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Technologie-Aktien Trägt der Technologie-Trend?

17.10.2007 ·  Tendenz positiv lautet das Fazit für die jüngsten Geschäftszahlen amerikanischer Technologie-Aktien wie IBM,. Intel oder Yahoo. Doch ob der jüngste Erholungstrend weiter trägt, ist noch nicht erwiesen.

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Zu den Unternehmen, die traditionell eine Berichtssaison eröffnen, gehört eine reihe bekannter Namen der amerikanischen Technologiebranche. Deren Aktienkurse hatten sich in den vergangenen Monaten um einiges fester gezeigt, galten Technologiewerte doch als tendenziell finanzkrisenresistent und zurückgeblieben - warum auch immer, macht ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 60 für die Yahoo!-Aktie diese doch nicht eben zum Schnäppchen.

Vielmehr scheint zu einem Gutteil auch ein Mythos immer wieder aufzuleben, der sich bei Yahoo! am deutlichsten zeigt. Im nachbörslichen Handel reagierte der Aktienkurs auf die Geschäftszahlen für das dritte Quartal mit einem Kurssprung von mehr als neun Prozent auf 29,15 Dollar.

Yahoo-Gewinn schrumpft weniger als befürchtet

Hervorgehoben wurde dabei, dass der Konzern die Erwartungen übertroffen habe. Aber die waren nicht eben hoch. Yahoo! hat im dritten Quartal einen Überschuss von 151 Millionen Dollar erwirtschaftet, der damit unter den leicht von 159 Millionen des Vorjahresquartal lag. Das entsprach abermals 0,11 Dollar je Aktie, während von Thomson Financial befragte Analysten im Schnitt mit einem deutlichen Rückgang auf 0,08 Dollar je Aktie gerechnet hatten.

Der Umsatz ohne die so genannten Traffic Acquisition Costs (TAC), Umsatzanteile der Partner, stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal von 1,121 auf 1,283 Milliarden Dollar und lag damit über der Expertenprognose von 1,239 Milliarden Dollar. Indes bedeutet das, dass die Marge von 14,2 auf 11,8 Prozent sank.

Auch wenn das vierte Quartal gut ausfallen soll und Analysten im kommenden Jahr im Schnitt mit einem deutlichen Anstieg von Gewinn und Umsatz rechnen, bleiben im Aktienkurs hohe Erwartungen eingepreist. Wie das Unternehmen in Kurs-Gewinn-Verhältnisse von knapp 70 für das laufende und 53 für das kommende Jahr hineinwachsen soll, erscheint doch schwer zu beantworten.

„Gründer-Hoffnungen“

Was die Anleger bei Laune hält, ist vielmehr die „Gründer-Hoffnung“. Denn nachdem vor allem Apple nach der Rückkehr von Steve Jobs eine phänomenale Wandlung erfahren hatte, erwartet man dies nun von jedem zurückkehrenden Gründer.

Und wie Michael Dell ist im Juni auch Jerry Yang an die Spitze von Yahoo zurückgekehrt , der das Unternehmen im Jahr 1995 zusammen mit David Filo gegründet hat.

Viel weniger zufrieden waren die Anleger mit IBM. Nachdem sie voller Vorfreude auf die Ergebnisse die Aktie im regulären Handel um 1,3 Prozent nach oben gekauft hatten, wollten sie diese nachbörslich wieder loswerden, so dass der Kurs auf 118 Dollar fiel, fast genau auf den Stand, zu dem der reguläre Handel eröffnet hatte.

IBMs Hardware-Geschäft enttäuscht

Die Ergebnisse waren unspektakulär, aber besser als erwartet. Der Gewinn je Aktie kletterte immerhin von 1,45 Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum auf 1,68 Dollar, während Analysten nur mit 1,67 Dollar gerechnet hatten. Insgesamt stieg der Gewinn von 2,2 auf 2,4 Milliarden Dollar, der Umsatz wie von Experten erwartet von 22,6 auf 24,1 Milliarden Dollar.

Was den Anlegern dagegen missfiel, war die Tatsache, dass die Umsätze im Server- und Hardware-Geschäft unerwartet zurückgegangen waren, weil die neuen IBM-Produkte nicht so eingeschlagen hatten wie erhofft. Das ist sicher ein Manko, aber warum die IBM-Aktie daher auf einer Bewertung mit geschätzten KGVs von 17,1 für das laufende und 15,1 für das kommende Jahr verharrt, erschließt sich nicht ohne weiteres.

Intel mit Oberwasser in schwerer See

Besser sieht es da bei Intel aus, die im ewigen Prozessor-Krieg gegenüber AMD in den vergangenen Monaten wieder Oberwasser haben. Der Chiphersteller hat im dritten Quartal das Nettoergebnis um 43 Prozent auf 1,86 Milliarden Dollar und die Umsätze auf 10,09 Milliarden Dollar gesteigert. Auch der weltgrößte Chiphersteller über den Erwartungen der von Thomson Financial befragten Analysten: Diese hatten beim Umsatz im Mittel mit 9,62 Milliarden Dollar gerechnet. Auch die eigene Umsatzschätzung konnte damit übertroffen werden - Intel rechnete mit 9,4 Milliarden bis 9,8 Milliarden Dollar.

