Tagen Aktienverkäufe.
Emissionserlös liegt weit unter den Erwartungen
Der Emissionserlös liegt nun weit unter den Erwartungen: Qimonda nimmt 546 Millionen Dollar (ohne Greenshoe) ein, nach den anfänglichen Plänen wären es bis zu 1,13 Milliarden Dollar gewesen. Finanzvorstand Michael Majerus sagte, Qimonda müsse trotz des niedrigeren Betrages geplante Investitionen nicht aufgeben. Das Unternehmen will den Emissionserlös in den Ausbau der Standorte in Dresden und im amerikanischen Richmond sowie in neue Forschungsprojekte stecken.
Der niederländische Elektronikkonzern Philips hatte zuletzt mehr Fortune als Qimonda. Erst Ende vergangener Woche gab er den Verkauf von 80 Prozent seines Halbleitergeschäftes an die Finanzinvestoren Kohlberg Kravis & (KKR), Silver Lake und Alpinvest zum Kaufpreis von 3,4 Milliarden Euro bekannt. Einschließlich der 3 Milliarden Euro Ausgleichszahlungen für Verbindlichkeiten und Vorleistungen fließen dem Konzern 6,4 Milliarden Euro zu. Auch Philips dachte an einen Börsengang der Sparte mit 4,6 Milliarden Euro Umsatz und 37.000 Beschäftigten, die drittgrößter Chiphersteller in Europa hinter ST Microelectronics und Infineon ist. Doch überwog die Überzeugung, das Geschäft mit Finanzinvestoren besser voranbringen zu können. Denn das neue Halbleiter-Unternehmen soll nun auch durch Akquisitionen gestärkt werden. Der Verkauf wurde durch die Produktpalette erleichtert. Denn die von Philips hergestellten Chips finden ihren Einsatz in konsumnahen und wachstumsstarken Bereichen, etwa für mobile Kommunikationssysteme, Unterhaltungselektronik oder Anwendungen im Auto. Qimonda ist auf die hauptsächlich in Computern eingesetzten Dram-Chips spezialisiert, die weit mehr als Massenware gelten.