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Technologie-Aktien Die Stunde ist da

19.01.2010 ·  Technologie-Aktien sind immer die ersten, die von einem neuen Aufschwung nach oben gespült werden. Dort werden sie noch eine Weile bleiben. Denn Computer, Smartphones und Firmensoftware sind jetzt begehrt.

Von Nadine Oberhuber
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Wir wollen zwar nicht hoffen, dass der Jüngste Tag unmittelbar bevorsteht, aber eine der Prophezeiungen, die man mit ihm verbindet, hat sich jüngst erfüllt: Die Letzten würden die Ersten sein, heißt es. Für die Tech-Aktien stimmt das. Diese lange Zeit eher unterbelichtete Spezies an den Aktienmärkten dieser Welt ist durchgestartet. So richtig. Selbst für manche Analysten kam die Geschwindigkeit, mit der sie es tat, völlig überraschend.

Seit dem Absturz im New-Economy-Crash hatten viele die Technologiewerte nicht mehr auf der Liste. Der ganze Internethype: eine Wahnvorstellung. Der Aufstieg der Tech-Aktien: ein einmaliger Sondereffekt. Und der große Dotcom-Boom: eine gigantische Blase. So dachten fast alle, aber sie hatten unrecht.

Bestentwicklung

Jetzt, wo sich ein neuer Aufschwung abzeichnet und es aussieht, als ob es mit der Konjunktur wieder aufwärtsgeht, entpuppen sich die Technologiewerte als das, was sie schon immer waren: Frühzykliker, also die Ersten, die im neuen Aufschwung wieder ganz obenauf schwimmen. „Wenn die Aktien von Intel und Infineon gut laufen, ist das ein Hinweis darauf, wo die Konjunktur gerade steht“, bringt es Vermögensverwalter Georg Thilenius auf den Punkt.

Nicht nur diese beiden sind in atemberaubender Geschwindigkeit nach oben gespült worden: Die Aktien von Microsoft, Intel und Cisco legten seit Januar 2009 um 50 Prozent zu, im Jahr, als noch Krisenstimmung an den Börsen herrschte. Sandisk, Amazon und Apple schafften sogar 140 Prozent, und auch in Dax und Tec-Dax gab es gar kein Halten mehr: Infineon gewann 360 Prozent, Aixtron 500, Dialog Semiconductor sogar 1500 Prozent. Der Tech-Branchenindex legte 2009 gut 50 Prozent zu, doppelt so stark wie der Dax. „Der Technologiesektor war global einer der bestlaufenden Sektoren überhaupt“, sagt Fondsverwalter Markus Golinski von Allianz Global Investors.

Fängt der Aufschwung erst an?

Zwar gab es vereinzelt Branchen, die sich ebenfalls gut entwickelt haben. Der Bankensektor etwa, aber die Banken waren in der Krise auch übermäßig gestraft worden und hatten großes Aufholpotential. Oder die Automobilproduktion, aber die profitierte davon, dass weltweit Abwrackprämien das Geschäft der Hersteller anschoben. Im Gegensatz zu denen ist der Aufschwung der Tech-Branche aber nicht schon wieder vorbei, er fängt gerade erst an, wenn man Analysten glauben darf.

Es ist der Mechanismus, der immer greift, wenn die Konjunktur anspringt: Wenn die Unternehmen in der Krise stecken, schieben sie Investitionen in Technik und Computer so lange wie möglich hinaus. Zudem wollen sie Kosten sparen, also entlassen sie Mitarbeiter. Bald merken sie, dass sie mit weniger Leuten nicht die gleiche Leistung bringen - dann zieht die Auftragslage wieder an. Was tun sie also?

Der kommende Nachholbedarf

Sie investieren wieder. Erst mal in Computersysteme, um ihre Unternehmensabläufe schneller zu machen, damit in weniger Zeit besser gearbeitet wird. Genau dann steigt das Geschäft der IT-Firmen, der Hard- und Softwarehersteller wieder an, weil die Laune und Investitionslust der Firmen wieder steigen. Diese Wellenbewegung haben Statistiken in den vergangenen 40 Jahren immer wieder erfasst.

Augenblicklich haben Firmen sogar besonders großen Nachholbedarf: Der durchschnittliche Computer in Unternehmen ist fünfeinhalb Jahre alt und damit schon fast ein Steinzeitgerät, wenn man die Fortschritte in der Entwicklung seitdem bedenkt. „Deshalb glaube ich, dass Technologie auch 2010 ein interessanter Sektor sein wird“, sagt Analyst Golinski, „wir befinden uns jetzt in einer Aufschwungphase, da profitieren Tech-Werte als Frühzykliker.“

Immer ein bisschen mehr

Bisher war es noch in jedem Aufschwung so, dass erst mal die IT-Firmen abhoben. Doch wer nun angesichts der rasant gestiegenen Kurse noch skeptisch ist, dem sei gesagt: Seit den 70er Jahren legten Technologieaktien jedes Mal in den 12 Monaten nach der wirtschaftlichen Trendwende - und die passiert genau jetzt - im Schnitt 35 Prozent zu. Mehr als alle anderen Branchen. Und wenn sie noch stärker in die Höhe schossen, bedeutete das: Auch der Rest der Wirtschaft steht vor einem großen Wirtschaftsschub.

Es ist noch einiges an Potential drin: „Für die größten Endmärkte erwarten wir auch 2010 Wachstum“, sagt Golinski: „Der PC-Markt wird mehr als 10 Prozent bei den verkauften Einheiten zulegen, der Markt der Handhelds ebenfalls.“ „Zudem fahren viele Hersteller und IT-Dienstleister jetzt die Ernte dafür ein, dass sie in der Krise massiv ihre Kosten gesenkt haben“, sagt auch Thomas Friedrich, Experte für Internetaktien bei Unicredit.

Zeit fürs Firmengeschäft

Eine Verschiebung allerdings erwarten Analysten schon. Golinski: „2009 haben vor allem die Hersteller gut performt, die den Endkonsumenten ansprechen, das hätte kaum einer gedacht.“ Wer rechnete schon ausgerechnet im Krisenjahr mit dem Siegeszug von iPhone und mobilem Internet? Auf Letzteren hatte die Branche schließlich seit Jahren vergeblich gewartet.

Dagegen wird 2010 eher das Jahr derer, die von Firmenausgaben in die IT profitieren. Daher empfehlen Marktbeobachter dringend Aktien wie die von Brainforce, Cancom, Nexus, SQS Software oder den Halbleiterherstellern FSI International und Süss Microtec zum Kauf. Und Stratege Ad van Tiggelen von ING Investment Management prophezeit: „Es mag jetzt an der Zeit sein, wieder auf die Verlierer des vergangenen Jahrzehnts zu setzen - die Technologieaktien.“

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Jahrgang 1973, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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