Der Aktienkurs von Intel profitierte im nachbörslichen amerikanischen Handel von den Informationen und verteuerte sich um über 4 Prozent. Immerhin verbesserte sich der Ausblick auch etwas. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einer Bruttomarge zwischen 51 und 53 Prozent. Zuvor waren 51 Prozent „plus oder minus einige wenige Punkte“ in Aussicht gestellt worden.

Allerdings sagt Intel selbst, dass man sich in einem Wettbewerbsumfeld bewege, das durch einen hohen Kostenanteil charakterisiert sei, der kurzfristig nur schwer zu reduzieren sei, hieß es weiter. Preisdruck und Nachfrage seien kaum vorherzusagen. Darüber hinaus sei Intel in einer Übergangsphase zu seiner neuen Generation, die auf der Technologie von 45-nm-Chips basiert. Umsatz und Bruttomargen würden vom Zeitpunkt der Einführung sowie von Nachfrage und Akzeptanz der neuen Produkte beeinflusst.

Aufwärts für Seagate

Im Rahmen des Kostensenkungsprogramm will Intel im vierten Quartal 2.000 Stellen abbauen. Damit wird Intel Ende 2007 über etwa 86.000 Mitarbeiter verfügen - im Vorjahr waren es noch 94.000. Der Stellenabbau soll dabei helfen, die Kosten in diesem Jahr um zwei Milliarden Dollar und 2008 um 1 Milliarde Dollar zu senken.

Das zeigt, dass Intels Bäume nicht in den Himmel wachsen, sondern vielmehr stetig gepflegt werden müssen, um nicht anfällig zu werden. Mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 23,3 für das laufende und 19,1 für das kommende Jahr scheint die Intel-Aktie daher im besten Fall fair bewertet zu sein.

Da erscheint der weltgrößte Festplattenhersteller Seagate Technology als Lichtblick. Das Unternehmen hat Gewinn und Umsatz dank starker Nachfrage im ersten Quartal des jüngsten Geschäftsjahres gesteigert. Allerdings zeigen die Vergleichszahlen einen hohen Basiseffekt: Das Nettoergebnis betrug im Berichtsquartal 355 Millionen Dollar nach nur 19 Millionen vor einem Jahr. Im Ende Juni zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2006/2007 war das operative Ergebnis unter das des Jahres 2004/2005 gefallen.

Technologie im Trend

Indes sind die Analysten recht optimistisch und gehen von wieder deutlich höheren Umsätzen und Gewinnen aus. Und dabei wären die Bewertungen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 11,2 für das laufende und 10,4 für das kommende Jahr durchaus recht günstig.

Gleich, ob die fundamentalen Faktoren attraktiv erscheinen oder nicht: Technologiewerte liegen derzeit im Trend. Intel konnten sich bereits seit März von ihrem Jahrestief bei 18,86 Dollar auf mittlerweile 26,80 Dollar erholen und sich damit an die Hochs vom Jahresende 2005 heranarbeiten. Gelingt der Sprung über die Marke von 28,71 Dollar, so wäre damit der seit Anfang 2004 gültige langfristige Abwärtstrend endgültig ad acta gelegt.

Seit April zeigt der Trend der IBM-Aktie nach einer Korrektur zu Jahresbeginn wieder nach oben und setzt damit den Kursanstieg fort, der Mitte 2006 begonnen hatte. Allerdings schöpft wohl gerade deswegen die Notierung derzeit etwas Atem. das ist allerdings insofern ungünstig, dass sie damit am Fünf-Jahres-Hoch aus dem Jahr 2002 bislang scheitert. Dessen Überwindung aber wäre notwendig gewesen um Luft in Richtung der Kurse von mehr als 100 Dollar zu gewinnen, auf denen sie Ende der neunziger Jahre und zu Beginn des Jahrzehnts handelte.

Trends stoßen an entscheidende Marken

Seagate befinden sich in einem noch immer gleichermaßen lang anhaltenden Aufwärtstrend. Allerdings ist dieser seit Anfang 2006 in einen Seitwärtstrend übergegangen und erst eine Überwindung des Hochs vom Anfang des Jahres bei 28,35 Dollar würde einen Ausbruch anzeigen, so dass der seit Mai währende Aufwärtstrend tatsächlich eine Erholung anzeigt.

Das gilt auch für Yahoo, wobei die Zeichen hier langfristig ganz anders stehen. Seit einem starken Einbruch zu Beginn des Jahres 2006 befindet sich die Notierung immer noch im Abwärtstrend und erst bei Kursen über 32 Dollar wäre von einer Trendwende zu reden.

Insgesamt also zeigt der positive Trend bei Technologie-Aktien deutlich Merkmale einer eher kurzfristig angelegten Erholung, die zumindest bei einigen Werten an ihre Grenzen stößt oder schon gestoßen ist. Die ausbleibende Fortsetzung der positiven Tendenz für Technologiewerte an der japanischen Börse deutet in eine ähnliche Richtung. Insofern sollte man weder die Quartalszahlen selbst noch die auf ihrer Basis zustande gekommenen Kursbewegungen überbewerten und in Technologiewerte selektiv und unter gründlicher Abwägung der charttechnischen und fundamentalen Faktoren investieren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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